GfK-Konsumklimaindex: Verbraucherlaune so gut wie zuletzt 2001

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GfK-Konsumklimaindex: Verbraucherlaune so gut wie zuletzt 2001

Das Konsumklima ist so hoch wie zuletzt vor 13 Jahren. Konsumforscher beobachten die geringe Sparneigung der Bürger jedoch mit Sorge. Jeder Euro, der heute weniger gespart werden, fehle morgen für den Konsum.

Billiges Öl und extrem niedrige Sparzinsen haben die Verbraucherstimmung in Deutschland zum Jahresbeginn auf ein neues Rekordniveau steigen lassen. Das Konsumklima sei im Januar so gut gewesen wie zuletzt vor 13 Jahren, berichtete das Marktforschungsunternehmen GfK am Mittwoch in Nürnberg. Die Bereitschaft der deutschen Haushalte zu größeren Anschaffungen habe ebenso wie die Einkommenserwartung im Januar kräftig zugelegt. Für Februar prognostizierte die GfK einen Konsumklimaindikator von 9,3 nach 9,0 Punkten im Januar.

Inzwischen sehen die Bundesbürger auch die deutsche Wirtschaft wieder im Aufwind. Nach wachsender Konjunkturskepsis im vergangenen Jahr mache sich unter den Befragten zunehmend Zuversicht breit. Zum zweiten Mal in Folge habe sich der Indikator für die Konjunkturerwartung spürbar verbessert - und zwar um 8 Punkte auf nun 22,5 Punkte im Monatsvergleich, berichtete die GfK. Auch bei ihrem Einkommen sind die Bundesbürger wieder zuversichtlicher. Mit 47,8 Punkten sei der Einbruch vom Dezember wieder nahezu wett gemacht worden.

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Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Die Kauflust der Deutschen ist anscheinend nicht zu bremsen. Zum vierten Mal in Folge legte im Januar die sogenannte Anschaffungsneigung zu, der entsprechende Indikator stieg mit einem Plus von 8,3 Zählern auf 57,4 Punkte. Zuletzt hatte der Wert im Jahr 2006 ein ähnlich hohes Niveau erreicht, betonte die GfK. Damals hatte die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung viele Verbraucher zu vorgezogenen Anschaffungen veranlasst. Aktuell sorgen vor allem die niedrigen Öl- und Benzinpreise für Kaufimpulse. Die Ergebnisse der GfK basieren auf monatlich rund 2000 Verbraucherinterviews.

Trotzdem warnt die GfK vor zu großem Optimismus: Es gebe nach wie vor gewisse Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung und damit auch für den Konsum, geben die Konsumforscher zu bedenken. Dazu zählten nach wie vor die internationalen Krisenherde, wie in der Ukraine und im Nahen Osten, die bislang noch weit von einer Lösung entfernt seien.

Besorgt zeigt sich GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl auch über die rapide sinkenden Sparneigung der Bundesbürger. „Für den Konsum ist das kurz- und mittelfristig positiv. Aber Geld, das jetzt ausgegeben wird statt es anzusparen, ist Geld, das später für den Konsum fehlt“, sagte Bürkl der Deutschen Presse-Agentur. „Es ist zu befürchten , dass wir die Rechnung für die derzeit extrem geringe Sparneigung in Zukunft serviert bekommen, etwa in Form von Altersarmut“, warnte er.

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Nach seinen Angaben sank die Sparneigung der Bundesbürger im Januar mit minus 62,6 Punkten auf ein neues Allzeittief. „Ich hatte eigentlich gedacht, dass mit dem Dezember-Wert der endgültige Tiefpunkt erreicht ist. Es geht aber immer noch tiefer“, berichtete Bürkl. Trotzdem legen noch Bundesbürger weiterhin viel Geld auf die hohe Kante. Im Jahr 2014 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 163 Milliarden Euro. Das entspricht einer Sparquote von 9,2 Prozent. Seit Jahren sei der Anteil des Gesparten am verfügbaren Einkommen allerdings leicht sinkend, berichten die Bundesstatistiker Noch 2011 hatte die Sparquote bei 9,6 Prozent gelegen.

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