Handwerkspräsident: Rente mit 63 "wäre ein harter Schlag"

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InterviewHandwerkspräsident: Rente mit 63 "wäre ein harter Schlag"

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Der neue Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): Hans Peter Wollseifer

von Christian Ramthun und Henning Krumrey

Der Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer fordert eine konsequente Energiewende samt mehr Gebäudesanierung. Die Rente mit 63 verschärfe den Arbeitskräftemangel.

Herr Wollseifer, Sie haben fast zeitgleich mit der großen Koalition Ihr Amt als Handwerkspräsident angetreten. Wer hatte den besseren Start?

Mein Start fühlt sich jedenfalls gut an. Bei der großen Koalition dagegen gefällt dem Handwerk einiges nicht. Aber das muss man differenziert sehen, nach Wirtschafts- und Sozialpolitik.

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Heißt das: Sigmar Gabriel hui, Andrea Nahles pfui?

Die Eckpunkte zur Energiepolitik von Bundeswirtschaftsminister Gabriel decken sich weitgehend mit unseren Vorstellungen. Diese hat er sehr schnell vorgelegt, da wurde fleißig gearbeitet. Wenn das umgesetzt wird, kann es eine Preisbremse werden – und die brauchen unsere energieintensiven Betriebe. Sie sind – anders als zahlreiche Industrieunternehmen – in der Regel nicht von der EEG-Umlage befreit. Der Ausbau der Erneuerbaren darf nicht infrage gestellt werden, aber die Förderung muss runter, damit es nicht noch teurer wird.

Geht das denn gleichzeitig? Mit weniger Stütze lässt doch das Interesse nach.

Nein, im Reformentwurf steht einiges, was den Kostenanstieg bremsen kann. Etwa ein geringerer Zubau bei den Erneuerbaren und die verpflichtende Direktvermarktung.

ZDH-Präsident Wollseifer Rente mit 63 ist harter Schlag fürs Handwerk

Mit scharfen Worten hat der neue Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer die Pläne der Bundesregierung zur Einführung der abschlagsfreien Rente mit 63 kritisiert.

Hans Peter Wollseifer Quelle: dpa

In Ihrem Verband haben Sie energieintensive Betriebe, die unter der Kostenexplosion leiden, und Sie haben Profiteure, die Solarmodule auf Dächer schrauben.

Das stimmt. Diesen Spagat müssen wir hinbekommen. 30 Gewerke arbeiten an Energiegewinnung und Energieeffizienz. Deshalb ist gerade für das Handwerk wichtig, dass die kostengünstigen Erneuerbaren gefördert werden, nicht die teuren. Es ist sinnvoll, den Eigenverbrauch zu fördern. Deshalb sollte er nicht in die EEG-Umlage einbezogen werden. Stattdessen brauchen wir eine neue Grundlage für die Finanzierung des Netzausbaus. Schließlich setzen auch Eigenerzeuger auf einen funktionierenden Netzanschluss.

Sollten energieintensive Handwerksbetriebe auch keine Umlage zahlen müssen?

Es gibt auch Handwerker, die im internationalen Wettbewerb stehen. Viele Handwerksbetriebe haben zwar einen Energieanteil von weit über den erforderlichen 14 Prozent der Wertschöpfung, erreichen aber nicht die zur Befreiung notwendige Schwelle von einem Gigawatt Verbrauch.

Sollte sich die Befreiung also nur nach der Energieintensität richten, nicht nach der Höhe des Gesamtverbrauchs?

Grundsätzlich sollten die Betriebe befreit bleiben, die tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen und eine bestimmte Energieintensität überschreiten. Da sind sich wohl alle einig. Für alle anderen darf die EEG-Umlage nicht immer weiter steigen. Daher müssen bisher erteilte Befreiungen überprüft werden. Letztlich muss auch sichergestellt werden, dass die 14-Prozent-Grenze der Energieintensität nicht über einen massiven Einsatz von Werkverträgen umgangen werden kann.

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