Gehaltsforderungen: Hohe Lohnzuwächse sind gefährlich

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KommentarGehaltsforderungen: Hohe Lohnzuwächse sind gefährlich

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Im vergangenen Jahr konnte die IG Metall viele Tarifrunden gewinnen. In diesem Jahr wird es für die Gewerkschaften deutlich schwerer

von Bert Losse

Die Gewerkschaften wollen auch 2013 hohe Lohnzuwächse durchsetzen. Prominente Unterstützung kommt vom Wirtschaftsweisen Peter Bofinger, der mit Lohnsteigerungen in Deutschland auch die Eurokrise bekämpfen will. Doch der Weg ist gefährlich: Kriselnden Firmen brauchen genug Luft zum Atmen.

Keine Frage: Für die Gewerkschaften war 2012 das erfolgreichste Jahr seit Langem. Die Lohnzuwächse, die IG Metall & Co. für die Arbeitnehmer herausholten, lagen meist zwischen 3,0 und 4,5 Prozent und damit deutlich höher als im Vorjahr. Angesichts einer Inflationsrate von rund zwei Prozent stiegen somit auch die realen Tarifentgelte der Beschäftigten. Die Unternehmen sind daran nicht zerbrochen, zumal die Konjunktur passabel lief und in den Jahren zuvor die Lohnzuwächse meist moderat ausgefallen waren.

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Doch am 2012 eingeläuteten "Ende der Bescheidenheit" wollen die Gewerkschaften auch in diesem Jahr festhalten, in dem es konjunkturell nicht mehr rund läuft. Pünktlich zum Jahreswechsel hat DGB-Chef Michael Sommer spürbare Lohnzuwächse zur "Steigerung von Massenkaufkraft" gefordert. Damit trifft er die Stimmung in den Einzelgewerkschaften. Verdi und Beamtenbund etwa fordern in der laufenden Tarifrunde für die Beschäftigten der Bundesländer stolze 6,5 Prozent mehr Geld.

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Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hält kräftige Gehaltssteigerungen in Deutschland für unerlässlich. "Fünf Prozent Plus über alle Branchen hinweg sollten es schon sein", sagte der Würzburger Professor mit Blick auf die anstehende Tarifrunde dem "Spiegel". In Bofingers Forderung ist ein zweiprozentiger Zuschlag zur Euro-Rettung enthalten, damit die Deutschen mehr konsumieren. Eigentlich ergibt sich aus dem Produktivitätszuwachs und der Inflation laut Bofinger nur eine dreiprozentige Lohnsteigerung. "Aber wir können bei Tarifverhandlungen nicht länger so tun, als lebten wir auf einer Insel", sagte er. Zwar kämen die südeuropäischen Staaten, die seit der Euro-Einführung kräftige Einkommenszuwächse verzeichneten, um Sparmaßnahmen und Reformen nicht umhin. Aber durch eine kräftige Lohnsteigerung könnten die Deutschen den notwendigen Anpassungsprozess abfedern.

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Eine aggressive Lohnstrategie ist 2013 jedoch hoch riskant. Die deutsche Wirtschaft dürfte nur noch schwach wachsen, die konjunkturellen Risiken durch Euro-Krise und die fragile Lage in den USA und China sind immens. Der Sachverständigenrat schätzt hierzulande den Verteilungsspielraum aus Produktivitätswachstum und Inflationsrate nur auf rund zwei Prozent.

2013 ist daher kein Jahr für Verteilungskämpfe, und die Gewerkschaften sollten bei den Beschäftigten nicht zu große Hoffnungen wecken. Mehr denn je müssen sich die Tarifparteien stattdessen auf betriebsnahe Lösungen einigen. In einer Zeit, in der die Industrie immer heterogener und die Lage der einzelnen Betriebe auch innerhalb der Branchen stark differiert, ist Lohnpolitik mit der Gießkanne nicht angesagt. Es gilt, in prosperierenden Betrieben die Beschäftigten spürbar am Erfolg zu beteiligen – umgekehrt aber kriselnden Firmen genug Luft zum Atmen zu geben. Das ist ein schwieriger Balanceakt. Doch eine ökonomisch vernünftige Alternative dazu gibt es nicht.

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