Gesundheitswesen: Das Volk will die Bürgerversicherung

Gesundheitswesen: Das Volk will die Bürgerversicherung

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Laut MLP-Gesundheitsreport spricht sich eine Mehrheit in der Bevölkerung spricht für eine Bürgerversicherung aus. Bürger und Ärzte beklagen zudem den zunehmenden Ärzte- und Pflegepersonalmangel.

Im Wahljahr spricht sich eine Mehrheit dafür aus, Selbständige und Beamte in die Krankenkassen zu holen. Bürger wie Ärzte beklagen zudem zunehmenden Ärzte- und Pflegepersonalmangel, so eine Umfrage zum Gesundheitswesen.

Ginge es allein nach Volkes Wille, müsste die "Bürgerversicherung" nach einem Wahlsieg der Oppositionsparteien bei der Bundestagswahl im September auf jeden Fall kommen – und damit Beamte, Selbständige und freiwillig Krankenversicherte zu Pflichtmitgliedern der gesetzlichen Kassen machen. Dies ist nur eines der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zum Gesundheitswesen, die das Institut für Demoskopie Allensbach unter Bürgern und Ärzten durchgeführt hat und die nun in Berlin präsentiert wurde.

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Eine Mehrheit von 56 Prozent in der Bevölkerung spricht sich nach den Daten im MLP Gesundheitsreport für eine Bürgerversicherung aus. Käme es dazu, wäre dann eine private Krankenversicherung nur noch im Rahmen von Zusatzversicherungen möglich. Selbständige, Beamte und aufgrund hohen Einkommens freiwillig Gesetzlich Versicherte würden dann nicht mehr die Vorteile einer privaten Krankenversicherung genießen. Die Ärzteschaft ist bei der Frage nach einer Bürgerversicherung eher gespalten: 51 Prozent befürworten den Reformvorschlag, 41 Prozent sind dagegen. Doch obwohl eine knappe Mehrheit der Ärzte die Bürgerversicherung befürwortet, erwartet nur jeder fünfte Arzt, sich durch ihre Einführung auch die Gesundheitsversorgung verbessert. 47 Prozent der Mediziner gehen davon aus, dass die Einführung überhaupt keine Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung hätte – 26 Prozent erwarten sogar eine Verschlechterung. Hier scheint der Fairness-Gedanke im Vordergrund zu stehen.

Auch wenn der Umfrage zufolge die Zufriedenheit mit den Gesundheitssystem im Vergleich zu den Vorjahren auf einen Höchstwert gestiegen ist, sehen weite Teile der Bevölkerung und der Ärzteschaft zunehmend Probleme durch einen wachsenden Mangel an Ärzten und Pflegepersonal. Dieser äußert sich für die Patienten zunehmend bei Krankenhausaufenthalten und beim Arztbesuch. Mehr als die Hälfte der Deutschen beklagt die mangelnde Zeit der Ärzte für den einzelnen Patienten. Mit 57 Prozent hat sich dieser Wert seit Mitte der neunziger Jahre nahezu verdoppelt (1995: 31 Prozent). Mehr als jedem Vierten zufolge gab es beim Krankenhausbesuch in den vorigen Jahren zu wenig Ärzte und Fachärzte.

Wie Ärzte und Bürger das Gesundheitssystem bewerten

  • Befragung

    Die Studie zur Lage des Gesundheitswesens hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanz- und Vermögensberaters MLP erstellt. Für die diesjährige repräsentative Untersuchung führte Allensbach Interviews mit 512 Ärzten sowie 2100 Bürgern zu mehr als 80 Einzelfragen. Die Gespräche fanden im Oktober und November 2012 statt.
    Quelle: MLP Gesundheitsreport 2012/2013 vom 23.1.2013

  • Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems

    Das Gesundheitssystem und die Gesundheitsversorgung in Deutschland sind


    laut Bevölkerung
    gut oder sehr gut: 82 Prozent
    weniger gut oder gar nicht gut: 16 Prozent

    laut Ärzten
    gut oder sehr gut: 93 Prozent
    weniger gut oder gar nicht gut: 7 Prozent

