Gedenken an Helmut Kohl: Europäischer Staatsakt wohl Anfang Juli

Gedenken an Helmut Kohl: Europäischer Staatsakt wohl Anfang Juli

, aktualisiert 19. Juni 2017, 21:30 Uhr
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Trauerkerzen stehen in den frühen Morgenstunden am Haus des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl, der am Freitag im Alter von 87 Jahren verstarb.

Quelle:Handelsblatt Online

Helmut Kohl wird wohl als erster verstorbener Politiker mit einem europäischen Staatsakt in Straßburg geehrt. Der 1. Juli ist im Gespräch, der Termin steht aber noch nicht fest. Merkel hält „höchste Ehrungen“ für angemessen.

Altkanzler Helmut Kohl wird voraussichtlich als erster verstorbener Politiker Anfang Juli mit einem europäischen Staatsakt in Straßburg geehrt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vom Montag sprach viel für das Datum 1. Juli. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorbenen früheren CDU-Vorsitzenden mit einem Eintrag in das im Kanzleramt ausliegende Kondolenzbuch als Staatsmann, „der historisches für unser Land erreicht hat“.

Für Kohl wird es nach Informationen der „Bild“-Zeitung außer dem Staatsakt auf europäischer Ebene keinen nationalen Staatsakt in Deutschland geben. Dies sei Kohls ausdrücklicher Wunsch gewesen.

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EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte einen europäischen Staatsakt angeregt - es wäre die erste Veranstaltung dieser Art überhaupt. Daran sollen EU-Spitzenvertreter und politische Weggefährten Kohls teilnehmen. Aber auch in Deutschland dürfte es eine größere Trauerzeremonie geben. Direkt nach den Feierlichkeiten in Straßburg sei im Dom zu Speyer in Rheinland-Pfalz eine Totenmesse geplant, hatte die „Bild am Sonntag“ geschrieben.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ Regierungssprecher Steffen Seibert erklären, Kohl sei ein Wegbereiter der europäischen Einigung gewesen. „Insofern ist es für die Bundesregierung außer Frage, dass zu seinem Tod höchste Ehrungen angemessen sind.“ In welcher Form, wann und an welchem Ort dies geschehe, werde noch geklärt. Das Bundespräsidialamt erklärte, man werde sich bei der Ausgestaltung der Trauerfeierlichkeiten entsprechend der bisherigen Staatspraxis an den Wünschen der Familie orientieren. „Dazu finden derzeit Gespräche statt.“


„Neuer Impuls für EU“

Ein Staatsakt am 1. Juli in Straßburg, dem Sitz des Europaparlaments, würde auch den Terminplanungen der Union entgegenkommen. Am 2. und 3. Juli wollen die Spitzen von CDU und CSU in Berlin ihr gemeinsames Wahlprogramm verabschieden. In der Union hieß es aber auch, falls der 1. Juli nicht praktikabel sei, werde ein Staatsakt etwa an einem der folgenden Tage nicht an parteipolitischen Terminen scheitern.

Der frühere Berater Kohls, Horst Teltschik, sagte im ZDF, ein europäischer Staatsakt für Kohl sei auch eine Chance: „Vielleicht gibt dieses Signal der europäischen Würdigung der gesamten Europäischen Union einen neuen Impuls.“

Steinmeier schrieb in das im Kanzleramt ausliegende Kondolenzbuch: „Helmut Kohl war ein Ausnahmepolitiker und ein Glücksfall für unser Land.“ Und weiter: „Europäische Einheit und transatlantische Partnerschaft waren ihm immer Herzensanliegen.“ Merkel schrieb im Zusammenhang mit einer Mitarbeiterversammlung in der CDU-Zentrale zum Gedenken an Kohl in ein dort ausliegendes Gedenkbuch, Kohl habe „über ein Vierteljahrhundert die CDU als ihr Vorsitzender geprägt und modernisiert“. Deutsche Einheit und europäische Einigung seien für ihn „immer zwei Seiten ein und derselben Medaille“.

Der frühere Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann würdigte Kohl als gradlinigen, sensiblen und gebildeten Menschen. „Er war nicht die Dampfwalze, die alles brutal niederwalzte, zu der ihn manche immer wieder machen wollten“, schrieb er in einem Beitrag für die „Rheinische Post“.

Der Kohl-Biograf Heribert Schwan, der sich mit dem Altkanzler jahrelang erbittert vor Gericht gestritten hatte, sagte dem „Express“ (Montag): „Ich trauere zum einen um einen Staatsmann - und dann um einen Menschen, dem ich acht Jahre sehr nahe stand und verbunden war, von dem ich viel erfahren habe.“ Er sei „traurig darüber, dass ich mich mit ihm vor seinem Tod nicht mehr aussprechen konnte“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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