Grundwasser: Klimawandel macht das Bauen teurer

Grundwasser: Klimawandel macht das Bauen teurer

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Feucht und fröhlich - Hochwasser im Winzerort Zell an der Mosel

Der Klimawandel sorgt für steigende Regenfälle - das macht die Keller voll und das Bauen teurer.

Seine Gemütslage misst Jörg Ladebeck in Zentimetern. An guten Tagen kommt er auf zehn, an schlechten können es schon mal 50 sein. Und wenn es richtig mies läuft, sind es mehr als 76. Dann muss er pumpen.

Ladebeck wohnt im Örtchen Schönebeck, einige Kilometer südlich von Magdeburg. Im Februar 2010 floss zum ersten Mal Grundwasser in seinen Keller, seitdem ist es geblieben. Möbel, die er anfangs nach jedem Abebben des Grundwassers wieder runtergebracht hat, lagert er jetzt im Erdgeschoss, dort wo eigentlich ein Ladenlokal sein sollte. Seinen Keller hat er aufgegeben, nur seine Elektroanlage hängt dort noch, in 76 Zentimeter Höhe. Jeden Morgen misst Ladebeck den Kellerpegel, im Zweifel pumpt er das Wasser in die Kanalisation, aber da ist es auch nicht besser aufgehoben.

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Keller verboten

So wie Ladebeck geht es diesen Winter vielen Menschen in Sachsen-Anhalt. Ein Drittel aller Grundwasser-Messstellen im Land verzeichnet Rekordstände, allein in Ladebecks Heimatort meldeten sich auf eine spontane Zählung mehr als 200 Haushalte, deren Keller seit mehreren Monaten voll Wasser sind. Jüngst befasste sich der Landtag in einer aktuellen Stunde mit dem Thema, Landesumweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU) fordert eine Änderung des Baurechts. Kellerräume sollten in gefährdeten Gebieten bei Neubauten tabu sein. Sind solch radikale Regeln bald bundesweit notwendig?

Was derzeit in Sachsen-Anhalt passiert, steht in den nächsten Jahren vielen Gebieten der Republik bevor – vor allem im Westen. Der Klimawandel macht zwar die Sommer trockener, zugleich aber die Winter nässer. Im Saldo heißt das: Vielerorts steigen die Grundwasserspiegel. „Außerdem treten die Regenfälle unregelmäßiger auf als früher“, sagt Ulrich Irmer, Spezialist für Binnengewässer am Umweltbundesamt in Dessau. Es gibt künftig seltenere, dafür umso heftigere Starkregenperioden. Die haben jedoch Folgen für den Grundwasserspiegel. Je mehr Regen in kurzer Zeit fällt, desto weniger Wasser kann verdunsten oder von Pflanzen aufgenommen werden.

Der Prognose zufolge sollen bis 2050 die Niederschläge in Deutschland im Sommer um rund 20 Prozent abnehmen, im Winter dagegen um 30 Prozent steigen. Dabei sagen die Experten je nach Region unterschiedliche Auswirkungen voraus: In Brandenburg rechnen Klimaforscher mit einem leichten Absinken des Grundwasserspiegels, in den Einzugsgebieten von Donau, Rhein und Main hingegen mit deutlichen Zunahmen. Dies gilt vor allem für die Gegend um den Zusammenfluss von Rhein und Main und von dort an flussabwärts. In Hessen und Rheinland-Pfalz wird der Grundwasserspiegel um durchschnittlich 25 Prozent steigen. Auch in Nordrhein-Westfalen wird der Pegel um rund zehn Prozent zunehmen, am Neckar soll er hingegen konstant bleiben. In einigen Gebieten, wie jetzt auch in Sachsen-Anhalt kommen Spätfolgen des Bergbaus hinzu. Denn wo Braunkohle über Tage gewonnen wurde, hat man den Grundwasserspiegel künstlich abgesenkt, das Wasser in die Flüsse gepumpt. Wird der Abbau eingestellt, steigt das Grundwasser wieder, die Flusspegel sinken. So ist der Wasserstand der Spree heute um zwei Drittel niedriger als vor 20 Jahren.

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