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Gesundheitspolitik: Röslers Irrtum von den kranken Alten

von Peter Thelen; handelsblatt

Gesundheitsfürsorge wird teurer, weil das Volk altert und der Fortschritt viel kostet, behauptet Minister Rösler. Darauf gründet seine Reform. Doch für diese These fehlt jeder Beweis.

Bundesgesundheitsminister Quelle: dpa
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler Quelle: dpa

Seit die schwarz-gelbe Bundesregierung sich entschlossen hat, den Arbeitgeberbeitrag zur Krankenversicherung einzufrieren und den künftigen Anstieg der Gesundheitsausgaben allein von den Versicherten über Zusatzbeiträge zahlen zu lassen, laufen die Kanzlerin und ihr Gesundheitsminister mit einer zentralen Botschaft durch das Land: An steigenden Gesundheitsausgaben führe keine noch so ausgeklügelte Strukturreform vorbei, weil in der alternden deutschen Gesellschaft der Therapiebedarf steige und der medizinische Fortschritt das System immer teurer mache.

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Um zu verhindern, dass dieser unvermeidbare Kostenanstieg das Wirtschaftswachstum stranguliert, dürfe die Wirtschaft nicht länger über steigende Lohnzusatzkosten an seiner Finanzierung beteiligt werden. Es gehört zu den erstaunlichsten Phänomenen der aktuellen Debatte, dass bislang kaum Zweifel an dieser Kernthese schwarz-gelber Gesundheitspolitik laut geworden sind.

Länger gesund

So glauben nach einer aktuellen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung 80 Prozent der Bevölkerung, dass die Gleichung, mehr Alte bedeutet höhere Gesundheitskosten, zutrifft. Dabei weckt schon ein Blick in die Ausgabenstatistik der Krankenkassen Zweifel. Seit Jahren steigt in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) die Zahl der angeblich krankheitsanfälligeren über 80-Jährigen, allein in den vergangenen fünf Jahren um über zehn Prozent.

Trotzdem ist der Anteil der Ausgaben der KVdR an den Gesamtausgaben der Kassen seit der letzten Umstellung der Statistik im Jahr 2002 nur von 47 auf 49 Prozent gestiegen. Seither haben sich aber die Gesamtausgaben um dramatische 20 Prozent erhöht und werden dieses Jahr um weitere zehn Prozent steigen. Wer immer dafür verantwortlich ist, die Demografie ist es nicht.

In der wissenschaftlichen Forschung gibt es längst zahlreiche Hinweise, warum das so ist. Dort hat man nämlich herausgefunden, dass ein längeres Leben mit mehr gesunden Lebensjahren einhergeht und nur gegen Lebensende die Therapiekosten stark steigen. Dazu passt der erstaunliche Befund, dass in den alternden Industriegesellschaften das individuelle Risiko, pflegebedürftig oder behindert zu werden, seit Jahren sinkt. Insgesamt werde die deutsche Gesellschaft immer gesünder, fand das Robert-Koch-Institut heraus. Grund ist nicht der medizinisch-technische Fortschritt, sondern die immer gesündere Lebensweise der Menschen.

Überschätzter Kostentreiber

Auch dessen Rolle als unvermeidbarer Kostentreiber wird überschätzt. Zwar sind es in der Tat vor allem neue Medikamente, neue Operationsverfahren und Medizintechnik für Therapie und Diagnostik, die die Ausgaben der Kassen steigen lassen. Doch ein großer Teil dieses Fortschritts ist von zweifelhaftem Nutzen, also verzichtbar. Der Anteil der Kassenleistungen, für die es 2008 einen Nutzen- und Wirksamkeitsnachweis gab, lag nach einschlägigen Studien nur zwischen 34 und 43 Prozent.

33 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.10.2010, 15:43 UhrAnonymer Benutzer: cornelia

    ich lese hier wirklich nur dummes geschwätz

  • 29.09.2010, 20:44 UhrAnonymer Benutzer: Ottfried Ludwig

    ich werde dieses Jahr 71, mache jeden Morgen meine Gymnastik, wandere mit meinem Viszla und treffe im Wald jede Menge älterer
    Nordic Walker, Jogger und Wanderer, die gesund und quietschfidel
    sind. ich habe eher den Eindruck, daß wir älteren die Kassenbei-
    träge vieler jüngerer Versicherter subventionieren.

  • 27.09.2010, 14:18 UhrAnonymer Benutzer: Trollo

    Die Gesundheitskosten explodieren, weil die Pharma-, Medizintechnik- und Klinikkonzerne dank unserer unfähigen bzw. korrupten Politiker das Gesundheitssystem schon vor Jahren als paradiesischen Selbstbedienungsladen entdeckt haben und seitdem gnadenlos ausrauben!

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