Gewerkschaften: IG Metall: Erfolgreiche Tarifrunde trotz horrender Forderungen?

Gewerkschaften: IG Metall: Erfolgreiche Tarifrunde trotz horrender Forderungen?

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Demonstrierende Metaller. Alles was über 3,5 Prozent hinausgeht, kostet Arbeitsplätze.

Allen Warnungen zum Trotz zieht die IG Metall mit einer horrenden Lohnforderung in die Tarifrunde. Und ihre Chancen sind nicht einmal schlecht.

Viele Beobachter hatten die Verhandlungen über die Altersteilzeit schon für gescheitert erklärt. Doch der baden-württembergische IG-Metall-Chef Jörg Hofmann und sein Pendant auf Arbeitgeberseite, Jan Stefan Roell, verhandelten weiter, unbeachtet von Kameras und trillerpfeifenden Demonstranten. Nach vielen Gesprächen unter vier Augen und langen Telefonaten überraschten die beiden in der vorvergangenen Woche mit einem Deal, der – stellvertretend für alle Tarifbezirke – den Fortbestand der Altersteilzeit ab 2010 regelt.

Schon bald ist das Verhandlungsgeschick der beiden erneut gefragt: Ende Oktober läuft der Tarifvertrag für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie aus. Die deutsche Leitbranche erwirtschaftet 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und steht für mehr als 60 Prozent des Exports. Was die Tarifparteien hier vereinbaren, hat somit hohe volkswirtschaftliche Bedeutung. Und die Marschrichtung ist seit vergangenem Montag auch klar. „Zwischen sieben und acht Prozent“ – diese Empfehlung des IG-Metall-Vorstands wird in diesen Tagen an der Basis diskutiert, bevor die Gewerkschaft am 23. September ihre endgültige Forderung beschließt.

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Damit steht die höchste Lohnforderung seit 16 Jahren im Raum – und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der sich die Konjunktur eintrübt. Zwar liegt der „Verteilungsspielraum“, wie Ökonomen die Summe aus Produktivitätszuwachs und Inflationsrate nennen, nur zwischen drei und vier Prozent. Doch die IG Metall will diesmal mehr – der üppigen Gewinne in den Jahren des Aufschwungs wegen. Ihre horrende Forderung hält die Gewerkschaft auch deshalb für vertretbar, weil 2008 für die Metallbranche ein gutes Jahr werden dürfte. Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser erwartet eine durchschnittliche Rendite von 3,7 Prozent. Doch für 2009 sieht es düsterer aus. Zwar sind die Auftragsbücher noch mit Altaufträgen gefüllt, die Neubestellungen hingegen sinken seit acht Monaten. Zudem ist die Metall- und Elektroindustrie ökonomisch sehr heterogen: Während es etwa den Gießereien blendend geht, rutschen viele Automobilzulieferer und Betriebe der Nachrichtentechnik in die Krise.

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