Gewalt gegen Polizisten: Härtere Strafen sind keine Lösung

KommentarGewalt gegen Polizisten: Härtere Strafen sind keine Lösung

Bild vergrößern

Anschlag auf Polizisten in Berlin

Nach den Sprengstoffattacken auf mehrere Polizisten bei einer Demonstration in Berlin am vergangenen Samstag werden härtere Strafen für Gewalttäter gefordert. Doch deren Wirkung ist umstritten. Besser wäre es, in präventive Maßnahmen zu investieren, meint WirtschaftsWoche-Mitarbeiterin Dana Heide.

Es ist schon fast ein Reflex: Extreme Gewalttaten führen zur Forderung nach härteren Strafen. So auch nachdem Demonstranten am Samstag in Berlin einen Sprengsatz gezündet und dabei 16 Beamte verletzt haben, zwei davon schwer. Der Protest hatte sich gegen die Sparvorhaben der Bundesregierung gerichtet.

Prompt forderten führende Politiker, darunter auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière, härtere Strafen für solche Taten. Die Polizeigewerkschaften verlangen das schon seit längerem. Derzeit arbeitet die Bundesregierung an einer Gesetzesänderung, mit der gewalttätige Übergriffe auf Beamte härter bestraft werden sollen.

Anzeige

Abschreckende Wirkung gering

Eine solche Strafverschärfung befriedigt das Bedürfnis vieler Bürger und der Betroffenen nach harten Konsequenzen. Wenn jemand etwas Schreckliches getan hat, so die natürliche Reaktion, dann soll er auch schwer dafür büßen. Zu mehr als einer Befriedigung solcher Rachegelüste taugt eine Strafverschärfung jedoch nicht. Das eigentliche Ziel, nämlich der Schutz der Beamten vor Gewalt, wird durch härtere Strafen nicht erreicht. Im Gegenteil.

Studien belegen, dass vor allem im Bereich der leichten bis mittelschweren Straftaten die abschreckende Wirkung einer Androhung, Verhängung oder eines Vollzugs einer Strafe gering ist. Das gilt besonders für leichte und mittelschwere Straftaten, bei ihnen haben Höhe und Schwere der Strafe überhaupt keine messbare Bedeutung. So steht es auch im Zweiten Periodischen Sicherheitsbericht der Bundesregierung, der im Jahr 2006 erschien. Wer eine Straftat begeht, denkt nicht an die Konsequenzen. Selbst das Risiko, erwischt zu werden, spielt lediglich bei leichteren Gesetzesverstößen eine Rolle.

Höhere Rückfallquote bei härteren Strafen

Härtere Strafen haben jedoch nicht nur keine präventive Wirkung, sie können sogar dazu führen, dass Täter nach Absitzen der Strafe eher rückfällig werden. Auch das belegen Studien.

Dass aus der steigenden Gewalt gegen Polizisten Konsequenzen gezogen werden müssen, ist unbestreitbar. Statt jedoch den leichten und populistischen Weg der härteren Strafverfolgung zu gehen, sollte sich die Politik lieber auf den schwereren, aber effektiveren Weg konzentrieren und das Übel an der Wurzel packen. Das bedeutet, schon bei Jugendlichen anzufangen: Alternativen und Perspektiven bieten, Gewalt ächten, aufklären. Das ist mühsam und weniger medienwirksam, aber ehrlicher und auf lange Frist wirksamer.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%