Großveranstaltungen: Wirtschaftseffekt von Mega-Events dramatisch überschätzt - Seite 2

Großveranstaltungen: Wirtschaftseffekt von Mega-Events dramatisch überschätzt

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Der Eurovision Song Contest Quelle: dpa
Der Eurovision Song Contest ist derzeit eine der begehrtesten Veranstaltungen. Quelle: dpa

Das derzeit heißeste Ereignis ist die Ausrichtung des Eurovison Song Contest im kommenden Jahr. Hannover, Gelsenkirchen, Hamburg oder Düsseldorf bemühen sich, die versuchte Titelverteidigung von Musiksternchen Lena in ihre Stadt zu holen. Bis Mitte August müssen sie ihre Konzepte beim NDR vorlegen. „Umgerechnet auf die Sendezeit ist der Imagegewinn nahezu unbezahlbar“, sagt Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski.

Die zusätzlichen Einnahmen, die sich Städte von diversen Mega-Events versprechen klingen immens. Oslo schätzt den Umsatz durch den Song Contest in diesem Jahr auf zwölf Millionen Euro. Und Köln erwartet, dass die Schwulen-Olympiade Gay Games, die seit dem Wochenende erstmals in Deutschland stattfindet, 43 Millionen Euro in die Kassen von Hoteliers, Gaststätten oder Taxifahrer spült.

„Wirtschaftlicher Effekt von Großveranstaltungen dramatisch überschätzt“

Doch Experten zweifeln viele dieser Rechnungen an. „Der wirtschaftliche Effekt von Großveranstaltungen wird oft dramatisch überschätzt“, warnt Peter Zellmann, Leiter des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien. „Die Haushaltsbudgets bleiben ja gleich, die Mehreinnahmen fehlen daher letztlich anderen Betreibern von Freizeitangeboten in der Stadt.“

Ein Plus entsteht daher nur durch zusätzliche auswärtige Besucher, doch gerade bei Sportveranstaltungen würden andererseits die Touristen ausgeblendet, die wegbleiben, da sie solchen Mega-Events aus dem Weg gehen. Auch versteckte Kosten, zum Beispiel für Umweltschäden, werden in den Rechnungen der Städte ignoriert.

Public Viewing abgesagt

„Massen kosten und können einem Standort auch schaden“, sagt Zellmann. Das zeige sich in den traditionellen Hochburgen des Massentourismus oder in Extremfällen wie der Katastrophe von Duisburg.

In kleinerem Rahmen haben inzwischen auch manche Städte bemerkt, dass sich beliebte Events nicht immer rechnen. Das populäre Public-Viewing zur Fußball-WM wurde unter anderem in Flensburg, Saarbrücken und Stuttgart abgesagt - aus Kostengründen.

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