  • Qualität der Gesundheitsversorgung

    Die Qualität der Gesundheitsversorgung hat sich in den letzten zwei, drei Jahren

    laut Bevölkerung
    verbessert: 9 Prozent
    kaum verändert: 46 Prozent
    verschlechtert: 39 Prozent

    laut Ärzten
    verbessert: 12 Prozent
    kaum verändert: 45 Prozent
    verschlechtert: 40 Prozent


    Differenz zu 100 Prozent: unentschlossen

  • Zufriedenheit mit der Gesundheitspolitik

    Es haben von der Gesundheitspolitik der Bundesregierung


    keinen guten Eindruck: Bevölkerung: 42 Prozent; Ärzte: 71 Prozent
    einen guten Eindruck: Bevölkerung 26 Prozent; Ärzte: 18 Prozent

  • Reformbedarf und Reformdruck

    Frage: Muss unser Gesundheitssystem umfassend reformiert werden oder ist das nicht notwendig?


    Muss umfassend reformiert werden: 73 Prozent der Ärzte, 47 Prozent der Bevölkerung
    Ist nicht notwendig: 24 Prozent der Ärzte, 27 Prozent der Bevölkerung


    Frage an die Ärzte:
    Was erwarten Sie: Wird es nach der nächsten Bundestagswahl zu grundlegenden Reformen im Gesundheitswesen kommen oder glauben Sie das nicht?
    Erwarte grundlegende Reformen: 4 Prozent
    Erwarte das nicht: 90 Prozent

  • Felder notweniger Reformen

    Gefragt, was zur Sicherstellung einer leistungsfähigen Gesundheitsversorgung notwendig wäre, nannten die Ärzte am häufigsten (Mehrfachnennungen möglich):


    Bürokratieabbau, Einsparungen bei Verwaltungskosten, Umbau und Vereinfachung der Kassenlandschaft (31 Prozent der Befragten)
    Änderung und gerechtere Gestaltung des Honorar- und Vergütungssystems (15 Prozent)
    Bessere Information der Patienten, um Eigenverantwortung und Kostenbewusstsein zu stärken (12 Prozent)

  • Verwendung der Krankenkassenüberschüsse

    Wofür plädieren Sie? Angesichts der derzeitigen Überschüsse der gesetzlichen Krankenkassen sollte man


    Rücklagen bilden: Bevölkerung 38 Prozent; Ärzte 59 Prozent
    Beiträge zurückerstatten: Bevölkerung 37 Prozent; Ärzte: 17 Prozent
    Beiträge generell senken: Bevölkerung 34 Prozent; Ärzte 36 Prozent
    Zusatzleistungen anbieten: Bevölkerung: 23 Prozent; Ärzte 27 Prozent

  • Zurück zu Beitragsunterschieden bei den Kassen?

    Sollten die Krankenkassen die Beitragssätze wieder individuell festlegen?


    Dafür: 39 Prozent
    Dagegen: 49 Prozent
    Unentschieden: 12 Prozent

  • Ist die Bürgerversicherung gewünscht?

    Sollten auch Beamte, Selbständige und gut verdienende Angestellte in die gesetzliche Krankenversicherung?

    56 Prozent der Befragten sagen ja. 33 Prozent sind gegen einen Versicherungszwang in der gesetzlichen Krankenkasse.

Patienten erfahren die Folgen des Ärztemangels vor allem im Wartezimmer: 52 Prozent geben an, dass sie sehr lange auf einen Termin warten mussten; 64 Prozent klagen darüber, dass sie sich trotz Termins sehr lange im Wartezimmer gedulden mussten. Kritisch äußern sich hier vor allem die gesetzlich Krankenversicherten. Von ihnen hatten 55 Prozent gegenüber 35 Prozent der Privatversicherten schon einmal Schwierigkeiten, relativ zeitnah einen Termin beim Arzt zu bekommen. Zwei Drittel der Kassenpatienten mussten trotz Termins sehr lange im Wartezimmer ausharren. Bei Privatversicherten beklagt dies knapp die Hälfte. Gesetzlich Krankenversicherte kritisieren vor allem wesentlich häufiger, dass sie mehrfach lange warten mussten.

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