Google-Chef Schmidt in Berlin: Der amerikanische Traum

Google-Chef Schmidt in Berlin: Der amerikanische Traum

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Google-Chef Eric Schmidt erklärt der CDU in Berlin seine Sicht auf die Zukunft.

von Gregor Peter Schmitz

Vom Silicon Valley lernen, heißt siegen lernen. Also lässt sich der CDU-Wirtschaftsrat von Google-Chef Eric Schmidt die Zukunft erklären – und erschrickt ein bisschen.

„Aufbruch statt Zukunftsangst“, den Satz haben die Mitglieder des CDU-Wirtschaftsrates als Motto ihrer Jahrestagung auf die Bühne projiziert. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat dazu schon gesprochen, später wird Kanzlerin Angela Merkel reden. Aber nun soll Deutschlands Zukunft erst ein Gast aus jenem Land retten, das den ständigen Aufbruch zur unbegrenzten Möglichkeit überhöht hat: Amerika.

„Das Thema Digitale Agenda hat uns bewegt, wir haben viel über Silicon Valley gehört“, setzt Wirtschaftsratspräsident Kurt Lauk ehrfürchtig zur Vorstellung an. Aber nun endlich werde ein amerikanisches Original aus jenem sagenumwobenen Tal sprechen, dessen Unternehmen längst in ungeahnte Sphären vorgedrungen sei, meilenweit entfernt vom ursprünglichen Geschäftsmodell.

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Und Eric Schmidt, Chef des Internetgiganten Google, dem diese schmeichelhaften Worte gelten, enttäuscht nicht. Er klingt weniger wie ein Topmanager als eher wie der entspannte Chef eines Riesenvergnügungsparkes, in dem kein Tüftler wirklich erwachsen werden muss. Google Images – entstanden, als das Internet über ein grünes Kleid der Sängerin Jennifer Lopez ausflippte und die Tüftler des Konzerns nach einem Weg suchten, Bilder zu sortieren. Google Translator, geschaffen, weil Menschen sich endlich besser verstehen sollten. Google Earth, vor allem geschaffen, um auch mal auf der Spitze des Mount Everest stehen zu können, zumindest virtuell.

Digitaler Wandel "Haben Sie Google zerschlagen, kommt der nächste"

Was bedeutet eigentlich der "digitale Wandel" - im Guten und im Schlechten? Wir haben vier interessante Köpfe zum Gespräch gebeten: Verena Pausder, Gesche Joost, Fabien Nestmann und Harald Welzer.

Es diskutieren (v.l.n.r.): Verena Pausder, Gesche Joost, Fabien Nestmann und Harald Welzer. Quelle: Werner Schüring für WirtschaftsWoche

Glaubt man Schmidt, steht das Gute, das Nützliche – von der digitalen Hilfe bei Herzoperationen bis zu Orientierungshilfen für Sehkranke - bei jeder neuen Entwicklung im Vordergrund, alles andere folge dann schon, auch der Profit. Don’t be evil halt, wie das Google-Firmenmotto lautet. Aber stets gelte: „Man beginnt nie mit herkömmlichem Denken, sondern stets mit einer neuen Idee.“

Schock für die Zuhörer

All dies klingt fast zu schön, um wahr zu sein, aber wird Schmidt ein wenig übermütig und erzählt in charmantem Plauderton etwas, was den Raum ziemlich durcheinander bringt. Schmidt hält nämlich selbst steuernde Autos ganz selbstverständlich für die Fortbewegungsmittel der Zukunft. „Ich bin überzeugt, dass in 100 Jahren Leute Filme anschauen werden, in denen junge Schauspieler in schicke Autos aus Deutschland steigen“, ruft Schmidt, „und dann werden sie kichern und sagen, das ist unheimlich lustig, dass sie da den Schauspieler so ein Auto fahren lassen, das muss doch irgendwie besser gehen.“

Will man solche Sätze hier hören? Einige Zuhörer lachen, aber es klingt eher erschrocken. Die Autoindustrie ist immer noch die deutsche Vorzeigeindustrie, jedoch ist sie auch mit am stärksten durch das Internet bedroht.

Weghören und Auslassen

Schmidts Firma Google experimentiert ebenfalls mit solchen Modellen. Und bei allem Schmidtschem Plauderton zeigt er zugleich, dass so manche deutsche Sorge berechtigt ist. Denn der hohe amerikanische Gast praktiziert, was derzeit leider so oft das transatlantische Verhältnis prägt: Weghören und Auslassen.

