Hamburg: Der Hafen stemmt sich gegen Wirtschaftskrise

Hamburg: Der Hafen stemmt sich gegen Wirtschaftskrise

Bild vergrößern

Hochgeklappte Containerbrücken: Hamburg stemmt sich gegen Wirtschaftskrise

von Hermann J. Olbermann

Mit einem ambitionierten Investitionsprogramm stemmt sich Hamburg, Deutschlands größter Seehafen, gegen die Wirtschaftskrise.

Am Mönckebergkai macht die Globalisierung Pause. Die MS Ragna ist vertäut, ihre Ladefläche verwaist. Seit Ende Dezember liegt das Containerschiff schon im Hamburger Hafen fest und wartet auf Aufträge – bisher vergeblich. Wann es wieder auf Fahrt gehen kann, ist „momentan noch nicht absehbar“, heißt es beim Hamburger Finanzdienstleister HCI, dessen Fondsanleger den Frachter finanziert haben.

Knapp 20 Schiffe parken derzeit ohne Aussicht auf Ladung in Deutschlands größtem Seehafen. Die Mannschaften sind längst abgereist. Nur vier, fünf Männer bleiben auf jedem Frachter zurück, bessern Roststellen aus, lockern die Taue, wenn die Flut kommt, und ziehen die Seile wieder stramm, wenn die Ebbe einsetzt. Rund 300 bis 500 Euro fallen an Parkgebühren an – pro Tag. Aber welche Alternative gibt es in einer Zeit, in der der internationale Handel und damit die Zahl der Transporte drastisch schrumpft und sich die wenigen Order, die noch vergeben werden, oft nicht rechnen? Ist doch die Frachtrate etwa für ein Schiff mit 2500 Containern seit Anfang 2008 von 28.000 auf 5600 Dollar täglich gefallen.

Anzeige

„Die Rezession hat die Containerschifffahrt fest im Griff“, bilanziert die HSH Nordbank, der weltgrößte Schiffsfinanzierer. Weltweit liegen mehr als 400 Schiffe fest, rund zehn Prozent der gesamten Flotte. Und wer noch fährt, hat meist weniger Container an Bord. „Früher haben wir 3000 oder 4000 Container pro Schiff bewegt, heute sind es oft nur 2000“, sagt Klaus-Dieter Peters, Vorstandschef der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), des größten Hafenkonzerns in der Hansestadt. Schon im vergangenen Jahr sank der Umschlag im Hafen um 1,5 Prozent auf 9,7 Millionen Standardcontainer (TEU) – der erste Rückgang seit mehr als 30 Jahren. Im ersten Quartal 2009 brach der Containerumschlag im Jahresvergleich sogar um 24,3 Prozent ein.

Hamburg investiert mitten in der Rezession

Auch wenn der nächste Aufschwung der Krise so sicher folgt wie die Flut der Ebbe, tatenlos darauf warten will Hamburg nicht. Schließlich ist der Hafen „die Herzkammer unserer Wirtschaft“, sagt Wirtschaftssenator Axel Gedaschko. Fast 15 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts erzeugt die Stadt zwischen Kais und Lagerhäusern. Zudem hängen in Hamburg 143.000 Arbeitsplätze vom Hafen ab, rund 13 Prozent aller Stellen in der Hansestadt.

Unter Einschluss des Umlands sind es sogar 167.000 Jobs. Damit ist der Hafen auch größter Arbeitgeber für Schleswig-Holstein und zweitgrößter für Niedersachsen – nach Volkswagen. Diese Position wollen die Hanseaten nicht nur über die Krise hinweg retten. Sie wollen nach der Rezession sogar besser dastehen als vorher – und starten ein einmaliges Investitionsprogramm. „Wir investieren in den nächsten vier Jahren jährlich die Rekordsumme von 250 Millionen Euro in den Hafen“, kündigt Wirtschaftssenator Gedaschko an. „Zusätzlich fließen 6,5 Millionen Euro aus der Hamburger Konjunkturoffensive und 22 Millionen aus dem Konjunkturprogramm des Bundes in den Hafen.“

Grafik: Seehäfen Europas

Grafik: Seehäfen Europas

Zwar nimmt auch der Stadtstaat im Zuge der Wirtschaftskrise deutlich weniger Steuern ein, doch er kann nun auf das Geld zurückgreifen, das er bei der Teilprivatisierung des Hafenkonzerns HHLA im November 2007 kassiert hat – immerhin rund eine Milliarde Euro. Das Geld soll vor allem in die Sanierung und Erweiterung der Hafenbahn fließen sowie in den Ausbau des Straßennetzes. Zusätzlich will Hamburg im Bereich des Hafens ein computergestütztes Verkehrsmanagement einrichten, um künftig Staus zu vermeiden und den Transport der Güter zu beschleunigen. Gedaschko: „Wir denken beim Investieren nicht nur an Beton.“

So möchte die Stadt noch in diesem Jahr ein Fraunhofer-Institut für Maritime Logistik gründen, zunächst als Außenstelle des Dortmunder Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik, später als eigenständige Einrichtung. Bis zu sechs Millionen Euro will die Hansestadt in den ersten fünf Jahren dafür bereitstellen. Zudem hofft Hamburg darauf, die Logistiksparte der Deutschen Bahn, DB Schenker, doch noch von Berlin nach Hamburg locken zu können. Im Gespräch ist ein Bahn-Tower zwischen den Gleisen südlich des Hauptbahnhofs. Das Projekt läuft unter strenger Geheimhaltung, zu groß ist die Angst, ein zweites Mal zu scheitern. Ein erster Versuch war Anfang 2006 misslungen, weil der damalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn den Plan zu früh ausplauderte und die Berliner Landesregierung auf den Plan rief. Sie befürchtete eine Verlagerung von Arbeitsplätzen von der Bahn-Zentrale in der Hauptstadt an die Elbe.

Genauso geheim läuft derzeit der Verkauf der Shell-Raffinerien im Hamburger Hafen. Der britisch-niederländische Konzern will die Veredelung seines Öls auf wenige große Standorte konzentrieren, da ist die Anlage in der Hansestadt mit einer Jahreskapazität von 5,5 Millionen Tonnen Öl zu klein. Dem Vernehmen nach verhandelt Shell mit einem strategischen Investor, der in Hamburg seine Schmiermittel-Produktion bündeln will. Noch ist sie auf Hamburg, Finnland und Spanien verteilt.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%