Hamburg: Der Hoffnungsträger

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SPD-Politiker Olaf Scholz

von Cornelia Schmergal

In Hamburg führt Spitzenkandidat Olaf Scholz einen echten Wirtschaftswahlkampf. Nur die Genossen aus Berlin stören dabei.

Die dunkelrote Limousine rollt durch die Straßen der Hamburger Innenstadt. Vorn auf dem Beifahrerplatz sitzt Olaf Scholz und erklärt die Seele der Hansemetropole. Über Hamburg müsse man vor allem eines wissen: "Dass die Handelskammer viel älter als das Rathaus ist", sagt er grinsend. "Den Kaufleuten hier ist das sehr wichtig." Dann bremst der Wagen. Und bevor der Wachdienst die Tür von außen öffnen kann, hat Scholz schon selbst den Griff gedrückt und ist aus dem Wagen gesprungen.

Der SPD-Spitzenkandidat für die Hamburger Bürgerschaftswahl hechtet die Treppe der Handelskammer empor, sodass der Sicherheitsmann kaum folgen kann: Die Stufen hoch, scharf rechts abbiegen, wieder links, dann den Gang entlang, an dessen Ende schon ein paar Unternehmer auf den Politiker warten. Hier muss niemand Olaf Scholz den Weg weisen. Jeder seiner Schritte signalisiert: An der alten Börse kenne ich mich aus.

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Am 20. Februar wird in Hamburg gewählt, und es gibt kaum jemand, der nicht damit rechnet, dass der neue Bürgermeister Olaf Scholz heißen wird. In allen Umfragen liegt die SPD in der Wählergunst bisher bei weit über 40 Prozent. Für die gesamte Sozialdemokratie wäre das ein optimaler Start in das Superwahljahr 2011.

In seiner Partei würde Olaf Scholz damit zum Hoffnungsträger, zum personifizierten Neuanfang, was einigermaßen paradox wäre. Denn während sich die Bundes-SPD mehr und mehr von der Agenda der Schröder-Ära verabschiedet und einen "aktiven (Um-)Verteilungauftrag" für den Staat anstrebt, wie es im Entwurf für ihr neues Programm heißt, hat sich Scholz in der Hansestadt einem waschechten Wirtschaftswahlkampf verschrieben.

Schon als er sich im Dezember offiziell zum SPD-Spitzenkandidaten nominieren ließ, hatte seine Partei dafür den ehrwürdigen Börsensaal der Handelskammer angemietet. Auf die Frage, ob das ein hübscher Rahmen oder ein politisches Zeichen war, kichert Scholz vielsagend. Wer in Hamburg Wahlen gewinnen will, muss zuerst die Wirtschaft umgarnen.

An diesem Januar-Abend feiern die Unternehmer den 346. Geburtstag der Kammer. 450 Manager und Mittelständler drängen sich an weißgedeckten Tafeln, zum Dinner gibt es Labskaus. Auf dem Podium streitet Scholz mit dem amtierenden Ersten Bürgermeister Christoph Ahlhaus von der CDU über die richtige Wirtschaftspolitik. Und niemand könnte behaupten, dass die Sympathien im Saal dem Amtsinhaber gehören. Der schwarz-grüne Senat hat sich in seinen letzten Wochen nicht mit Ruhm bekleckert.

In Hamburg ist alles etwas anders

Auch das macht es für Scholz leichter. Der SPD-Kandidat erntet zustimmendes Gemurmel, weil er die Verschuldung abbauen und bis 2020 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen will, weil er in den Hafen investieren und die Elbvertiefung vorantreiben will. Und vielleicht ist es ganz gut, dass im Börsensaal nicht allzu viel von Kindergarten- und Studiengebühren die Rede ist, die Scholz nach einem Wahlerfolg abschaffen will. Wie das zum Schuldenabbau passen soll, ist nämlich schwer zu erklären. Am Ende ruft Scholz ins Mikrofon: "Wer sicher sein will, dass es der Wirtschaft gut geht, der muss SPD wählen – und wenn es das erste Mal im Leben ist." An vielen Tischen gibt es dafür Applaus.

Vielleicht ist in Hamburg alles etwas anders. Die Bande zwischen Kaufmannschaft und SPD sind traditionell eng, linke Theorieexkurse werden anderswo geführt. Prominente wirtschaftsaffine Sozialdemokraten stammen aus der Hansestadt – und gehören nun zum Wahlkampfaufgebot. Der ehemalige Bürgermeister Henning Voscherau wirbt in Radio-Spots für die SPD. Vorgänger Klaus von Dohnanyi berät Scholz bei seinen Reden. Altkanzler Helmut Schmidt thront bei Scholz-Auftritten in der ersten Reihe und kann von dort die Neuzugänge bestaunen: Erst kürzlich ist der Großreeder Erck Rickmers in die Partei eingetreten. Auch er kandidiert nun für die Bürgerschaft – auf dem sicheren Listenplatz Nummer 13.

Über seine Strategie spricht Spitzenkandidat Scholz ganz offen: "Wir stehen für Wirtschaftskompetenz. Damit werden wir den einen oder anderen CDU-Wähler für uns gewinnen." Und so besitzt der größte Trumpf der SPD überhaupt kein rotes Parteibuch: Wirtschaftssenator einer neuen Regierung soll der Präses der Handelskammer, Frank Horch, werden. Auch die CDU hätte den Blohm+Voss-Manager im vergangenen Jahr gern als Senator aufgeboten. Damals jedoch meuterte ihr grüner Koalitionspartner. Es war das erste Anzeichen des nahenden Bündnisbruchs.

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