Auf kritische Bemerkungen, ob in anderen Ländern nicht auch andere Sitten gelten sollten, etwa zur Datensicherheit oder zu den Gefahren einer „marktbeherrschenden Stellung“, geht Schmidt einfach nicht ein. Stattdessen empfiehlt er schlicht mehr digitale Bildung und einen digitalen Binnenmarkt in Europa. Deutsche müssten also lernen, "die Zukunft zu umarmen“, fasst Wirtschaftsrats-Präsident Lauck ergriffen zusammen.

Jeb Bush in Berlin Wie tickt Jeb Bush?

Der Republikaner tritt mutmaßlich bei den US-Vorwahlen an. Am Dienstag will er in Berlin sein Profil schärfen. Dabei muss er sich vor allem von seinem unbeliebten Bruder George W. Bush abgrenzen.

Jeb Bush im US-Vorwahlkampf Quelle: dpa Picture-Alliance

Jeb Bush auf Stippvisite

Sein Verband hat sich danach, wie zur Beruhigung, noch einen Amerikaner eingeladen, der eher für die Vergangenheit steht. Jeb Bush ist Bruder eines ehemaligen US-Präsidenten und Sohn eines anderen, ohne den es zudem die deutsche Wiedervereinigung wohl nicht gegeben hätte. Nun will der Republikaner selber ins Weiße Haus, und hält in Berlin eine kurze Rede, die eher an Ronald Reagan anknüpft als an Eric Schmidt, voller schöner Schlagwörter über "Freiheit", die nicht hinter Mauern gepresst werden könne und die – ganz im Sinne von Ronald Reagan – unbeirrbar zu Wohlstand führe.

Das ist Jeb Bush

  • Florida statt Texas

    John Ellis Bush ist der jüngere Bruder von George W. Bush. Er wurde 1953 in Texas geboren. Seine politische Heimat aber ist Florida. Als einziger Republikaner schaffte er es, von 1999 bis 2007 im Staat Florida als Gouverneur zwei Amtszeiten lang zu regieren.

  • Glaubhaft in Einwanderungsfragen

    Bush hat mit seiner mexikanischen Frau Columba – die er während eines Schüleraustausches in Mexiko kennenlernte – drei Kinder. Er spricht fließend Spanisch. Aufgrund seines familiären Hintergrunds vertritt er eine liberale Haltung in der Einwanderungs-Debatte. Das könnte ihm nun helfen. Fast jeder fünfte US-Bürger ist hispanischer Abstammung.

  • The eGovernor

    Wie wichtig das Internet im amerikanischen Wahlkampf ist, hat spätestens der 2012er-Wahlkampf von Barack Obama gezeigt. Geht man nur nach den Zahlen bei Twitter hat Jeb Bush mit 168.000 Followern sicherlich noch Luft nach oben. Obama und Hillary Clinton kommen da nämlich  auf mehrere Millionen Anhänger.

    Bush veröffentlicht gerade nach und nach ein E-Book, dass Hunderttausende von E-Mails aus seiner Zeit als Gouverneur enthält, anhand dessen er seine Geschichte als Gouverneur erzählt. Im ersten Kapitel berichtet er, dass sein Nickname, nachdem er seine offizielle Mail-Adresse veröffentliche, „The eGovernor“ war. Allerdings soll er zu dieser Zeit ein privates E-Mail Konto auch für dienstliche Mails benutzt haben. Wegen ähnlichen Vorwürfen stand Hillary Clinton zuvor stark in der Kritik. Bush selbst zählte zu Clintons Kritikern.

  • Alte Sünden

    Aber auch Jeb Bush könnte in einem späteren Wahlkampf über die ein oder andere vergangene Sünde stolpern. Anlässe sind schon jetzt einige gegeben. So gab er zu, Marihuana zu Jugendzeiten geraucht zu haben. Dies ist aber auch von Obama bekannt und hinderte ihn nicht an einem Sieg. Schwerer wirkt, dass seine Tochter 10 Tage ins Gefängnis musste, da sie im Besitz von Kokain gewesen sein soll. Seiner Frau wird vorgeworfen, einen Hang zum teuren Schmuck zu haben und diesen in einem Fall nicht ordnungsgemäß verzollt zu haben.

Bush hat sogar noch ein Lob für fiskalische Integrität in Deutschland – Stichwort: Schwarze Null – mitgebracht, und ein paar freundliche Worte zum geplanten transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP. Zudem versichert er, Deutschen müsste keine Angst vor der NSA machen, weil die USA keine Industriespionage betreibe, zumindest seinem Wissen nach.

Dann redet Bush noch von einem jungen, "dynamischen", "prosperierenden" Land. Doch damit meint er die USA, nicht Deutschland. Und als der Moderator fragt, ob die deutsche Energiewende ein Vorbild sei für die Vereinigten Staaten, muss Bush lachen, und viele im Publikum erst recht.

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