Gründungsparteitag am 14. April: Wie die "Alternative für Deutschland" Mitglieder anzieht

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Gründungsparteitag am 14. April: Wie die "Alternative für Deutschland" Mitglieder anzieht

von Henning Krumrey

Die Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ geht mit schnellen Schritten auf ihren Gründungsparteitag am 14. April zu – und sammelt Unzufriedene aus anderen Parteien ein.

Dagmar Metzger hat derzeit gut zu tun. So gut, dass für Ihre Arbeit in der eigenen Kommunikationsagentur wordstatt in München die Zeit knapp werden dürfte. Denn im Tagesrhythmus fabriziert und versendet Metzger Presseerklärungen der „Alternative für Deutschland“. Sie fungiert als Pressesprecherin der neuen Anti-Euro-Partei. Mal meldet Metzger, dass Ronald Geiger sich der neuen Truppe angeschlossen hat; mal freut sie sich über Professor Doktor Jörn Kruse. Zwei Tage später ist ihr Alexander Dilger eine Mitteilung wert, weitere zwei Tage später Christian Schmidt.

Eigentlich sind es nur Mini-Nachrichten, und doch verdichten sie sich zu einem neuen Bild: Die bürgerliche Truppe hat Zulauf, staunt selbst über die Nachfrage nach einem Politikangebot, das die bisherige Eurorettungspolitik der etablierten Parteien nicht mehr „alternativlos“ hinnehmen will. Denn die genannten Herren, wiewohl keine Prominenten, die jeder politisch Interessierte kennen muss, senden ein Signal: Es sind meist Funktionäre der Freien Wähler, die allein oder mit kleiner Gefolgschaft zur neuen Partei übertreten. Aber auch ehemalige FDP-Mitglieder sind darunter.

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Innerhalb von 18 Tagen hat die Neugründung nach eigenen Angaben 5.000 Mitglieder gewonnen. Derzeit, das legen die Pressemitteilungen nahe, zielt die Alternative vor allem auf das Potential und Personal der Freien Wähler, die bisher als einzige nicht-sozialistische Partei einen eurokritischen Kurs verfolgte (die Linkspartei käme ja für bürgerliche Wähler nicht in Frage). Entsprechend bejubeln Metzgers Texte jeden Übertritt von dort. Und beachtlich ist mancher Wechsel in der Tat. Christian Schmidt beispielsweise, der am 29. März zur AfD kam, war bislang Vorsitzender der Freien Wähler Berlin, der sich vier Jahre lang um den Aufbau der aus Süddeutschland stammenden Bewegung in der Hauptstadt bemüht hatte. Schmidt lässt sich eindeutig zitieren: „Leider sind wir in unseren Bemühungen, die Parteispitze der Freien Wähler zu einer Zusammenarbeit mit der Alternative für Deutschland zu bewegen, gescheitert“, klagt der frühere Landeschef. Das Signal: Wer wirklich gegen den Euro kämpfen und die Kräfte bündeln will, muss zur Alternative für Deutschland wechseln. Auch wenn man aus Gründen der Loyalität zur alten Truppe lange gezögert habe. Aber mit Blick auf den Euro gelte: „Die Freien Wähler vertreten bei dieser Frage eine zu unverbindliche und vage Position.“

Neue Partei "Alternative für Deutschland" will Euro nicht retten

Publizist Konrad Adam ist einer der Gründer der neuen Partei "Alternative für Deutschland". Die Bewegung will gegen die Allparteienkoalition der Euro-Retter bei der Bundestagswahl antreten.

Hans-Olaf Henkel, Konrad Adam, Stefan Homburg Quelle: dpa/Montage

Und die Überläufer kommen nicht allein. Schmidt beispielsweise bringt gleich 30 Mitstreiter von den Freien Wählern mit, darunter zwei weitere Vorstandsmitglieder. In Hamburg zog der Volkswirtschaftsprofessor Jörn Kruse ebenfalls sieben ehemalige Weggefährten mit zu neuen Ufern – ebenfalls mit deutlichen Worten an die alte Adresse.

Ganz ähnlich zieht Ronald Geiger gegen seine frühere Partei zu Felde. Hier ist es die FDP, für die er im Regionalparlament der Region Stuttgart saß. Die aktuelle Europa- und Bankenrettungspolitik der Freidemokraten sei „ein Bruch aller liberalen Prinzipien, die mich vor gut 26 Jahren zum Eintritt in die FDP bewogen haben“, schimpft Geiger. Durch den Parteiwechsel hat die Alternative für Deutschland nun bereits vor ihrem offiziellen Gründungsparteitag einen Parlamentssitz – wenn auch in der Region Stuttgart. Denn sein Mandat nimmt Geiger mit zu den neuen Freunden. 

Partei "Alternative für Deutschland" sammelt Anhänger

Die neue Euro-kritische Partei formiert sich. Die Gründer erhoffen sich von den Bundestagswahlen ein starkes Signal an die etablierten Parteien.

Berd Lucke spricht auf einer Veranstaltung der "Alternative für Deutschland" Quelle: rtr

Der erste Bundesparteitag ist für den 14. April im Berliner Hotel Intercontinental geplant. An jenem Sonntag wollen die Aktivisten die Satzung beschließen, das Wahlprogramm für die Bundestagswahl diskutieren und ihre Sprecher wählen. Bisher leistet diese Arbeit der Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke, der erst mal bis Ende März von seiner Universitätsarbeit beurlaubt war. Vor der „geordneten Auflösung des Euro-Währungsgebietes“ steht also erst mal der geordnete Aufbau einer Parteiorganisation.

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