Graswurzelbewegung: Berliner Lokalpolitiker wollen Cannabis legalisieren

Graswurzelbewegung: Berliner Lokalpolitiker wollen Cannabis legalisieren

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Cannabis ist in Deutschland eine der meist konsumierten illegalen Rauschmittel. Doch bleibt Cannabis wirklich illegal?

von Christian Schlesiger

Lokalpolitiker fordern die sanfte Freigabe von Hanf. Juristen und Ökonomen befürworten den Vorstoß.

So richtig passt Monika Herrmann nicht ins Schema. Zwei grüne Ficus benjamini und eine weiße Orchidee schmücken ihre neon-triste Berliner Amtsstube – Hanf-Pflanzen sucht man vergebens. Und überhaupt: „Ich habe Cannabis noch nie ausprobiert.“

Dennoch ist Herrmann zur Galionsfigur der deutschen Kifferszene avanciert, seitdem die grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg den Verkauf und Konsum von Cannabis legalisieren will.

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„Ich befürworte die Freigabe von Cannabis in Deutschland“, sagt die 50-Jährige. Ginge es nach ihr, werden bald Kiffer aus Friedrichshain und Kreuzberg Gras in lizenzierten Shops für den eigenen Gebrauch kaufen können. „Ein Antrag für die Umsetzung ist in Vorbereitung.“

Liberalisierungsbestrebungen gibt es viele, doch selten bekam die Graswurzelbewegung in Deutschland mehr Schub: Initiativen in Köln, Hamburg und Frankfurt könnten bald aufspringen. Auch Gesundheitswissenschaftler, Strafjuristen und Ökonomen setzen sich für eine sanfte Öffnung ein, weil die Drogenpolitik in ihren Augen gescheitert ist: Der Schwarzmarkt boomt, der Staat verzichtet auf Steuereinnahmen, und Polizeikosten explodieren.

Freigabe als Jugendschutz

Für Herrmann ist die Angelegenheit auch Gesundheitsschutz. In Friedrichshain-Kreuzberg liegt der berüchtigtste Drogenpark Deutschlands: Im Görlitzer Park, kurz „Görli“ genannt, verkaufen meist Schwarzafrikaner Drogen rund um die Uhr – vor allem Cannabis.

„Eine Freigabe von Cannabis bedeutet nichts anderes, als dass wir die Kontrolle über den Verkauf übernehmen“, sagt sie. Jeder, der wolle, könne heute problemlos auf dem Schwarzmarkt Cannabis kaufen. „Doch häufig sind die Produkte mit Glasstaub und Blei gefährlich gestreckt“, so Herrmann.

Der Vorstoß der Grünen reiht sich ein in weltweite Hanf-Frei-Bewegungen. Holland gilt als Paradebeispiel, doch längst zogen andere Staaten vorbei. In Uruguay produziert und vertreibt der Staat Marihuana – die Abgabe erfolgt zum Einheitspreis über Apotheken. In den USA befürwortet fast die Hälfte der 50 Bundesstaaten den medizinischen Einsatz – eine Handvoll erlaubt auch den privaten Konsum.

Snoop Dong – der einstige Rapper ist jetzt Unternehmer. Er arbeitet mit einem Cannabis-Start-up zusammen. Nicht der Einzige, der von dem Gras-Boom in den USA profitiert.

Die Experten schauen vor allem auf das Praxislabor in Colorado, dem Dorado für Kiffer. Seit einem Jahr dürfen Einwohner des Bundesstaats im Mittleren Westen, die mindestens 21 Jahre alt sind, in speziellen Shops bis zu 28 Gramm Marihuana erwerben, Touristen ein Viertel. Der Konsum in der Öffentlichkeit bleibt verboten, genauso wie das Rauchen in den Shops.

Die Bilanz nach einem Jahr „Weed-Freedom“: Kriminalitätsrate und Verkehrsunfälle blieben gleich, Tourismus und Nachfrage boomen. Die Preise für Marihuana liegen rund 50 Prozent über den bisherigen Schwarzmarktpreisen. Doch Experten gehen davon aus, dass das Angebot bald nachzieht, die Preise purzeln und der Schwarzmarkt erlischt.

Rein ökonomisch betrachtet, profitiert vor allem der Staat. Die Regierung in Colorado kassiert pro Marihuana-Päckchen 25 Prozent Verkaufsteuer. 2014 dürfte Colorado etwa 50 Millionen Dollar Steuern eingenommen haben – bei fünf Millionen Einwohnern. Übertragen auf Deutschland, kämen bei einer besteuerten Freigabe von Cannabis geschätzt 600 bis 800 Millionen Euro pro Jahr zusammen.

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