Gleichstellungsdebatte: Die Frauenquote ist nur ein Quötchen

KommentarGleichstellungsdebatte: Die Frauenquote ist nur ein Quötchen

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Geschäftsfrauen und Geschäftsmänner unterhalten sich.

von Claudia Tödtmann

Fünf Gründe, warum das Ergebnis der Frauenquote alles andere ist als ein Durchbruch.

Schwarz-Rot hat nun, mit drei Jahren Anlauf und drei Jahre später als die Franzosen, auch eine Frauenquote beschlossen. Sie hat´s endlich geschafft, allen Widerständen zum Trotz.

Mal ganz zu schweigen von den 13 Jahren freiwilliger Selbstverpflichtung – der Begriff ist schon drollig - in denen die Top-Manager hierzulande mitnichten die Gleichberechtigung der Frauen bei Spitzenjobs in der Wirtschaft zulassen wollten. Ihre Glaubwürdigkeit ist jetzt perdú, aber geschadet hat auch das nicht.

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So viele Frauen fehlen in den Aufsichtsräten bei einer Frauenquote von 30 Prozent

  • Bayer

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 2
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 je Seite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • BMW

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 3
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Commerzbank

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 4
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Continental

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 2
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 2 je Seite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Daimler

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 2
    Frauen auf Anteilseignerseite: 3
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1auf Arbeitnehmerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Deutsche Bank

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 4
    Frauen auf Anteilseignerseite: 3
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 0

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Deutsche Post

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 6
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 3 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Lufthansa

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 5
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Munich Re

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 5
    Frauen auf Anteilseignerseite: 3
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 0

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • RWE

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 2
    Frauen auf Anteilseignerseite: 1
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Arbeitnehmerseite, 2 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Siemens

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 3
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Telekom

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 5
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • ThyssenKrupp

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 2
    Frauen auf Anteilseignerseite: 1
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Arbeitnehmerseite, 2 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Volkswagen

    Mitgliederzahl: 20
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 1
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 2 auf Arbeitnehmerseite, 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Henkel

    Mitgliederzahl: 16
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 4
    Frauen auf Anteilseignerseite: 3
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 0

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • K+S

    Mitgliederzahl: 16
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 0
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 3 auf Arbeitnehmerseite, 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Merck

    Mitgliederzahl: 16
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 4
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Adidas

    Mitgliederzahl: 12
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 2
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 0

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Beiersdorf

    Mitgliederzahl: 12
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 1
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Fresenius

    Mitgliederzahl: 12
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 0
    Frauen auf Anteilseignerseite: 0
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 2 auf Arbeitnehmerseite, 2 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Heidelberg-Cement

    Mitgliederzahl: 12
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 1
    Frauen auf Anteilseignerseite: 1
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Arbeitnehmerseite, 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Infineon

    Mitgliederzahl: 12
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 0
    Frauen auf Anteilseignerseite: 2
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 2 auf Arbeitnehmerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Lanxess

    Mitgliederzahl: 12
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 1
    Frauen auf Anteilseignerseite: 1
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Arbeitnehmerseite, 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

  • Linde

    Mitgliederzahl: 12
    Frauen auf Arbeitnehmerseite: 1
    Frauen auf Anteilseignerseite: 1
    Männer die für die 30-Prozent-Quote weichen müssten: 1 auf Arbeitnehmerseite, 1 auf Anteilseignerseite

    Aufsichtsräte der Dax 30, die unter das Quotengesetz fallen würden
    Quelle: Hans- Böckler-Stiftung, eigene Recherche

Was jetzt herausgekommen ist, ist aber alles andere als ein Durchbruch. Man kann es eher als Frauenquötchen bezeichnen denn als Quote. Schließlich hat die ganz überwiegende Zahl der Frauen nichts davon.

Und so harte Strafen wie die Norweger, die damals widerspenstigen Unternehmen gar die Schließung androhten, gibt es hierzulande ohnehin nicht.

Und doch jagen rund 160 Nebenjobs in den 100 größten Unternehmen für Frauen den Männern anscheinend immer noch große Angst ein.
Dabei kann man sie gleich beruhigen:

Erstens wird es keine ganze Armada dieser ihnen fremden Spezies werden: Wenn sie nämlich, wie Männer auch, mehrere dieser Aufsichtsratsposten annehmen. Also sagen wir mal, wenn 50 Frauen je drei dieser Nebenjobs übernehmen.

Zweitens müssen sie ja gar nicht Männer rausdrängen aus deren Jobs. Diese doch gut verdienenden 100 größten Unternehmen könnten ja auch zusätzliche Frauen-Pöstchen schaffen. Leisten könnten sie es sich bestimmt. Und angedacht ist ja ohnehin, dass nur die freiwerdenden Posten mit Nachrückerinnen besetzt werden sollen.

Kein Durchbruch

Drittens könnte man den Damen Coaches an die Seite stellen, damit sie die Männer-Spielregeln – die sie ja anscheinend bisher ausgrenzen – rasch beherrschen lernen und im Top-Manager-Sandkasten problemlos mittun können.
Denn es scheint ja tatsächlich so, dass Frauen mit ihrer blauäugigen Art „ich will durch meine Leistung wirken und ja nicht als Person“ oben in der dünnen Chefetagen-Luft scheitern.

Viertens ist die ganz überwältigende Mehrheit der Unternehmen nicht betroffen.

Und fünftens geht es nur um die Aufsichtsräte und nicht um die Vorstände. Die sind nicht unwichtig, aber sie übernehmen kein Kommando im Tagesgeschäft, sind nicht mal weiter präsent im Unternehmensalltag.
Es geht so gesehen um weniger als einen Teilzeitjob: Es ist ein kleines Projekt von vielleicht maximal 30 Tagen Aufwand im Jahr – und vor allem mit einem so hohen Haftungsrisiko, dass mancher Mann den Job heute schon dankend ablehnt. Allen voran die Top-Anwälte, die wollen inzwischen mehrheitlich nicht mehr in diese Gremien – und wissen auch warum.

Geradezu beschämend finde ich, dass Deutschland beim Thema Frauen in Top-Positionen das Schlusslicht in ganz Europa bildet – und das so gar nicht realisiert. Geschweige denn darüber betroffen ist, was sonst ja durchaus eine Spezialität der Deutschen ist.

Gestern sprach ich mit Susan Speller, der Britischen Generalkonsulin in Düsseldorf, und was sie zum Thema deutsche Gleichberechtigung sagte, gibt zu denken:

Die Briten seien stolz darauf, dass sie in ihrer Wirtschaft bereits so viele Frauen in Spitzenpositionen haben. In den großen britischen Börsengesellschaften ist jede fünfte Führungsposition mit einer Frau besetzt.

Sie wunderte sich, dass sie in den deutschen Top-Etagen der Wirtschaft fast immer nur mit Männern begegnet – wo die Deutschen doch eine Kanzlerin und eine Verteidigungsministerin haben.

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