Gewerkschafter: Bundestagskandidaten mit Kanten

Gewerkschafter: Bundestagskandidaten mit Kanten

Ende September wird eine neuer Bundestag gewählt. Etliche Plätze der derzeit 612 Abgeordneten werden neu vergeben. Auch Arbeitnehmervertreter drängen ins Parlament: Diese hauptamtlichen Gewerkschafter kandidieren.

Guntram Schneider, DGB-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen

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Guntram Schneider, DGB-Vorsitzender in Nordrhein-Westfalen

Nach Bielefeld blicken die Wirtschaftspolitiker der SPD im September besonders aufmerksam. Noch bei der letzten Bundestagswahl trat für die Sozialdemokratie Rainer Wend an, der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion und einer der exponiertesten Verfechter der Marktwirtschaft in seiner Partei. Wend aber verlässt die Politik und wechselt zur Deutschen Post AG nach Bonn. Seinen Wahlkreis wird ein Gewerkschafter  übernehmen: Die Bielefelder SPD schickt Guntram Schneider ins Rennen, den mächtigen Landeschef des nordrhein-westfälischen DGB. „Bielefeld in Berlin stärken“ – das soll Schneiders Wahlkampfmotto werden.

An der Schwäche, die die Sozialdemokratie in Umfragen derzeit an den Tag legt, leidet der 57-Jährige. Für die SPD will er Kernwähler zurückholen – und dabei auch auf Gewerkschaften zugehen.

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Sollte Guntram Schneider im September tatsächlich für die SPD in den Bundestag einziehen, dann will er sein Amt als DGB-Landeschef behalten. „Das ist logisch und politisch wichtig. Sonst müsste ich in Berlin als Novize beginnen“, sagt Schneider. Gewerkschaften könnten sich schließlich nur dann in der Politik durchsetzen, wenn sie auch im Parlament vertreten seien.

Möglich ist das in jedem Fall. Nach einem Beschluss des DGB-Bundesvorstandes können Mitarbeiter ihre Tätigkeit trotz eines Bundestags-Mandates fortführen. Allerdings müssen sie ihre Bezahlung und ihre Arbeitszeit reduzieren, erlaubt sind allerhöchstens  25 Prozent. Generell heißt es beim DGB, dass es zu begrüßen sei, wenn hauptamtliche Gewerkschafter sich politisch engagierten, nur dürften sie das nicht während ihrer Arbeitszeit tun.

Hans-Joachim Schabedoth, Leiter der Grundsatzabteilung beim DGB-Bundesvorstand

Hans-Joachim Schabedoth, Leiter der Grundsatzabteilung beim DGB-Bundesvorstand Quelle: DGB

Hans-Joachim Schabedoth, Leiter der Grundsatzabteilung beim DGB-Bundesvorstand

Bild: DGB

Hans-Joachim Schabedoth pendelt zwischen den Welten. Unter der Woche leitet er die Grundsatzabteilung beim DGB-Bundesvorstand in Berlin – und gibt damit die politischen Linien des Gewerkschaftslagers vor. Am Wochenende fährt er nach Hause gen Frankfurt, wo seine Familie lebt. Und wo der Wahlkampf ansteht: Hans-Joachim Schabedoth kandidiert für die SPD im Wahlkreis Hochtaunus, dem Frankfurter Wohlstandsgürtel.

Seine Erfahrungen im politischen Geschäft kann man ausführlich nachlesen. Nach Ende der schwarz-gelben Regierung rechnete Schabedoth aus Gewerkschaftssicht ab und schrieb das Buch „Unsere Jahre mit Helmut Kohl“. Nach dem Ende von Rot-grün legte er „Unsere Jahre mit Gerhard Schröder“ vor. Das Pendant zu Angela Merkel ist schon in Arbeit.

Allerdings wundert sich der 57-Jährige, dass hauptamtliche Gewerkschafter in der Politik so häufig auf Sozialfragen festgelegt würden. Er selbst hat anderes vor: Die Musik spiele doch viel mehr in der Haushalts- und Finanzpolitik, sagt er. Gerade heute. Schließlich müsse es auch darum gehen, den Kuchen möglichst groß zu backen, bevor man ihn verteilen könne. 

Hans-Joachim Schabedoth kann man mit Recht einen emanzipierten Mann nennen. Früher einmal arbeitete der Sozialwissenschaftler in der IG-Metall-Zentrale. Hier war er der erste Angestellte, der in Vaterschaftsurlaub ging, sehr zur großen Verwunderung seines damaligen Chefs Franz Steinkühler. Wenig später rüstete Schabedoth mit Freunden eine Blumenhandlung zum Kinderladen um – und taufte sie auf den Namen „Krawallschachtel“.

Stefan Rebmann, DGB-Vorsitzender der Region Mannheim

Stefan Rebmann, DGB-Vorsitzender der Region Mannheim Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

Stefan Rebmann, DGB-Vorsitzender der Region Mannheim

Bild: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

Seit genau 25 Jahren ist er Mitglied der IG Metall, seit 21 Jahren hat er auch das rote Parteibuch der SPD. Politisch gesehen ist Stefan Rebmann ein sozialdemokratischer  Langstreckenläufer. Dabei hat Rebmann etwas dagegen, sich in eine Schublade stecken zu lassen, schon gar nicht in eine ganz linke. „Ich bin kein Ideologe“, sagt er.

Der 46-Jährige tritt für die SPD im Wahlkreis Mannheim an, eine traditionelle Hochburg der Partei. Im Hauptberuf ist Stefan Rebmann Vorsitzender der DGB-Region mit ihren 125.000 Gewerkschaftsmitgliedern. Rebmann, gelernter Energieanlagenelektroniker, gilt als Pragmatiker, der zu Betrieben engen Kontakt hält. Auch in der Finanzkrise. „Es ist nicht mein Interesse, Unternehmer zu drangsalieren, und ich kenne viele grundehrliche Mittelständler, die wir stützen sollten“, sagt Rebmann. „Wenn wir die Betriebe kaputtmachen, dann haben die Leute am Ende keine Arbeit mehr.“

In der Politik ist Rebmann kein Unbekannter. Seit 2006 sitzt er im Landesvorstand der baden-württembergischen SPD. Die Bundespartei hat Rebmann inzwischen auch in die Führungsakademie der Partei berufen, in der die Hoffnungsträger der Partei professionell gecoacht werden.

Ohnehin verfolgt die SPD aufmerksam, was im Wahlkreis Mannheim geschieht. Schließlich hat die Linkspartei einen prominenten Gegenkandidaten aus der Gewerkschaftsszene aufgestellt: Michael Schlecht, Chefvolkswirt der Verdi-Bundesverwaltung. Rebmann selbst allerdings gibt sich gelassen: „Ich habe keine Lust auf eine Debatte, wer der bessere Gewerkschafter ist, dasnützt nur den Gewerkschaftsgegnern.“

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