Gesundheitsversorgung: Flüchtlingsstrom beschert Kassen unerwartet hohe Kosten

Gesundheitsversorgung: Flüchtlingsstrom beschert Kassen unerwartet hohe Kosten

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Die Gesundheitsvorsorge für Flüchtlinge könnte für Krankenkassen teuer werden.

von Cordula Tutt

Tausende zusätzliche Klinikbetten, Ärzte und Pflegekräfte sind nötig. Die Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge könnte für die Krankenkassen teuer werden. Nur der Gesundheitszustand vieler Flüchtlinge macht Hoffnung.

Das Krankenhaus Neumünster hat reagiert. Seit Herbst gibt es in der Klinik in Schleswig-Holstein eine Ambulanz für Flüchtlinge, die normale Notaufnahme war überlastet. Erst packten zwei syrische Ärzte an, nun sind es schon vier. Sie verständigen sich mit den Patienten auf Arabisch, Kurdisch, Englisch und Deutsch. Ähnliche Improvisation gibt es in Krankenhäusern auch anderswo in Deutschland zu bestaunen.

In weiten Teilen ist der deutsche Gesundheitssektor aber noch schlecht auf die vielen Flüchtlinge vorbereitet. Schon bald dürften weitere Probleme auftauchen. Je länger die Menschen hier sind, desto mehr Versorgung steht ihnen nämlich zu. Kein Wunder, dass Krankenkassen und Bundesregierung bereits über einen Steuerzuschuss verhandeln.

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Mehr Betten, mehr Personal

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery ist zwar sicher, dass die Flüchtlinge langfristig weniger Kosten verursachen werden als normale Kassenpatienten. „Es kommen vor allem junge Menschen zu uns, die viel gesünder als durchschnittliche Versicherte sind“, sagt Montgomery. Zudem verweist er auf die Ankunft vieler Aussiedler und Asylbewerber Anfang der Neunzigerjahre. „Damals haben wir es auch geschafft, Millionen Zuwanderer zu integrieren.“ Doch Montgomery fügt hinzu: „Auf Dauer benötigen wir mehr Krankenhausbetten, mehr Personal und mehr Ärzte.“

Die Beratungsfirma Deloitte prognostiziert, dass bei 800.000 Zuwanderern pro Jahr 2250 zusätzliche Klinikbetten und 2100 Ärzte und Pflegekräfte nötig werden.

Doch wer soll die Versorgung insgesamt bezahlen? Niemand weiß, wie schnell die Neuankömmlinge Geld verdienen und Beiträge zahlen. Für Asylbewerber gilt: In den ersten 15 Monaten ihres Aufenthaltes dürfen sie nur im Notfall und bei akuten Krankheiten zum Arzt. Diese Behandlung bezahlen die Kommunen. Die sind auch danach zuständig, bis über einen Asylantrag entschieden ist. Nur Asylberechtigte können ohne Einschränkung in die gesetzliche Versicherung wechseln. Wer arbeitslos ist – und das werden viele Flüchtlinge anfangs bleiben –, kostet die Kassen dann.

Bislang zahlt der Bund den Kassen für jeden Langzeitarbeitslosen 90 Euro im Monat. Das ist wenig, ein Durchschnittsversicherter bekommt Leistungen in Höhe von knapp 230 Euro. Auch für Flüchtlinge liegen die Kosten nach Kassenangaben bisher pro Kopf bei 180 bis 200 Euro, weit höher als wohl zunächst der Beitrag.

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Was der Staat für Hartz-IV-Empfänger überweise, reiche nicht, kritisiert Montgomery. „Hier muss man nachbessern, nicht nur weil Flüchtlinge dazukommen.“ Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) scheint bereit für einen milliardenschweren Steuerzuschuss, sollten Flüchtlinge länger keine Arbeit finden. „Die Bundesregierung beobachtet genau, welche Konsequenzen das auf den Bundeszuschuss an den Gesundheitsfonds haben muss“, erklärt er. Eine Sprecherin des Finanzministeriums wehrt hingegen ab, die Versicherungseinnahmen entwickelten sich „weiter positiv“.

Kassenvertreter erwarten, dass zunächst die Rücklagen im Gesundheitsfonds, der Geldsammelstelle der Sozialversicherung, für die Zusatzkosten draufgehen werden. „Das dürfte dann etwa bis nach der Bundestagswahl reichen“, so ein Funktionär.

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