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Guido Westerwelle im Interview: "Wir bleiben in der Mitte"

von Christian Ramthun (Berlin) und Konrad Handschuch

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle über die Fehler der großen Koalition in der Krisenpolitik und die Chancen für ein bürgerliches Bündnis nach der Bundestagswahl.

Der FDP-Vorsitzende Guido Quelle: dpa
Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle spricht am Montag (02.03.2009) während des Bundessymposiums "Die Mitte: Deutschlands Zukunft". Diskutiert wurde in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalens die Zukunft des Landes angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise. Foto: Soeren Stache dpa/lbn (c) dpa - Bildfunk Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Westerwelle, die Bundesregierung hat infolge der Finanzkrise jetzt das Gesetz zur Verstaatlichung der Hypo Real Estate (HRE) auf den Weg gebracht, um den Pfandbrief zu retten und die Steuerzahler zu schützen. Warum laufen Sie dagegen Sturm?

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Westerwelle: Dass eine von der Union geführte Bundesregierung eine Enteignungspolitik betreibt, hätte ich nie im Traum für möglich gehalten. Das ist ein schwerer Fehler. Hätte die russische Duma ein Enteignungsgesetz gegen einen deutschen Investor beschlossen, würden wir zu Recht sagen: In Russland sind deutsche Investitionen nicht sicher. Eine ähnlich schädliche Wirkung wird auf lange Sicht auch diese Fehlentscheidung nach sich ziehen. Schwarz-Rot gefährdet Deutschlands Ruf als international anerkanntem Raum für sichere Investitionen.

Was hätten Sie stattdessen getan?

Auch das Bundeswirtschaftsministerium hat die Alternative aufgezeigt, wie sich bei der Sanierung der HRE die Interessen des Steuerzahlers wahren lassen, ohne auf diese eklatante Weise mit den Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft zu brechen. Dieser Weg bestünde beispielsweise in einer Kapitalerhöhung, zumal das extra für die HRE beschlossene Gesetz die Möglichkeit ausschließt, dass in diesem Fall eine Minderheit die Rettung der Bank blockieren kann.

Sie spielen auf den Großaktionär Christopher Flowers an. Um den geht es ja gerade. Warum soll dieser private Investor von steigenden Aktienkursen profitieren, wenn die Sanierung der HRE durch Steuergelder gelingt?

Es geht nicht um Herrn Flowers, sondern um die Stabilität einer systemrelevanten Bank. Falsch ist doch nicht die Rettungsabsicht – das Enteignungsgesetz ist der Fehler. Ich frage mich, warum bestimmte Entscheidungen im Bundesfinanzministerium angeblich erst dann gefallen sind, nachdem Verjährungsfristen bei der HRE zugunsten der Alteigentümer, der HVB, abgelaufen waren.

Sie unterstellen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Absicht?

Er und sein Haus haben auf klare Fragen verschleiernde Antworten gegeben. Bei der Frage, ob die HRE abgewickelt wird, fuhr Peer Steinbrück einen Zickzackkurs. Prüfberichte aus Irland lagen bei ihm vor, als man angeblich gar keine Möglichkeit hatte, dort zu prüfen. Das alles werden wir jetzt in einem Untersuchungsausschuss aufklären. Immerhin geht es Schätzungen zufolge um einen möglichen Schaden zulasten der Steuerzahler in Höhe von bis zu 235 Milliarden Euro. Der Finanzminister schwadroniert herum und hat die Lage mitten in der Finanzkrise nicht im Griff.

Und er sagt, der Untersuchungsausschuss würde ihn daran hindern, seinen Job zu tun.

Das ist dreist. Jetzt fehlt nur noch, dass sich Peer Steinbrück eine weißgepuderte Perücke aufsetzt und ruft: „L’Etat, c’est moi!“ Ein Bundesfinanzminister, der sagt, er könne seinen Aufgaben nicht mehr nachkommen, wenn er sich der parlamentarischen Kontrolle zu stellen hat, muss sich fragen, ob er am richtigen Platz ist. Das Parlament hat den Verfassungsauftrag, die Regierung zu kontrollieren – erst recht, wenn es um bis zu 235 Milliarden Euro geht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte es unanständig, dass die Vorstände der Dresdner Bank trotz sechs Milliarden Euro Verlust noch 58 Millionen Euro kassieren. Hat sie recht?

Natürlich hat sie recht. Aber hier kritisiert die Bundeskanzlerin einen Missstand, den sie selbst mit zu verantworten hat. Da steigt der Bund mit Steuergeldern bei der Commerzbank ein und drängt nicht darauf, dass vorher sämtliche Altlasten und Verpflichtungen aus der Übernahme der Dresdner Bank geklärt werden? Es gehört zum kleinen Einmaleins des Wirtschaftslebens, dass man prüft, was man kauft: Käufer machen ihren Einfluss geltend. Viel zu oft regen sich Regierungsvertreter über Regelungen auf, die sie in Aufsichtsgremien selbst abgenickt haben.

Welche großen Fehler hat die Regierung denn noch gemacht?

US-Außenministerin Hillary Clinton hat gesagt: „Never miss a good crisis.“

Soll heißen?

Die Bundesregierung verwaltet die Krise, aber sie gestaltet nicht die Zukunft. So verpasst diese Regierung die Chancen der Krise. Und in vielen Bereichen, ich denke da an den planwirtschaftlichen Gesundheitsfonds, setzt sie auf Staatsdirigismus. Mir ist das zu viel DDR light.

