Gutes Konsumklima: Verbraucher schieben deutsche Konjunktur an

Gutes Konsumklima: Verbraucher schieben deutsche Konjunktur an

Auch wenn die deutsche Industrie etwas schwächelt: Getrieben von kauflustigen Verbrauchern wächst die Wirtschaftsleistung nach Überzeugung der Bundesbank weiter. Das freut auch den Fiskus.

Das außergewöhnlich gute Konsumklima in Deutschland wird die Konjunktur nach Überzeugung der Deutschen Bundesbank noch einige Zeit antreiben. Hingegen sei von der Industrie im ersten Quartal 2015 nur wenig Schwung zu erwarten, erklärte die Notenbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht für den April: „Die Konjunkturdaten für die Industrie haben den zweiten Monat in Folge enttäuscht.“

Dies zeige zwar keine Unterbrechung des Aufschwungs an. Das konjunkturelle Grundtempo dürfte jedoch geringer ausfallen, als das kräftige Wachstum zum Jahresende 2014 habe vermuten lassen. Im Schlussquartal 2014 war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent gewachsen.

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Wegen der verhaltenen Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft und des stockenden Auftragseingangs in der Industrie dürfte der private Verbrauch auch im Januar und Februar 2015 Hauptträger des trotzdem recht kräftigen Wirtschaftswachstums gewesen sein. Der Konsum wird nach Darstellung der Bundesbank von der erfreulichen Arbeitsmarktlage und den kräftigen Steigerungen der Reallöhne begünstigt.

Wer von der Mini-Inflation profitiert - und wer nicht

  • Kaufkraft der Verbraucher

    Wer längerfristig gleichbleibende Einkommen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen bezieht, kann sich mehr für sein Geld leisten, wenn Preise kaum noch oder gar nicht mehr steigen. Das gilt auch für Menschen, die viel Geld auf der hohen Kante haben. Gleichzeitig bleibt bei Einkommens- und Lohnerhöhungen real - also nach Abzug der Teuerung - deutlich mehr Geld in den Taschen der Verbraucher, wenn die Inflation wie derzeit nahe null ist.

  • Unternehmen

    Wenn die Verbraucher mehr Geld zur Verfügung haben, etwa weil die Sprit- und Heizölpreise fallen, können sie sich mehr andere Waren leisten. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von niedrigeren Einkaufspreisen wichtige Rohstoffe wie Öl: Ihre Kosten sinken.

  • Kreditaufnahme

    Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Kampf gegen den mickrigen Preisauftrieb auf fast null Prozent gesenkt. Das drückt die Zinsen, die Banken von Privatleuten und Unternehmen für Kredite verlangen. So kommen etwa Immobilienkäufer derzeit so günstig wie nie an Geld. Nach Zahlen der FMH Finanzberatung sind Hypotheken mit zehn Jahren Laufzeit aktuell im Schnitt für 1,6 Prozent Zinsen zu haben. Vor einem Jahr lag das Niveau demnach noch bei 2,67 Prozent, vor fünf Jahren bei 4,19 Prozent. Auch Staaten können sich am Markt günstiger frisches Geld besorgen, das entlastet indirekt die Steuerzahler.

  • Konjunktur

    Vor allem die rasante Talfahrt der Ölpreise schiebt die deutsche Wirtschaft an. Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) werden Unternehmen und Verbraucher in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, wenn die Preise auf dem aktuellen Niveau verharren. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat betont: „Diese Entwicklung wirkt ähnlich wie ein kleines Konjunkturprogramm.“

  • Sparer

    Verbraucher sind nicht nur Kreditnehmer, sondern auch Sparer. Durch das magere Zinsniveau ist mit Tagesgeld oder Sparkonto fast nichts mehr zu verdienen. Immerhin: Weil die Preise kaum steigen, unterscheiden sich nominale Renditen kaum noch von den realen. Wer fürs Alter vorsorgen will, muss entweder mehr Geld zurücklegen oder größere Risiken eingehen.

  • Schuldner

    Was für die Kreditaufnahme gut ist, ist für ältere Verbindlichkeiten schlecht: Derzeit knabbert die Inflation die ausstehenden Schulden nämlich nicht weg. Das erschwert den Schuldenabbau und hemmt die wirtschaftliche Erholung, wie EZB-Vizepräsident Vítor Constâncio betont: „Wenn die Inflation sehr niedrig ist und das Wachstum ebenfalls, dann wird es immer schwieriger, diese Schulden zu bedienen.“

  • Deflationsgefahr

    Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Davon abrücken will die Notenbank nicht, wie Constâncio sagte: „Bei einem Inflationsziel von null Prozent ist die Gefahr hoch, dass die Wirtschaft in eine Deflation rutscht.“ Unter einer Deflation verstehen Ökonomen einen Teufelskreis aus sinkenden Preisen, steigenden Reallöhnen, niedrigeren Gewinnen und schrumpfender Nachfrage, weil Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen und Investitionen aufschieben. Denn es könnte ja bald noch billiger werden. Die geringe Nachfrage kann weitere Preissenkungen zur Folge haben: Die Wirtschaft friert ein.

Davon dürfte auch der Fiskus profitieren. Schon in den vergangenen Jahren hat die äußerst günstige Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes die öffentlichen Haushalte deutlich entlastet.

Wie die Deutsche Bundesbank erklärte, sanken die staatlichen Ausgaben im Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt von 53,1 Milliarden Euro oder 4,0 Prozent des BIP im Jahr 2005 auf 32,1 Milliarden Euro oder 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr.

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Selbst der starke wirtschaftliche Einbruch des Jahres 2009 habe keine tieferen Spuren hinterlassen. Insgesamt hätten bei der Bundesagentur für Arbeit sowohl die Ausgaben für das Arbeitslosengeld I als auch für Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik deutlich abgenommen, schreiben die Notenbanker. „Seit dem Jahr 2005 sind die BA-Ausgaben sowohl für das ALG I als auch für Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik pro Jahr um durchschnittlich rund 6 Prozent gesunken.“ Deshalb sei der Beitragssatz von 6,5 Prozent im Jahr 2006 auf aktuell 3,0 Prozent gesenkt worden.

Derzeit erziele die Bundesagentur für Arbeit zwar Überschüsse. Eine weitere Senkung des Beitragssatzes ist nach Überzeugung der Bundesbank jedoch nur dann finanziell verkraftbar, wenn sich die „äußerst günstige Arbeitsmarktlage“ und die „überaus niedrige Zahl der Empfänger von Arbeitslosengeld I“ als nachhaltig erweisen sollten.

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