Hartz IV-Reform: Harte Zeiten für die Zeitarbeit

KommentarHartz IV-Reform: Harte Zeiten für die Zeitarbeit

Bild vergrößern

Cornelia-Schmergal

von Cornelia Schmergal

In den Verhandlungen um die Hartz-IV-Reform haben sich Koalition und SPD auf einen Mindestlohn für die Leiharbeitsbranche geeinigt. Ein Kommentar von Wirtschaftswoche-Reporterin Cornelia Schmergal

Die Zeitarbeitsunternehmen können aufatmen. So ganz dicke ist es für die Branche nicht gekommen. Künftig soll es zwar Mindestlöhne für die 900.000 Beschäftigten geben, noch rigidere gesetzliche Eingriffe in die Lohnfindung allerdings hat sich die Politik vorerst allerdings verkniffen. In den Verhandlungen um die Hartz-IV-Reform war Schlimmeres zu befürchten gewesen. Und es sagt eigentlich alles, dass die Unternehmen schon glücklich sind, wenn das Schlimmste verhindert wurde. Davon, das Beste umzusetzen, redet schon gar keiner mehr.

In der Nacht von Sonntag auf Montag konnten sich die Sozialdemokraten nicht mit ihrer Forderung nach Equal Pay durchsetzen. An dieser Stelle wenigstens blieb die schwarz-gelbe Koalition im Vermittlungsverfahren standhaft. Hätten Zeitarbeiter nach einer kurzen Frist schon den gleichen Lohn wie ihre Kollegen in den Stammbetrieben erhalten, hätte das die Zukunft der Boombranche zerstört. Bislang nämlich basiert die Kalkulation der Zeitarbeitsunternehmen darauf, dass die Produktivität ihrer Beschäftigten erst einmal geringer ist, weil sie noch eingearbeitet werden müssen. Und deswegen sind erst einmal auch geringere Löhne gerechtfertigt.

Anzeige

Letzte Chance für Selbstregulierung

Auch wenn es in der Branche schwarze Schafe geben mag, die die Zeitarbeit missbrauchen, um langjährige Beschäftigte in Tochterunternehmen auszugliedern und zu niedrigeren Löhnen als Leiharbeiter wieder einzugliedern: Sie sind in der Minderheit.

Arbeitsmarktpolitisch hat sich die Zeitarbeit als Erfolgsmodell erwiesen. Sie mag als prekär beschimpft werden: In der Regel handelt es sich um sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen, für die es sogar Tarifverträge gibt. Eher müssen sich die Gewerkschaften fragen lassen, warum sie in diesen Vertragswerken einst Niedriglöhnen zustimmten, die sie heute beklagen. Die Masse der 900.000 Beschäftigten der Branche wurde nicht etwa aus einem langjährigen  Beschäftigungsverhältnis outgesourct, sondern kommt aus der Arbeitslosigkeit. Die Zeitarbeit hat ihnen eine Chance gegeben. Manchmal sogar auf einen richtig guten Job: Neulich erst hat der Technologiekonzern Siemens angekündigt, 2500 Zeitarbeiter in ein ganz normales Beschäftigungsverhältnis zu übernehmen.

Umso größer ist nun die Gefahr, dass Mindestlöhne diese Hoffnung zunichte machen. Künftig soll jener Lohn als absolute Untergrenze gelten, den die Tarifparteien im Vorfeld ausgehandelt haben. Wie schwer sich vor allem die FDP damit tat, die Mindestlöhne eigentlich ablehnt, lässt sich schon daran erkennen, dass die Zeitarbeit nicht in das bekannte Entsendegesetz aufgenommen werden soll, wie es eigentlich systematisch richtig gewesen wäre. Die Untergrenze soll in das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz geschrieben werden, in der sich die Regelungen für die Zeitarbeit finden. Das war den Liberalen etwas weniger peinlich. Die Folgen bleiben allerdings gleich.

Aufatmen kann die Branche nur kurz. In einer bislang noch weitgehend unbekannten Protokollnotiz haben die Parteien nämlich eine Drohung festgeschrieben: Ein Jahr lang soll die Branche nun Zeit haben, eigene Regeln für ein Equal Pay in der Branche festzuschreiben. Wenn das nicht gelingt, soll eine Kommission eingreifen und den Gesetzgeber doch noch einschalten.   

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%