Greenpeace: "Ein, zwei Jahre, dann ist das Tempolimit da"

Greenpeace: "Ein, zwei Jahre, dann ist das Tempolimit da"

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Brigitte Behrens und Roland Hipp, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland

Brigitte Behrens und Roland Hipp, die Chefs von Greenpeace Deutschland, sprechen im WirtschaftsWoche-Interview über die verpassten Chancen der deutschen Autoindustrie, die enttäuschenden Ergebnisse der Klimakonferenz in Bonn und die neuen Strukturen, mit denen die mächtige Umweltorganisation durch die Krise kommen will.

WirtschaftsWoche: Frau Behrens, der Chef von Greenpeace International Gerd Leipold hat im vergangenen Jahr gesagt: Wir sind noch gefährlich radikal. Sind Sie das wirklich?

Behrens: Ja, insofern, als dass wir kompromisslos sind. Wir definieren unsere politischen Forderungen und halten daran fest, auch wenn andere versuchen, uns zu beeinflussen. Wenn wir meinen, dass die CO2-Emissionen drastisch sinken müssen, dann kämpfen wir dafür, auch wenn Politiker oder andere der Meinung sind, dass gerade andere Themen wichtiger sind.

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Hipp: Oder denken Sie an unsere Aktion in der Nordsee. Hier haben wir Natursteine versenkt, um auf die Zerstörung des Sylter Außenriffs aufmerksam zu machen. Das wird als Naturschutzgebiet ausgewiesen, gleichzeitig aber erlaubt die Bundesregierung, dass das Gebiet durch die Fischerei mit Grundschleppnetzen zerstört wird.

Aktionen in Meeresschutzgebieten sind heikel

Aber diese Aktion haben Sie doch aufgegeben.

Behrens: Wir haben nicht aufgegeben. Wir kündigen nur nicht vorab an, was wir noch alles tun werden.

Hipp: Manche Kampagnen brauchen etwas länger und wir sind mit den Meeresschutzgebieten in der Nordsee noch lange nicht durch.

Solche Aktionen sind heikel. Wenn Sie gegen Gesetze verstoßen, ist die Gefahr groß, dass Ihnen der Status der Gemeinnützigkeit entzogen wird. 2004 hatte es zuletzt einen solchen Versuch gegeben. Ist es ein realistisches Szenario, dass es dazu kommt?

Behrens: Ja. Die Entscheidung liegt bei einem einzelnen Finanzamt, ob sie uns den Gemeinnützigkeitsstatus zugesteht oder nicht. Das können wir nur bedingt beeinflussen. Die Gefahr ist also durchaus realistisch. Aber im Moment existiert sie meines Wissens nicht.

Hipp: Die Aktion hat nicht gegen Gesetze verstoßen. Im Gegenteil, wir haben das Gesetz zum Schutz des Gebietes umgesetzt.

Was hieße der Entzug für Greenpeace?

Behrens: Die Folgen wären dramatisch. Das würde bedeuten, dass unsere Unterstützer ihre Spenden nicht mehr steuerlich geltend machen können. Wir müssten sie motivieren uns trotzdem weiter zu unterstützen. Und das zweite große Problem wäre, dass auch wir rund 30 Prozent Steuern zahlen müssten. Dadurch würde uns ein drastischer finanzieller Einbruch drohen. Das nehmen wir nicht auf die leichte Schulter.

Die Nachrichten werden bestimmt durch die Wirtschaftskrise. Die Menschen bangen um ihren Arbeitsplatz, sorgen sich um ihr Erspartes. Dringen Sie in einer solchen Phase mit dem Thema Umweltschutz überhaupt noch durch?

Behrens: Das hängt vom Thema ab. Das Thema Klimawandel ist in der öffentlichen Diskussion angekommen. Die breite Öffentlichkeit hat verstanden, dass wir hier etwas tun müssen und unterstützt das auch. Andere Themen wie zum Beispiel die Überfischung der Meere rücken dagegen in den Hintergrund.

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