Gesundheitspolitik: Kürzere Wartezeiten für Patienten

Gesundheitspolitik: Kürzere Wartezeiten für Patienten

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Auf einen Termin beim Spezialisten müssen Patienten oft monatelang warten. Das soll sich ändern.

von Timo Stukenberg

Patienten sollen maximal vier Wochen auf einen Termin beim Facharzt warten. Darauf haben sich Union und SPD geeinigt. Was nach einem Durchbruch für die Patienten klingt, könnte sich aber als Luftnummer herausstellen.

Wer einen Termin bei einem Facharzt braucht, sollte weit im Voraus planen. Mehrere Monate kann es dauern, bis Patienten zum Beispiel bei einem Hautarzt oder Rheumatologen untersucht werden, Notfälle ausgenommen. Deshalb haben sich Gesundheitspolitiker von Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt, die Wartezeit für Facharzttermine auf vier Wochen zu begrenzen. Garantieren sollen das die Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen.

Wer vor der Vier-Wochen-Frist keinen Termin bekommt, kann sich demnach in einem Krankenhaus behandeln lassen. Eine "gute Entscheidung" nennt die Deutsche Krankenhausgesellschaft die Einigung. Doch ob sie wirklich so viel bringt, ist fragwürdig. "Auf dem flachen Land sichern die Krankenhäuser bereits die ambulante Versorgung", sagt ein Sprecher. Für die Menschen dort würde sich also kaum etwas ändern, wenn sie ihren Facharzt im Krankenhaus aufsuchen.

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Vier Wochen zu pauschal

Wie genau die Vier-Wochen-Frist garantiert werden soll, ist noch nicht bekannt. Sicher ist nur, dass die kassenärztlichen Vereinigungen (KV) sogenannte Terminvermittlungsstellen einrichten sollen. Patienten sollen dort anrufen können, um sich zeitnah einen Termin vermitteln zu lassen. Laut dem Dachverband der Kassenärzte (KBV) gibt es solche stellen bereits in einigen Gebieten. Bislang wenden sich Patienten in der Regel allerdings direkt an ihre Arztpraxis. Man wolle zwar die Wartezeiten für Patienten verkürzen, sagt ein KBV-Sprecher. Laut eigener Umfragen seien es aber lediglich sechs Prozent der Patienten, die sich über zu lange Wartezeiten beschweren.

Jens Spahn, Verhandlungsführer für die CDU, argumentiert, dass Beitragszahler erwarten könnten, innerhalb von vier Wochen einen Termin zu bekommen. Besser wäre es allerdings, wenn die Wartezeit abhängig vom Gesundheitszustand des Patienten gemacht werde, sagt ein KBV-Sprecher. "Auf eine Präventionsmaßnahme kann man problemlos länger warten." Außerdem müssten sich Patienten darauf einstellen, zu irgendeinem Arzt geschickt zu werden - je nachdem, wo gerade einen Termin frei ist. Das greife laut KBV in die freie Arztwahl ein, die Patienten gesetzlich zugesichert ist. "Die Patienten müssen dann auch bereit sein, zu einem Arzt zu gehen, den sie nicht kennen", heißt es bei der KBV.

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Quelle: imago / jochen tack

Skepsis gegenüber Kassenärzten

Kritik kommt auch vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Der Verband stellt infrage, wie effektiv die Terminvermittlungsstellen der kassenärztlichen Vereinigungen sein können. Bisher seien sie nicht ihrem gesetzlichen Auftrag nachgekommen, die Wartezeiten auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, teilte Sprecher Florian Lanz mit. "Deshalb sind wir skeptisch, ob gerade die Kassenärztlichen Vereinigungen jetzt noch einmal damit betraut werden sollten."

Die Arbeitsgemeinschaft Gesundheit, die für Union und SPD die Einigung erzielt haben, besteht aus insgesamt 17 Mitgliedern. Den beiden prominentesten Mitglieder der AG, Karl Lauterbach (SPD) und Jens Spahn (CDU), gelten als ausgewiesene Kenner des Gesundheitssystems. Bevor sie sich am Verhandlungstisch gegenübersaßen, waren die beiden als gesundheitspolitische Sprecher ihrer Fraktionen Gegenspieler im Bundestag. Beiden werden Ambitionen auf den Posten als Gesundheitsminister nachgesagt.

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