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Handelskammer: Piraten wollen IHK kapern

von Oliver Voß

Der Präsident der Berliner IHK Berlin, Eric Schweitzer, sieht sich einer ungewöhnlichen Attacke ausgesetzt. Die Piratenpartei will das oberste Kammergremium kapern, mehrere Mitglieder wurden bereits in die Vollversammlung der IHK gewählt.

Der amtierende Präsident der IHK Berlin, Eric Schweitzer, wird von Mitgliedern der Piratenpartei herausgefordert. Quelle: dpa
Der amtierende Präsident der IHK Berlin, Eric Schweitzer, wird von Mitgliedern der Piratenpartei herausgefordert. Quelle: dpa

Oliver Scharfenberg ist seinem großen Ziel ein kleines Stück näher gekommen. Der 33-jährige Berliner Bauunternehmer will die Pflichtmitgliedschaft in den Industrie- und Handelskammern (IHK) abschaffen. Dafür bräuchte es eine Gesetzesänderung im Bundestag, bis dahin wählt der IHK-Rebell den Gang durch die Institution.

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Scharfenberg hat dazu die Initiative „Pro-KMU“ gegründet, die in der Kammer die Interessen kleiner Unternehmer stärker vertreten will und einiges reformieren will. „Wir wollen den Laden für Unternehmer attraktiver machen“, sagt Scharfenberg.

Nach der jüngsten Wahl stellt die Gruppe 15 Mitglieder in der Vollversammlung der IHK Berlin. „Da von den 98 Mitgliedern oft nur 50 anwesend sind, stellen wir aber eine große Fraktion“, sagt Scharfenberg. Zudem stellt „Pro KMU“ noch fünf Nachrücker und hat 55 ebenfalls zum ersten Mal in das Gremium gewählte Mitglieder angeschrieben, um sie für ihre Ziele zu gewinnen.

Denn bei der Präsidiumswahl Anfang September wollen sie Amtsinhaber Eric Schweizer herausfordern. Der Chef des Recyclingspezialisten Alba ist seit 2004 auch Präsident der IHK Berlin und verkörpert für seinen Herausforderer das Problem der Kammern. „93 Prozent der Berliner Unternehmen haben weniger als zehn Mitarbeiter“, sagt Scharfenberg. Doch die IHK vertrete vor allem Großunternehmen und deren Interessen.

„Wir setzen uns auch für einen Handwerkerparkausweis oder längere Öffnungszeiten von Spätverkaufsstellen ein“, entgegnet Schweizer. Und auch wenn man nie genug Kleinunternehmer haben könne, sei das Problem Berlins eher, dass es zu wenig große Unternehmen gäbe.

Fünf Piraten wurden gewählt

Doch Scharfenberg glaubt, die meisten Unternehmer seien mit den Kammern unzufrieden. Daher will er die Firmen befragen, welche Leistungen sie von der IHK eigentlich erwarten und setzt dabei auf die Software Liquid Feedback. Denn das frühere FDP-Mitglied ist zum Jahreswechsel in die Piratenpartei eingetreten. Zu den neuen IHK-Rebellen gehören noch weitere fünf Piraten. Scharfenberg ist es jedoch wichtig, dass seine Initiative überparteilich ist.

Doch die Piraten wollen auch politisch die Kammern attackieren. Ihr wirtschaftspolitisches Programm ist zwar noch überschaubar, doch die Abschaffung der Kammerpflicht gehört zu den wenigen konkreten Punkten.

„Wenn man die Pflichtmitgliedschaft abschafft, geht vor allem für Großbetriebe davon die Welt nicht unter“, entgegnet Schweizer. Doch aus Sicht des Berliner IHK-Präsidenten wäre das für Kleinunternehmer absolut keine Verbesserung. „Das führt zu einem Verbandssystem, indem die Interessen derjenigen stärker vertreten werden, die den höchsten Beitrag zahlen.“

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.07.2012, 09:20 UhrKritiker

    Die IHK muss die Wahlergebnisse der IHK Wahl 2012 komplett veröffentlichen und reformiert werden

    Wir haben zudem ein Recht zu erfahren, was die Kammer mit unserem Zwangsbeiträgen macht. Wie viel verdient z.B. der Hauptgeschäftsführer?

    Warum besteht das Kammerpräsidium nicht Schwerpunktmäßig aus Kleinunternehmern?

    Warum fragt man nicht die Unternehmerschaft zu Ihrer Meinung. Die Kammer muss refomiert werden und sich an die Neuzeit anpassen.

    Die Bundesregierung sollte über eine Reform des "vorläufigen IHK Gesetzes" aus dem Jahr 1956 nachdenken.Die Zeit unterliegt einem Wandel und moderne, schlanke, demokratische Kammern haben eine Zukunft.

    Da die meisten Personen der Initiative pro KMU haben keine Parteizugehörigkeit. Einige sind Mitglied in der FDP, CDU und den Piraten.

    Ich es ein schönes Zeichen das man über Parteiprogramme hinweg gemeinsam etwas bewegen möchte.

    Es wäre doch ein gutes Zeichen wenn Herr Dr. Schweitzer sich für ein Reformprogramm ausspricht dann würde er vieleicht sogar wieder im September 2012 als Kammerpräsident gewählt werden.

    Viele Unternehmer h(ca. 1300) haben sich ja schon im Bffk e.V. organisiert.

  • 17.07.2012, 12:58 UhrAnonymer_Benutzer

    Ziemlich gut, was die Leute von Pro KMU da machen.
    Ich bin selbst Kleinunternehmer und möchte nichts von der IHK.
    Das habe ich in einer Beschwerde an die IHK auch so gesagt, woraufhin man mir sagte, dass die IHK wichtig sei. Aber für wen? Für mich bestimmt nicht.

  • 17.07.2012, 11:53 UhrWolfgang

    Noch besser wäre es, wenn die Schwelle, ab wann eine Tätigkeit ein Gewerbe ist, angehoben wird. Die Kammern, Berufsgenossenschaften, die GEZ, das Finanzamt und andere Organisationen, die sich auf Kleinstgewerbetreibende stürzen, wie die Geier, würde im ersten Augenblick so einige Euro verlieren.
    Für Menschen mit einer Geschäftsidee sinkt aber im Gegenzug die Hemmschwelle, sie auszuprobieren. Geschäftsideen, die sich bewähren, die wachsen auch. Ab einer gewissen Größe lohnt es sich dann auch viel mehr, den Verwaltungsaufwand zu Einziehen von Geldern zu betreiben.
    Was die Piratenpartei vorhat, ist ein guter Anfang, kratzt aber das Problem nur leicht an.

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