Guido Westerwelle: "Nicht den Blick auf die Welt verlieren"

InterviewGuido Westerwelle: "Nicht den Blick auf die Welt verlieren"

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»Wir dürfen den Blick auf die Welt nicht verlieren«

von Henning Krumrey und Cordula Tutt

Der Außenminister will deutsche Wirtschaftsinteressen stärker vertreten und Schwellenländer umgarnen.

WirtschaftsWoche: Herr Minister, Sie legen diese Woche dem Kabinett ein Konzept zum Umgang mit den von Ihnen so genannten neuen Gestaltungsmächten vor. Was müssen wir uns darunter vorstellen?

Guido Westerwelle: Die neuen Gestaltungsmächte haben drei Eigenschaften: Sie haben großen wirtschaftlichen Erfolg, daraus leitet sich wachsender politischer Einfluss her, und sie entfalten eine regionale oder sogar globale Ordnungskraft. Wir leben in einer Zeitenwende: Die Globalisierung ist zu oft reduziert worden auf die wirtschaftlichen Auswirkungen. Aber auch Werte und Lebensstile globalisieren sich.

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Die BRICS-Länder – Brasilien, Russland, Indien, China oder Südafrika – nennen wir doch schon strategische Partner.

Viele dieser Länder haben ihre Wirtschaftskraft in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Aber es geht um mehr: In der zweiten Reihe haben sich Länder auf den Weg gemacht, die noch zu wenig beachtet werden und mit zuweilen törichten westlichen Klischees zu kämpfen haben, zum Beispiel Kolumbien oder Vietnam.

Was macht nun plötzlich Kolumbien wichtig für Deutschland?

Kolumbien, die Türkei, Indonesien und andere sind so etwas wie die „hidden champions“ in der Unternehmenswelt. Sie sind erfolgreich, sie wachsen stark, aber sie stehen nicht im Blickpunkt. Bei meinem Besuch in Kolumbien habe ich letztes Jahr gespürt, wie viele deutsche Unternehmer mit ihrer „Trüffelnase“ sich dort immer stärker engagieren wollen. Der politische Aufbruch sorgt für mehr Investitionssicherheit. Nach der deutschen Einheit waren wir sehr stark mit uns selbst beschäftigt, zurzeit steht Europa im Blickpunkt. Aber wir dürfen den Blick auf die Welt nicht verlieren. Im Jahr 2015 werden 90 Prozent des Wirtschaftswachstums außerhalb von Europa erwirtschaftet werden. Das hat auch politische Konsequenzen.

Was ändert sich nun in Deutschlands Verhältnis zu diesen Ländern?

So wie die Westintegration oder die neue Ostpolitik einschneidende Zäsuren in der deutschen Außenpolitik waren, so werden in diesem Jahrzehnt die politischen Gewichte neu sortiert. Alte Partnerschaften müssen wir weiter pflegen, wir müssen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass es neue politische und wirtschaftliche Gewichte gibt. Ein Beispiel: Am 20. Februar treffen sich zum ersten Mal auch die Außenminister der G20-Staaten, nicht mehr nur die Finanzminister. Auch die BRICS-Staaten arbeiten verstärkt zusammen und zeigen Selbstbewusstsein. Das gefällt uns nicht immer, wie etwa im Weltsicherheitsrat der Uno, aber der Westen wird sich daran gewöhnen müssen, dass er nicht mehr allein den Taktstock in Händen hält. Wir sollten hier rechtzeitig einsteigen.

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