Hannelore Kraft im Interview: "Ich bin keine Ultralinke"

Hannelore Kraft im Interview: "Ich bin keine Ultralinke"

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Hannelore Kraft

von Cornelia Schmergal

Die Spitzenkandidatin der NRW-SPD, Hannelore Kraft, über ihr wirtschaftspolitisches Konzept, den neuen Kurs der Sozialdemokratie und die Koalitionsspekulationen vor der Landtagswahl.

WirtschaftsWoche: Frau Kraft, kann man sich als Wirtschaftsexpertin bezeichnen – und gleichzeitig eine linke Politik vertreten?

Kraft: Natürlich. Es war mir immer unverständlich, warum linke Sichtweisen in der Wirtschaftspolitik so wenig durchdringen. Mir ist es wichtig, von beiden Seiten zu argumentieren – von der gesellschaftlichen und der ökonomischen.

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Sind das denn Gegensätze?

Nein, das ist ja das Interessante. Wenn wir die Finanzkraft der Kommunen stärken, die Schulbildung verbessern und faire Regeln auf dem Arbeitsmarkt durchsetzen, dann geben wir der Wirtschaft Perspektiven und stärken gleichzeitig den Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Im Programm der SPD für die Landtagswahl heißt es: „Der Markt ist ein schlechter Herr, aber er kann ein guter Knecht sein.“ Glauben Sie ernsthaft, mit solchen Sprüchen das Vertrauen der Unternehmen gewinnen zu können?

Wir müssen den Markt regeln – und dafür brauchen wir einen handlungsfähigen Staat. Wenn die Wirtschaft jede Entscheidung nur an Marktinteressen ausrichtet, wenn Aktiengesellschaften sich nur an der Steigerung der Quartalszahlen orientieren, entsteht kein langfristiger Erfolg, weder für die Wirtschaft noch für die Gesellschaft.

Das klingt so, als ob Sie etwas gegen Aktiengesellschaften hätten.

Natürlich nicht. Ich bin keine Ultralinke, das ergibt sich schon aus meinem Lebenslauf. Ich schätze aber auch mittelständische Unternehmer, die das Erfolgsmodell der sozialen Marktwirtschaft tragen und sich für ihre Mitarbeiter engagieren. Sie nehmen mehrheitlich den Auftrag des Grundgesetzes ernst, dass Eigentum verpflichtet.

Woran wollen Sie das ablesen?

Ich habe viele mittelständische Betriebe in Nordrhein-Westfalen besucht. Sie wissen, dass sie von ihrer Innovationskraft leben – und die liegt nun einmal in den Köpfen ihrer Mitarbeiter. Deswegen gehen diese Unternehmer meist sehr pfleglich mit ihren Beschäftigten um.

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