Gewerkschaft: Frank Bsirske soll Verdi auf Kurs halten

Gewerkschaft: Frank Bsirske soll Verdi auf Kurs halten

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Frank Bsirske jubelt

von Bert Losse

Der Verdi-Bundeskongress wählt Frank Bsirske für weitere vier Jahre zum Vorsitzenden der Dienstleistungsgewerkschaft. Der 59-Jährige hat den finanziell und personell schlingernden Tanker Verdi stabilisiert - doch viele Probleme sind noch ungelöst.

Den ersten emotionalen Moment gibt es gegen 10.30 Uhr. Beim Verdi-Bundeskongress tritt  die Delegierte Anni Gondro aus Hannover an Mikro. Die alte Dame ist Jahrgang 1919,  wach und kämpferisch, und sagt in Richtung von Verdi-Chef Frank Bsirske: „Lieber Frank, von dir haben wir ungemein viel gelernt.“ Beifall brandet auf, Bsirske schaut gerührt.  Gut sechs Stunden später wird der seit 2001 amtierende Dauer-Vorsitzende mit 94,7 Prozent der Stimmen für weitere vier Jahre wiedergewählt. Damit kann der Chef sein Ergebnis von 2007 nochmals um 0,4 Punkte verbessern.

Die zweitgrößte deutsche Gewerkschaft hat sich für eine ganze Woche im Kongresszentrum Leipzig zusammengefunden, um die personellen und inhaltlichen Weichen für die kommenden Jahre zu stellen. Im zehnten Jahr ihres Bestehens und nach zähen (und lange wenig erfolgreichen) Versuchen, die Kulturen aus fünf Einzelgewerkschaften unter einem Dach zu vereinen, ist nun allerorten der Wunsch nach Geschlossenheit und Harmonie zu spüren. Wer mag,  darf  Schokopralinen mit der Aufschrift „Für einen lieben Kollegen“ an seinen Nächsten verschenken, mittags gibt’s für alle Schweinebraten in Schwarzbiersauce, in Kongresspausen dröhnt „You´ll never walk alone“  aus den Lautsprecherboxen. Revolution? Die findet nur in der „UZ“ statt, der Zeitung der Deutschen Kommunistischen Partei, die auf dem Kongress verteilt wird.

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Ein einziger Delegierter wagt Kritik

Keine andere Gewerkschaft hat einen personell derart großen Vorstand (14 Personen), doch angesichts des komplizierten Geflechts der diversen Verdi-Bundesfachgruppen ist eine Verkleinerung des Apparats an der Spitze  nicht vorgesehen. Ein einziger der gut 1000 Delegierten wagt, dies zu kritisieren; der Applaus dafür ist dünn.  Immerhin: Es gibt mit Andrea Kocsis (88,1 Prozent der Stimmen) und Frank Werneke (85,3 Prozent) nur noch zwei  (statt bisher vier) Bsirske-Stellvertreter; Werneke soll künftig für den aus Altersgründen ausscheidenden Gerd Herzberg die Finanzen der Großgewerkschaft verantworten.

Den Takt aber gibt auch künftig Frank Bsirske vor. Der 59-Jährige regiert Verdi unangefochten. Der gelernte Politologe ist in der Bundesregierung nicht übermäßig beliebt und auch im SPD-dominierten Kreis der deutschen Gewerkschaftsbosse als Mitglied der Grünen ein Exot. Aber er hat den schlingernden Tanker Verdi durchaus nach innen stabilisiert. Die aus dem Ruder laufenden Ausgaben wurden mit einem für Gewerkschaftsverhältnisse harten Sparprogramm einigermaßen stabilisiert, die Zahl der  Beschäftigten schrumpfte um mehr als ein Drittel auf aktuell 3200.

Wirklich rosig ist die Lage nicht

Doch wirklich rosig ist die Lage der Dienstleistungsgewerkschaft immer noch nicht. Die seit Jahren anhaltenden Mitgliederverluste nehmen zwar in ihrer Dynamik ab, dürften aber auch 2011 nicht zum Stillstand kommen. Bis Ende Juni lag das Minus bei knapp 0,6 Prozent. Damit liegt die Gewerkschaft oberhalb ihres (wenig ambitionierten) Ziels, die Verluste 2011 auf 1,5 Prozent zu begrenzen. Auch gibt es ein Plus bei den erwerbstätigen Mitgliedern, so dass die Beitragseinnahmen derzeit stabil sind.  Allerdings werden andere Gewerkschaften wie die IG Metall 2011 auch insgesamt den Mitglieder-Turnaround schaffen oder haben dies bereits im vergangenen Jahr getan wie die GEW oder Polizeigewerkschaft. 

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