Görlachs Gedanken: Die Welt braucht Angela Merkel - oder etwa nicht?

kolumneGörlachs Gedanken: Die Welt braucht Angela Merkel - oder etwa nicht?

Kolumne von Alexander Görlach

Als Führerin der freien Welt wurde die Kanzlerin weltweit geradezu verehrt. Aber ihr ungeschicktes Sondierungs-Verhalten zeigt auch, wie viel Überschätzung dabei mitschwang. 

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verlässt eine Pressekonferenz am 27.11.2017 in Berlin

Angela Merkel ist Mutter und Haupt unseres Landes: als erste konservative protestantische Frau aus den neuen Teilen der Republik hat sie das, was es unter Adenauer und Kohl hieß, deutscher Kanzler zu sein, transzendiert. Angela Merkel wird heute in aller Welt als Frau der Prinzipien gefeiert, die die Menschenrechte gegenüber ihren ärgsten Feinden in Russland und China anspricht und einfordert.

Sie wird als Frau gelebter Moral gefeiert, die den Flüchtlingen aus Syrien ein Obdach in Deutschland schenkte. Sie wird auf der ganzen Erde nicht nur als die am längsten amtierende Regierungschefin der Bundesrepublik verehrt, sondern als starke Europäerin, Anführerin des Westens und mächtigste Frau der Welt.

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Und nun das: der Taktikerin und Verhandlungskönigin gelingt es nicht, eine Regierung zu bilden! In manchen Teilen der Welt begehrt man bereits auf: so schickten die Engländer vergiftete Grüße ins sichere Herkunftsland ihrer Monarchen: kümmert ihr euch um euren Kram, bevor ihr uns vorschreibt, wie wir unser Brexit-Desaster moderieren sollen.

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Der Grund für das Debakel von Frau Merkel liegt auf der Hand: Deutschland ist keine Monarchie, sondern eine parlamentarische Demokratie. Was in der Außenpolitik stabilisierend wirken mag, eine lange währende gleiche Regierung, wirkt innenpolitisch wie Blei. Die Deutschen sind nach zwölf Merkel-Jahren monoton durch- und fertig regiert. Unterschiede sind verschwommen, parlamentarischer Diskurs minimiert.

Den potentiellen kleinen künftigen Partnern aus Grünen und FDP wurde von Frau Merkel in Aussicht gestellt, unter dem Mantelsaum der immerwährenden Kanzlerin ein zu hause zu finden. Der Öko-Partei versprach sie, als Wiedergutmachung für die gescheiterte Regierungsbildung in 2013, künftig etwas grün zu tragen. Den Liberalen sollte es genügen und eine Ehre sein, diese alte Regierung als eine neue zu legitimieren. Ein Hauch von Napoleon wehte durch die Parlamentarische Gesellschaft in Berlin: dieser ließ den Papst nach Paris kutschieren, um sich schließlich bei der Zeremonie selbst die Krone aufs Haupt zu setzen.

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