Gesundheit: Krankenkassen in Aktion

Gesundheit: Krankenkassen in Aktion

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ARCHIV: Eine Apothekerin nimmt in einer Apotheke in Köln ein Medikament aus dem Schrank.

Mit der Einführung des Gesundheitsfonds beginnen sich bestimmte Krankheiten zu lohnen – zumindest für die Kassen.

Derzeit finden gesetzlich Versicherte ungewöhnlich oft Post ihrer Krankenkasse im Briefkasten. Da ist zum einen die Ankündigung, dass der Beitragssatz steigt. Denn ab 1. Januar müssen alle gesetzlichen Kassen einen Einheitssatz von 15,5 Prozent erheben. Die meisten Kassen werden daher für die Versicherten teurer. Zum anderen flattern Briefe ins Haus, in denen sich die Kassen besorgt nach dem Gesundheitszustand ihrer Kunden erkundigen – oder ihnen schon mal für das nächste Jahr Sparmaßnahmen ankündigen.

Hinter dieser plötzlichen Aktivität steckt eine Liste namens Morbi RSA – darauf stehen 80 Krankheiten. Für jeden Patienten, bei dem eine dieser Krankheiten diagnostiziert wurde, erhält seine Kasse ab 2009 zusätzliches Geld aus dem Gesundheitsfonds – neben der Grundpauschale von 185 Euro, die der Fonds pro Versicherten ohnehin zahlt und zusätzlich auch zu den Zu- und Abschläge – je nach Alter und Geschlecht.

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Für das Nierenversagen bei einem Versicherten beispielsweise bekommt die Kasse pro Monat 189,48 Euro extra. Hat der Patient den Dialysestatus erreicht, fließen 4080,55 Euro an die Kasse. Erhöhte Zuckerwerte bringen erst einmal gar nichts – verwandeln sie sich aber in einen Diabetes mit renalen Manifestationen, zahlt der Fonds an die Kasse des Versicherten monatlich 240,62 Euro. So hat jede Kasse ein Interesse daran, dass sich erhöhte Zuckerwerte in Diabetes verwandeln – möglichst pünktlich zum ersten Januar. Auch wenn es dem Versicherten dann nicht schlechter geht, für die Kasse wird er rentabel. „Dieser Fonds führt dazu, dass Krankheit betreut und nicht mehr Gesundheit hergestellt wird“, schimpfen daher Kritiker wie Wolfram-Arnim Candidus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten.

Weil der Fonds nun aber eine riesige Umverteilungsmaschine ist, gibt es dabei Gewinner und Verlierer gleichermaßen.

Die Verlierer, darunter die meisten Betriebs- und Innungskrankenkassen und einige wenige Ersatzkassen, müssen ihren Versicherten höhere Beiträge zumuten – und verfügen gleichzeitig über ein geringeres Budget.

Die Hanseatische Ersatzkasse (HEK) verschickte Ende Oktober einen Brief an einen Teil ihrer Versicherten. Darin kündigte sie „Sparmaßnahmen“ an, „mit besonderem Augenmerk auf die Bereiche Krankenhaus, Arzneimittel, Krankengeld und Fahrkosten“ und bat um Verständnis: „Auf diese Situation, die vom Gesetzgeber so gewollt ist, müssen sich Versicherte der HEK ab 2009 leider einstellen.“ Nach Auskunft eines Berliner Gesundheitsexperten ging dieses Schreiben lediglich an chronisch Kranke, die hohe Kosten verursachen. Die HEK hat diesen Vorgang weder bestätigt noch dementiert.

Auch Ärzte erfreuen sich derzeit höherer Aufmerksamkeit seitens der Kassen.

In Niedersachsen berichten Ärzte, Vertreter der AOK seien mit Fragebögen in ihren Praxen aufgetaucht. Darauf hätten die Namen von Patienten gestanden, bei denen die Ärzte ihre Diagnosen überprüfen sollten. Im Falle fachlich begründeter Korrekturen waren die Kassenvertreter mit einer anderen Diagnose gleich zur Hand. Auch für den Arzt sollte sich die Prozedur lohnen – es gab eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro.

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