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Grün-Rot: Unternehmer schalten auf Harmonie-Modus

von Wolfgang Bok

Die Wirtschaft in Baden-Württemberg hat sich mit Grün-Rot arrangiert. Ihr Credo: "Wir haben Schlimmeres erwartet."

Wolfgang Grupp, Trigema-Chef

"Offen gesagt, Herr Kretschmann ist top, mir fällt nichts ein, was er falsch gemacht haben könnte. Er macht das, was letztlich jede Regierung tun muss: Er regiert nicht gegen die Unternehmer, die ihren Job machen und Arbeitsplätze schaffen, sondern er kümmert sich um solche Unternehmen.

Seine Orientierung auf alternative Energien und Produkte finde ich gut. In der Schulpolitik ist es allerdings wichtig, dass wir nicht nur Abiturienten und Hochschulabgänger produzieren, denn wir brauchen die Facharbeiter auch in Zukunft mehr denn je, denn Europa wird ohne Produktionsarbeitsplätze nicht zukunftsfähig sein."

Bild: dapd

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Eigentlich ist Arthur Handtmann ein angstfreier Mensch. Dafür hat der 85-jährige Seniorchef zu viele Krisen erlebt und gemeistert. Doch die „überhastete Energiewende“ lässt ihn um den Erfolg seines Unternehmens, eines Zulieferers für die Automobil- und Luftfahrtindustrie, bangen. „Bei einem Stromausfall kommt unsere Großgießerei zum Stillstand“, fürchtet der Beiratsvorsitzende der Handtmann-Gruppe im oberschwäbischen Biberach. Das Aluminium, das bei 800 Grad kochend gehalten werden muss, würde erstarren, die Fertigungsroboter müssten ihre Arbeit einstellen. „Täglich müssen wir bis zu 45 Lkw-Ladungen mit Motor- und Getriebeteilen pünktlich bei VW, Daimler, BMW, Audi und Opel abliefern. Können wir diese Zuverlässigkeit nicht mehr garantieren, würden wir unsere wichtigsten Auftraggeber verlieren.“

Dieses Risiko wollen Arthur und Sohn Thomas Handtmann, der die Geschäfte des Unternehmens führt, nicht eingehen – und nun für rund 20 Millionen Euro ein eigenes Gaskraftwerk bauen. Die Pläne sind fast fertig, sechs MTU-Turbinen mit einer Gesamtleistung von 12,5 Megawatt (MW) so gut wie bestellt. Das Problem ist nur: Die Gasversorgung Süddeutschland (GVS) kann nicht garantieren, auch bei Temperaturen unter minus 15 Grad die notwendige Gasmenge von 60 Megawatt zu liefern. Kalte Winter sind in Oberschwaben jedoch keine Seltenheit.

Siemens-Vorstandschef Peter Löscher

„Die Energiewende wird ein Erfolg. Wenn wir die passenden Antworten geben. Heute.“ Mit dieser Zeile warb der Siemens-Chef in ganzseitigen Anzeigen in großen deutschen Tageszeitungen für die Energiewende.

Bild: dapd

Schwierige Umstellung

Handtmann steht exemplarisch für weite Teile der baden-württembergischen Industrie. Nachdem im Land zwei der vier Atomreaktoren abgeschaltet sind, fürchtet das produzierende Gewerbe um die verlässliche Stromversorgung. Zugleich zeigt der Fall, wie schwierig die Umstellung auf neue Energien in der Praxis ist. Dass rundherum kaum mehr ein Dach frei von Solarplatten ist und sich die Windbranche in Goldgräberlaune befindet, beruhigt energieintensive Firmen wenig. Sie fordern Verlässlichkeit bei jedem Wetter.

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