Hans-Jörg Bullinger im Interview: "Wir sind lange nicht Spitze"

Hans-Jörg Bullinger im Interview: "Wir sind lange nicht Spitze"

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Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft

Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger über die High-Tech-Strategie der Bundesregierung, Steueranreize für die Forschung und den innovationsmüden Mittelstand.

WirtschaftsWoche: Herr Bullinger, man könnte meinen, in der Forschung herrschten paradiesische Zustände: Die Bundesregierung gibt mehr Geld aus als je zuvor, die EU-Kommission lobt uns als Europameister bei den Innovationen. Können wir uns also entspannt zurücklehnen?

Bullinger: Ich finde es natürlich gut, dass Bildung und Wissenschaft zu den Themen gehören, über die sich die große Koalition verständigen kann. Immerhin pumpt die Regierung jetzt zwei Milliarden Euro mehr in das Wissenschaftssystem. Aber was die Ergebnisse anbelangt, ist unsere Wirtschaft im EU-Vergleich noch lange nicht Spitze. Ich würde sagen, wir liegen gut im oberen Drittel, wie dies auch in der Studie "European Innovation Scoreboard" zum Ausdruck kommt.

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Wird Deutschland es schaffen, wie in der EU vereinbart, im Jahr 2010 drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Forschung und Entwicklung auszugeben?

Da bin ich skeptisch. Schließlich muss die Wirtschaft zwei Drittel dieser Summe aufbringen. Die Unternehmen haben zwar ihre Ausgaben in diesem Bereich gesteigert, aber sie forschen ganz gewiss nicht, weil irgendwelche Politiker das so vereinbart haben. Klar ist, wir brauchen mehr innovative Produkte. Aber die setzen ja nicht alle Forschung und Entwicklung voraus. Nehmen sie etwa den Schrauben-König Reinhold Würth, dessen Erfolg fußt nicht auf High-Tech-Entwicklung, sondern unter anderem auf einem cleveren Vertriebssystem und überragender Logistik.

Die F&E-Aktivitäten konzentrieren sich immer stärker auf wenige große Unternehmen, derweil geht die Innovationsfreude bei kleinen und mittleren Firmen zurück. Was lässt sich dagegen tun?

Die Hauptanstrengung müssen die Firmen selbst leisten. Da liegt einiges im Argen, wie die neue Studie der EU-Kommission zeigt, an der die Fraunhofer-Gesellschaft maßgeblich beteiligt ist. Das Fazit lautet: Kleine und mittlere Unternehmen sind in Deutschland eher risikoavers, sie bauen also nicht genügend Innovationspotenzial auf und verfolgen kein systematisches Innovationsmanagement. Staatliche Förderung hilft sicher, darf aber nicht überschätzt werden.

Hilft da die Forschungsprämie, mit der die Zusammenarbeit von Wissenschaft und kleineren Unternehmen gefördert werden soll?

Die Idee ist gut: Wir geben den Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen einen Anreiz, mit der Wirtschaft gemeinsam zu forschen. Wenn also etwa eine Uni mit einem Unternehmen ein Projekt vereinbart, wird sie mit 25 Prozent der Auftragssumme belohnt, die sie extra bekommt und frei verwenden darf.

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