Griechenland: Wie groß das Risiko bei einem zweiten Schuldenschnitt wäre

Griechenland: Wie groß das Risiko bei einem zweiten Schuldenschnitt wäre

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Die deutschen Banken haben ihre Forderungen an Griechenland zu großen Teilen schon beglichen

von Mark Fehr, Annina Reimann und Heike Schwerdtfeger

Das griechische Schuldenschnitt-Gespenst geisterte zuletzt immer wieder durch die Öffentlichkeit. Welche Forderungen tatsächlich bedroht wären.

Wichtigster Gläubiger Griechenlands ist der (alte) Rettungsschirm EFSF, den die Euro-Staaten mit Kapital ausgestattet haben. Der Fonds hat Griechenland 133 Milliarden Euro geliehen, weitere 11,6 Milliarden Euro sollen bis 2014 folgen. Für mögliche Ausfälle stehen die Euro-Staaten mit ihrem Kapitalanteil am EFSF und Bürgschaften gerade. Größter Finanzier ist Deutschland mit einem Bürgschaftvolumen von bis zu 211 Milliarden Euro. Auch für die Athener Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 28,5 Milliarden Euro haftet Deutschland über seinen Kapitalanteil am IWF indirekt mit. Die Europäische Zentralbank (EZB) und das Euro-System der angeschlossenen nationalen Notenbanken halten zudem griechische Schuldtitel im Umfang von rund 40 Milliarden Euro.

Darüber hinaus ist Griechenland auch direkt bei Deutschland verschuldet. Gläubiger ist die öffentlich-rechtliche KfW Bankengruppe. Bei der steht Athen mit 15,2 Milliarden Euro in der Kreide. Der Bund hat dafür eine Bürgschaft übernommen und haftet, falls nicht zurückgezahlt wird. Die KfW hat das Geld als deutschen Anteil an den 2010 vereinbarten Hilfskrediten der Euro-Mitgliedstaaten bereits ausgezahlt – rund 53 Milliarden Euro.

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Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Deutsche Banken, Versicherer und Investmentfonds haben ihre Griechenlandforderungen dagegen weitgehend abgebaut. Allerdings bunkerte die Bad Bank der Hypo Real Estate (HRE) zum Jahresende 2012 noch Forderungen gegen öffentliche Schuldner in Griechenland in Höhe von 1,7 Milliarden Euro. Verluste der FMSW, in der die Altlasten der in der Finanzkrise untergegangenen HRE lagern, muss der Bund ausgleichen.

Das Griechenlandengagement ist überschaubar

Beim Branchenprimus Deutsche Bank stehen nur noch Forderungen in Höhe von 23 Millionen Euro gegen den griechischen Staat in den Büchern – und die Commerzbank hat gar keine Rechnung mehr mit Athen offen. Auch bei den großen Landesbanken ist das Griechenlandengagement überschaubar. So hat die HSH Nordbank Forderungen in Höhe von drei Millionen Euro. Die BayernLB, die Baden-Württembergische LBBW oder die hessisch-thüringische Helaba haben ihre Bestände an griechischen Staatsschulden komplett abgebaut. Die staatliche Bad Bank EAA der untergegangenen WestLB hält noch geringe Forderungen gegen griechische Unternehmen in Höhe von 66 Millionen Euro, aber keine gegen den griechischen Staat. Bei der Investmenttochter der Landesbank Berlin stehen griechische Staatsanleihen im Volumen von 1,5 Millionen Euro in den Büchern.

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Und die Versicherungen? Sie weisen demonstrativ darauf hin, dass sie ihr Griechenlandengagement weitgehend abgebaut haben. Weder der Marktführer in der Lebensversicherung, die Allianz Leben, noch der größte Rückversicherer Munich Re halten noch Hellas-Anleihen. Allein die Allianz Gruppe besitzt noch eine Handvoll. Laut Geschäftsbericht standen Ende 2012 elf Millionen Euro in den Büchern. Gemessen an dem 460,8 Milliarden Euro schweren Rentenportfolio, sind das "peanuts".

Auch die Fondshäuser Deka, DWS und Union Investment haben sich von griechischen Staatsanleihen verabschiedet. In den Fonds des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock sowie dem populären Bondmanager Pimco sind deutsche Anleger vor Griechenbonds ebenfalls sicher. Die Frankfurter Universal Investment, ein Anbieter, über den viele Vermögensverwalter ihre Investmentfonds an den Markt bringen, ermittelte für die Fonds mit einem Gesamtvolumen von 170 Milliarden Euro noch einen Bestand von zehn Millionen Euro in griechischen Staatsanleihen. Spekulationen über einen Schuldenschnitt sorgen bei den meisten Fondsmanagern daher nicht für Unruhe.

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