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15 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.04.2009, 09:20 UhrAngelica

    2. Teil
    Es wird noch schlechter werden - wirtschaftlich - für alle - und die Regierung hat keine Weitsicht, keine Konzepte, keine Ziele ausser den eigenen persönlichen kurzfristigen - Pensionssicherungszahlungen für Politiker - sonst wären doch die bänke im Parlament voll, oder?
    400 Abgeordnete á 20.000 Euro + 3.000 für Nebenkosten x 12 Monate = ? Für dieses Geld könnte man als Wähler doch was vernünftiges Erwarten. ich wähle als nächstes die FDP. Die anderen haben ja schon gar nichts mehr im blick und die Desinformation und Falschinformation ist seit Jahren so auffällig, dass man uns bald als die "im Land der Ahnungslosen" nennen kann. ARD und ZDF tun ihr übriges dazu.
    Da helfen auch keine Ablenkungsmanöver oder aufbauschen von neuen "Kriegsschauplätzen". Z. b. habe ich in keiner einzigen Zeitung oder im Fernsehen gehört oder gelesen, dass die VST-Anrechnung bei Neuwagenkäufen ab 2009 nur noch zu 50 % anzurechnen sind. Hätte ich das gewußt, hätte ich wahrscheinlich noch 2008 einen Wagen gekauft. Aber nein, Steinbrück erläßt nicht nur ständig "Erlasse" sogar gegen bGH Urteile und setzt sich frech über die Rechtssprechung hinweg, Nein, Frau Merkel unterstützt dies. Das geht zu weit und deswegen bitte zurück zur FREiHEiT.
    Die besteuerung von Eigentum - welches erst mal gefördert werden sollte - früher - soll dann natürlich wieder besteuert werden - klar - die Kohle muß ja irgendwo herkommen. Doch der Denkfehler ist bereits includiert, denn, bei unserer sog. Überalterung werden die Leute wegsterben und die immobilien dann leer stehen bleiben, weil es keine Käufer mehr gibt die sich ein Haus leisten können. D. h. die immobilienblase der anderen Art ist bereits eingeleitet. Am Schluß wird die Rente von Oma gepfändet, damit sie die Erbschaftsteuer des 250 qm Hauses bezahlen kann. Denken Sie mal ein bischen weiter. Weg mit der Demokratur - zurück zur Freiheit - und bitte schnell!

  • 07.04.2009, 09:19 UhrAngelica

    Herr Westerwelle hat recht. Und leider ist es so, dass mit der Agenda 2010 von allen durchgewunken wurde, was noch nicht einmal veröffentlicht wurde und wird. Die Änderungen in der Rentenversicherung z. b. passieren einfach. Man zahlte und zahlte und plötzlich ist das Geld W E G gerechnet.
    ich sehe das Hauptproblem in Deutschland, dass es zu wenig Arbeitsplätze gibt und die meisten Statistiken völlig verfälscht sind und gar kein richtiges bild mehr von der wirtschaftlichen - arbeitsbezogenen Lage abgeben. Wenn wir alle Leistungsfähigen - in den Vorruhestand geschicken, Harz iV verlagerten, Arbeitssuchenden etc. Personen zusammenaddieren, dann würden wir eine große Katastrophe sehen und erkennen.
    Das Problem ist, wie kann man Arbeitsplätze schaffen, wo der verdienst als angemessen angesehen werden kann und nicht der nächste Lohnrundenverzicht a la Quelle - Call Center Auslagerung sowie z. b. Dresdner bank Kauf und 6000 Mitarbeiterentlassungen verbunden werden können??? und dürfen und viele Großunternehmen das Kapital aus dem Land schaffen und wie die bundesregierung Volkseigentum versilbern und dem bürger dafür was er bezahlt hatte nichts zurück geben?
    Nach meiner berechnung - ohne Rentner - haben wir eine Arbeitslosigkeit von 25 - 28 % und keine Arbeitsplätze dafür. Zum Thema Schwarzarbeit: Sehr geehrte Politiker - haben Sie die bodenhaftung verlohren und schon mal ausprobiert tatsächlich von 345 Euro zu leben und 400 Euro dazu verdienen zu dürfen? Die Steuerlast und die Kostensteigerungen sind zu hoch. Da hilft auch eine jetzt 4-jährige indexierung nix und ein Warenkorbvergleich der hinkt, hinkt - im Rollstuhl fährt!
    Die Globalisierung tut ihr übriges und wenn noch weitere Ost-Länder dazukommen - dann Pfüa Di. -

  • 06.04.2009, 12:24 Uhrgameover

    Seit 1990 rauscht dieses Land dem Abgrund entgegen. Die Transfer"leistungs"empfänger sind seit ca. 10 Jahren in der Mehrheit. Das Sozialparadies wird von einer Minderheit finanziert. Diese wird geknebelt, durch allerlei Tricks am Auswandern gehindert, mit einer Salamitaktik an Fehlinformationen bei der Stange gehalten. Das neuste beispiel ist die PR-Welle "Pro-immobilie" die durch den blätterwald rauscht. Häuser kann man nicht mitnehmen und auch nicht so schnell verkaufen, aber immobilien lassen sich prima besteuern. Man muss kein Genie sein um zu erkennnen wohin die Reise geht. Zukunft haben in diesem Land nur SozialpädagogiNen, integrationshelferiNNEN und Gleichstellungsbeauftragte.

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