Gigaliner: Riesenlaster ab Frühjahr auf deutschen Straßen

Gigaliner: Riesenlaster ab Frühjahr auf deutschen Straßen

, aktualisiert 09. November 2011, 15:36 Uhr
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Die Gigaliner kommen: Das Bundeskabinett hat grünes Licht für den bundesweiten Feldversuch mit 25,25 Meter langen Lastzügen geben.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Riesenlaster kommen, erstmal für fünf Jahre. So lange will die Regierung die 25-Meter-Brummis testen. Aber nur die Hälfte der Bundesländer stützt den Versuch - und Kritiker sehen viele Gefahren.

BerlinIm nächsten Frühjahr werden die ersten gut 25 Meter langen Riesenlastwagen trotz heftiger Kritik über deutsche Straßen rollen. Fünf Jahre lang will die Regierung in einem Feldversuch testen, ob sich der Einsatz lohnt. Das Kabinett billigte eine entsprechende Ausnahmeverordnung, die am 1. Januar in Kraft tritt, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums.

Im Frühjahr dürften die ersten der insgesamt 400 Lkw dann tatsächlich unterwegs sein. Bundestag und Bundesrat müssen dem Versuch zwar nicht zustimmen - aber mehrere Länder sperren sich gegen den Test, darunter Nordrhein-Westfalen mit seinem dichten Autobahnnetz.

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Nur sieben Länder haben ihre Zustimmung gegeben: Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Sachsen, Thüringen, Hessen und Bayern. Sachsen-Anhalt toleriert den Test zwar, gibt aber deutlich weniger Strecken frei. Wo die Länder nicht zustimmen, da sollen auch keine Riesenlastwagen auf den Autobahnen fahren. So stehe es in der Ausnahmeverordnung, sagte die Ministeriumssprecherin.

Zwar sei der Bund berechtigt, auch auf diese Autobahnen zuzugreifen - man setze aber auf Kooperation. Allerdings liefen bereits regional begrenzte Tests - sogar in Ländern, die den großen Feldversuch ablehnen, etwa rund um den Duisburger Hafen. Deswegen hoffe man, dass noch weitere Länder den Tests zustimmen. Ein vollständiges Streckennetz werde es erst zum Januar geben.

Kritiker sehen große Gefahren für den Straßenverkehr. „Wir befürchten, dass es noch mehr Unfälle auf den Straßen gibt“, sagte der niedersächsische Landeschef des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Michael Frömming. Schon das Überholen dürfte riskanter werden - die Riesenlaster sind bis zu 6,5 Meter länger als bisher zugelassen.

Deswegen dürfen laut Ministerium nur Fahrer mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung hinterm Lkw-Steuer sitzen, die nicht mehr als drei Punkte in Flensburg aus ihrem Konto haben. Außerdem sollen die Lastwagen trotz ihrer Größe das heute vorgeschriebene Höchstgewicht von 44 Tonnen nicht überschreiten.

„Es wird keine Sechzigtonner, keine „Gigaliner“ oder „Monstertrucks“ geben“, erklärte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Dennoch sollen sie im Verhältnis rund 20 Prozent weniger Sprit verbrauchen und weniger CO2 ausstoßen. „Wo heute drei Lkw pro Tag unterwegs sind, sind es im Feldversuch nur zwei Lang-Lkw.“

Die Autoindustrie spricht bei den „Öko-Lastern“ sogar von bis zu 30 Prozent Kraftstoff- und CO2-Ersparnis. „In den kommenden fünf Jahren können die Lang-Lkw zeigen, dass sie einen wichtigen Beitrag für nachhaltigen Güterverkehr leisten“, erklärte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann.

Gerade dadurch sieht VCD-Mann Frömming den Eisenbahngüterverkehr in Gefahr. „Ziel muss es sein, mehr Güter auf die umweltfreundliche Schiene zu bringen.“ Aber durch niedrigere Kosten vergrößerten die Riesenlastwagen die Kluft zwischen Bahn und Straße. Die Folge: Noch mehr Güter würden von der Schiene auf die Straße verlagert. „Das kann nicht Sinn einer guten Verkehrspolitik sein.“

Dies sei auch nicht das Ziel, heißt es aus dem Ministerium in Berlin: „Der Einsatz von Lang-Lkw darf nicht dazu führen, dass eine (Rück-) Verlagerung des Ladungsaufkommens von der Schiene auf die Straße erfolgt.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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