Hannelore Kraft: Langzeitarbeitslose können die Flüchtlingskrise nicht lösen

KommentarHannelore Kraft: Langzeitarbeitslose können die Flüchtlingskrise nicht lösen

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Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) will Langzeitarbeitslose als Flüchtlingshelfer einsetzen.

von Kerstin Dämon

Die Langzeitarbeitslosen sind Deutschlands letzte Hoffnung. Immer, wenn es irgendwo brennt, ruhen alle Augen auf ihnen. Sie müssen Erzieher werden, Altenpfleger - oder jetzt eben Flüchtlingshelfer. Was ein Unsinn.

An den Bahnhöfen in München, Frankfurt, Dortmund und Köln kommen immer mehr Flüchtlinge an. Und überall gibt es Begrüßungskommitees: Bürger, die "Willkommen"-Transparente hochhalten und die erschöpften Flüchtlinge mit dem Nötigsten versorgen. Leben diese dann erst in Flüchtlingsunterkünften, gibt es immer noch zahlreiche Hilfsbereite und Ehrenamtliche, die sich engagieren: Sie versuchen, Ihnen Deutsch beizubringen, helfen beim Einkaufen oder stellen den Kontakt zum örtlichen Fußballverein her. Die Menschen spenden Kleidung, Möbel, Spielzeug oder Geld. Manche helfen wenige Stunden in der Kleiderkammer oder an der Essensausgabe, andere übernehmen längere Patenschaften, manche bieten sogar Unterkunft. Derzeit ist die Hilfsbereitschaft - zumindest bei der Mehrheit der Bevölkerung - sehr groß. Der Migrationssoziologe Thomas Faist von der Universität Bielefeld sieht darin aber auch eine Reaktion auf den Rechtspopulismus: "Die Menschen wollen zeigen: Es gibt ein anderes Deutschland."

Länder mit der höchsten Zahl der Asylbewerber (2014)

  • Platz 10

    Zypern

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 1.255
    ...pro 100.000 Einwohner: 145

  • Platz 9

    Deutschland

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 126.705
    ...pro 100.000 Einwohner: 158

  • Platz 8

    Belgien

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 21.030
    ...pro 100.000 Einwohner: 189

  • Platz 7

    Ungarn

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 18.895
    ...pro 100.000 Einwohner: 190

  • Platz 6

    Luxemburg

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 1.070
    ...pro 100.000 Einwohner: 199

  • Platz 5

    Österreich

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 17.500

    ...pro 100.000 Einwohner: 207

  • Platz 4

    Norwegen

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 11.930
    ...pro 100.000 Einwohner: 236

  • Platz 3

    Schweiz

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 21.305
    ...pro 100.000 Einwohner: 265

  • Platz 2

    Malta

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 2.245
    ...pro 100.000 Einwohner: 533

  • Platz 1

    Schweden

    Zahl der Bewerber...
    ...insgesamt: 54.270
    ...pro 100.000 Einwohner: 568

Die Motive der Helfer sind zunächst einmal egal. Aber Fakt ist: Ohne die Ehrenamtlichen würde es nicht funktionieren. "Die Ehrenamtlichen sind der Kitt für das Funktionieren des Gesamtablaufs", lobte am Montag der oberbayerische Regierungspräsident Christoph Hillenbrand auf dem Münchner Hauptbahnhof die Freiwilligen. Dass die Aufnahme Tausender Migranten innerhalb kürzester Zeit so friedlich verlaufe, sei ihnen zu verdanken, sagte Hillenbrand. Entsprechend sei ihre Hilfe auch weiter dringend erforderlich. Denn die Kommunen haben nicht das Personal, die Menschen willkommen zu heißen, ihnen zu Essen und zu trinken zu geben, zu trösten und zuzuhören. Die Städte sind froh, wenn sie ausreichend Schlafplätze organisieren können, Flächen finden, auf denen Zelte aufgeschlagen werden können - für menschlichen Zuspruch und Eingliederungshilfe fehlen Geld und Menschen.

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Was, wenn die Hilfsbereitschaft abebbt?

Das Problem ist, dass die derzeitige Welle der Hilfsbereitschaft abebben wird, wie Faist sagt. "Ewig lässt sich das auf dem jetzigen Niveau natürlich nur schwer durchhalten", bestätigt auch Dieter Schütz vom Deutschen Roten Kreuz. Doch was ist dann? Die Probleme der Flüchtlinge lösen sich schließlich nicht in Luft auf. Die Menschen brauchen Hilfe bei Behördengängen, bei der Kinderbetreuung, bei der Jobsuche, beim Ankommen. Doch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat die rettende Idee. Sie will Langzeitarbeitslose als Flüchtlingshelfer einsetzen. "Die Flüchtlinge gut unterzubringen und zu betreuen ist eine nationale Aufgabe. Dabei können auch Langzeitarbeitslose eingesetzt werden", sagte Kraft den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“.

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