Görlachs Gedanken: Die SPD muss zur Talentschmiede werden

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ARCHIV - Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel (l-r), SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD) und Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sitzen bzw. stehen am 14.10.2013 vor Beginn einer SPD-Vorstandssitzung im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Foto: Ole Spata/dpa (Zu dpa "Gabriel wirbt für Konkurrenzkampf um SPD-Kanzlerkandidatur") +++(c) dpa - Bildfunk+++

Kolumne

Sigmar Gabriel fordert einen Wettstreit in der SPD um die Kanzlerkandidatur. Das klingt nach Verantwortungsflucht, ist aber eine gute Idee. Die SPD braucht eine Talentschmiede – nicht für 2017, aber für 2021.

Die Kandidatenfrage: wer in der SPD soll im Jahr 2017 gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Wahlkampf ziehen. Geht es nach SPD-Chef Sigmar Gabriel, dann sollten sich gleich drei Personen aus der Partei finden, von denen in einem internen Vorwahlkampf und per Mitgliederentscheid einer oder eine dann zum Herausforderer wird.

Eigentlich war seit der letzten Bundestagswahl, in der Peer Steinbrück für die Sozialdemokraten antrat, erwartet worden, dass Sigmar Gabriel die Kandidatur für sich beanspruchen würde. Aber der angeschlagene Parteichef hat anderes im Sinn. Da die Umfragewerte der Sozialdemokraten in im Jahr 2013 noch ungeahnten beziehungsweise unvorstellbaren Tiefen angekommen sind, möchte sich Gabriel nicht allein der Verantwortung aussetzen für ein schlechtes Ergebnis der Partei im Herbst 2017.

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Dabei ist die Kandidatenkür die Sache der SPD nicht. Bei der letzten Bundestagswahl standen mit Frank-Walter Steinmeier, Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel drei erfahrene Männer auf der Liste für das höchste Regierungsamt, also keine Frau, keine Person mit Zuwanderungsgeschichte, keine Person, die nicht schon seit 20 Jahren in der SPD eine Rolle gespielt hätten. Alleine schon im Blick auf die drei älteren Herren war evident, dass die Partei ein Problem mit der Zukunft hat.

Alexander Görlach ist Affiliate der Harvard University. Quelle: Lars Mensel / The European

Alexander Görlach ist Affiliate der Harvard University, wo er im Government Department zum Konzept des Abendlands arbeitet. Er ist ferner Senior Fellow des Carnegie Council for Ethics in International Affairs, Kommentator für die New York Times und Herausgeber des Online-Magazins www.saveliberaldemocracy.com.

Photo Credit: David Elmes, Harvard University

Bild: Lars Mensel / The European

Von daher wäre ein neuer Prozess der Kandidatenauswahl der richtige Weg. Sicher hat sich Sigmar Gabriel hier vom US-Wahlkampf inspirieren lassen, bei dem für die Demokraten und Republikaner eine Vielzahl von Kandidaten ins Rennen geht. Im Laufe der sogenannten Primaries dünnt sich das Feld aus bis einer oder die beiden Kandidaten feststehen. Anders als in den USA darf man in Deutschland nicht nur zwei Mal für das höchste Regierungsamt antreten und so würde sich nach Steinmeier, Steinbrück nun auch Gabriel präparieren müssen, gegen eine übermächtige Angela Merkel zu verlieren. Kann er das wollen?

Eine Kandidatenkür in der angeregten Weise kann der SPD helfen, das Talent in der Partei zu bemerken, zu sichten und für das Jahr 2021 zu präparieren. Wie eine Talentschmiede sah die Partei nämlich schon eine Weile nicht mehr aus. Olaf Scholz und Hubertus Heil fallen als Namen immer wieder; die beiden sind zwar jünger als die anderen drei, aber auch weiße Männer, die für einen bestimmten Politikstil stehen.

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Es ist gewiss unfair, einer soeben in den freien Fall gedrückten Partei wie der SPD ihre heroische Geschichte vorzuhalten. „Aus der Geschichte lernen“ ist, nicht nur für die derzeitige Führung, eine ziemliche Zumutung.

Darf man die Genossen von heute im Sinne von Otto Wels ehrlos nennen?  Quelle: dpa

SPD-Vorwahlen müssten daher vor allem dem Ziel dienen, die Vielfalt in der SPD sichtbar zu machen und über diese neuen Personen neue Themen für die Sozialdemokratie zu erschließen. Denn auch das ist der Grund für das Abschmieren der Partei: unter ihrem aktuellen Vorsitzenden hat sich kein Thema für sich entdeckt und konsequent verfolgt. Für was die SPD heute steht, ist vielen ihrer Stammwähler nicht mehr klar. Es ist auch nicht mehr einfach nur so schick, links zu sein. Eine leicht burschikos-intellektuelle Grundblasiertheit hilft nicht, thematische Löcher zu stopfen.

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SPD-Parteivorsitzender Sigmar Gabriel Quelle: dpa

Der Vorschlag Gabriels wurde in die Richtung gedeutet, dass er keine Lust habe, 2017 gegen die Kanzlerin zu verlieren. Bis zur Ausrufung des Herausforderers oder der Herausforderin bleibt der Partei noch Zeit, es soll erst im Frühjahr 2017 so weit sein. Von den Primaries lernen, würde für die aktuelle SPD bedeuten, mit Präzision das Talent der Partei zu suchen und zu heben. Der Union wird diese Herausforderung ins Haus stehen, wenn Angela Merkel einmal nicht mehr kandidiert. Wenn die Sozialdemokraten den Konservativen dann schon eine Wahl voraus sind was das Suchen und Finden guten, neuen Spitzenpersonals angeht, dann klappt es vielleicht ja einmal wieder mit dem Kanzler(innen)amt.

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