Großveranstaltungen: Wirtschaftseffekt von Mega-Events dramatisch überschätzt

Großveranstaltungen: Wirtschaftseffekt von Mega-Events dramatisch überschätzt

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Fanmeile der Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin

Städte buhlen massiv um Großveranstaltungen und versprechen sich Imagegewinn und Zusatzeinnahmen. Doch die ökonomische Kalkulation geht oft nicht auf.

Das Oktoberfest gehört zu München wie die Kieler Woche zu Kiel, doch viele Großveranstaltungen wie etwa die Loveparade haben keinen dauerhaften Standort und werden so zum Objekt der Begierde vieler Städte.

Dahinter steht der gestiegene Wettbewerb der Städte um Touristen, Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte. Vor allem die junge Kreativindustrie ist umworben, Metropolen präsentieren sich daher als „Kreative Städte“ wie sie der US-Ökonom Richard Florida beschreibt. Neben sportlichen Großereignissen, wie den olympischen Winterspielen um die sich München derzeit bewirbt, sollen kulturelle Events das Image der Metropolen aufpolieren. 

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93 Euro pro Loveparade-Besucher

„Großveranstaltungen sind ein nicht zu unterschätzendes Kriterium im Wettbewerb der Metropolregionen“, sagt René Gurka, Geschäftsführer der Gesellschaft Berlin Partner, die sich um die Vermarktung der Hauptstadt kümmert. Auch deshalb kämpfte Duisburg verbissen um die Loveparade 2010, die so tragisch endete. Städte locken publikumsträchtige Veranstaltungen mit Zuschüssen, der Übernahme von Kosten für Sicherheit und Sauberkeit oder günstigen Konditionen für das Eventgelände.

Als das Aus der Loveparade in Berlin kam, buhlten beispielsweise auch Hannover oder Stuttgart um die Feier, die dann ins Ruhrgebiet zog. Schließlich gibt jeder Besucher an dem Partywochenende im Schnitt zwischen 75 und 100 Euro aus, ergaben Studien aus Berlin. In Dortmund sollen die Feiernden durchschnittlich 93 Euro in der Stadt gelassen haben.

"Städte rechnen sich Veranstaltungen schön"

Auch Veranstaltungen mit weniger direkten Besuchern, die jedoch im Fernsehen übertragen werden sind umkämpft. So soll die letzte Bambi-Verleihung in Potsdam der Stadt soviel Aufmerksamkeit beschert haben, wie es sonst Werbung im Wert von 70 Millionen Euro bewirkt hätte. Auch wenn die Wirkung überschätzt sein sollte ist es ein Erfolg, bedenkt man  dass die Stadt Potsdam und das Land Brandenburg vergleichsweise geringe 175 000 Euro zur Ausrichtung der Bambi-Verleihung beisteuerten. Zuvor fand die Bambi-Verleihung in Offenburg statt, der Bekanntheitsgrad der Stadt sei von 52 Prozent drei Wochen vor der Veranstaltung auf 60 Prozent danach gestiegen.

Die Frage ist allerdings wie langfristig solche Effekte sind. So beschert das Kulturhauptstadtjahr dem Ruhrgebiet sicherlich große Aufmerksamkeit. Doch wer kann sich noch an die Kulturhauptstädte der letzten Jahre erinnern? „Viele Städte rechnen sich ihre Veranstaltungen schön“, sagt Ulrich Wünsch, Eventmanagement-Experte und Rektor der Hochschule für populäre Künste in Berlin. Bei Ereignissen wie dem Kulturhauptstadtjahr oder auch sportlichen Großevents sei es entscheidend, wie diese für nachhaltige Veränderungen in den jeweiligen Städten genutzt würden. Als positive Beispiele nennt Wünsch Rotterdam, die Kulturhauptstadt 2001 oder auch Barcelona nach Olympia 1992. In Athen und Peking stehen dagegen viele Stadien meist leer, ein Schicksal dass nun auch Südafrika droht.

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