Bild: dpa/dpawebZeugnis für die Grundschulen
Die Kultusminister wollen über die Grenzen der Bundesländer hinweg für ein einheitliches Lernniveau sorgen. Dies kündigte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Thies Rabe, bei der Präsentation eines neuen Bundesländervergleichs für die Grundschulen an. Seit dem Pisa-Schock vor gut zehn Jahren und dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler im internationalen Vergleich sei viel verbessert worden. Jetzt müsse nach den Ursachen geforscht werden, warum es zwischen einzelnen Bundesländern zum Teil noch immer große Unterschiede gebe, sagte Rabe.
Nachdem die KMK rund 30.000 Grundschüler an 1300 Schulen getestet hatte, stand fest: Im Süden Deutschlands - vor allen in Bayern - lernen Grundschüler besser. Danach folgt im Länderranking ein sehr breites Mittelfeld mit nur marginalen Punktunterschieden. Erhebliche Probleme in nahezu allen Bereichen haben dagegen die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg.
Bild: dpa/dpawebRechnen
Ties Rabe, Präsident der KMK hat allerdings auch eine gute Nachricht: "Die Ergebnisse des Ländervergleichs belegen einen hohen Leistungsstand der Grundschülerinnen und -schüler, die zu einem überwiegenden Teil die für die Grundschule gesetzten Leistungserwartungen erfüllen oder sogar übertreffen." Auch in Mathematik erreichten 88 Prozent der getesteten Viertklässler das Klassenziel beziehungsweise die Mindeststandards, 68 Prozent die Regelstandards. Besonders fit in Mathe sind die Schülerinnen und Schüler in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg.
Bild: dpaLesen
Auch beim Lesen erreichten 88 Prozent der 30.000 Viertklässler die von der Kultusministerkonferenz geforderten Mindeststandards. Am besten lesen die Kinder aus Bayern (515 Punkte), Sachsen (513), Sachsen-Anhalt (511) und Thüringen (510 Punkte). Die Untersuchung bestätigt allerdings frühere Erkenntnisse, wonach Jungen besser rechnen, die Mädchen dagegen besser lesen und schreiben können.
Bild: APRechtschreibung
Auch bei der Orthografie wird der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen deutlich. In puncto Rechtschreibung sind die Mädchen den Jungen im Schnitt um 32 Punkte voraus - das entspricht dem Lernfortschritt von einem halben Schuljahr. Die Mindeststandards in dieser Disziplin erfüllen übrigens 87 Prozent, bei den Regelstandards sind es immer noch 64 Prozent.
Bild: dpa/dpawebZuhören
Getestet wurde auch, wie gut Schüler aus Gehörtem Informationen ziehen können. Bayern liegt hier ebenfalls ganz vorne (513 Punkte) und deutlich über dem deutschen Mittelwert - gemeinsam mit Baden-Württemberg (509), Schleswig-Holstein (507) und Niedersachsen (507). Am Ende der Skala stehen beim Zuhören das Saarland (484), Berlin (472) und Bremen (467).
60 Punkte entsprechen übrigens dem Lernfortschritt von einem Schuljahr.
Bild: dpa/dpawebSoziale Unterschiede
Die Studie zeigt leider auch, dass sich die soziale Herkunft der Kinder und insbesondere der Zuwanderungshintergrund, erheblich auf ihren Bildungserfolg auswirkt: Je niedriger der soziale Status der Eltern, desto schwächer sind die Kinder in der Schule. In einigen Ländern wie Sachsen, Thüringen und Brandenburg ist dieser Zusammenhang allerdings im Fach Deutsch relativ gering.
Bild: dpaLeistungsstarke Kinder
Die Studie zeigt, dass rund 40 Prozent der Kinder in den Bereichen Lesen, Rechnen, Schreiben und Zuhören besonders leistungsstark sind. In diesem Zusammenhang hebt Rabe auch hervor, dass es Bundesländer gibt, die zum Beispiel bei der Leseförderung von Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern erfolgreicher seien, als andere. Als Musterbeispiel gilt dabei erneut Sachsen - während die Förderung von Migrantenkindern zum Beispiel in Mathematik in Rheinland-Pfalz und im Saarland gut gelingt. Das Ziel für die Schulen und das deutsche Bildungssystem sei klar: "Wir wollen alle mehr von einander lernen", sagt Rabe.
Zeugnis für die Grundschulen
Die Kultusminister wollen über die Grenzen der Bundesländer hinweg für ein einheitliches Lernniveau sorgen. Dies kündigte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Thies Rabe, bei der Präsentation eines neuen Bundesländervergleichs für die Grundschulen an. Seit dem Pisa-Schock vor gut zehn Jahren und dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler im internationalen Vergleich sei viel verbessert worden. Jetzt müsse nach den Ursachen geforscht werden, warum es zwischen einzelnen Bundesländern zum Teil noch immer große Unterschiede gebe, sagte Rabe.
Nachdem die KMK rund 30.000 Grundschüler an 1300 Schulen getestet hatte, stand fest: Im Süden Deutschlands - vor allen in Bayern - lernen Grundschüler besser. Danach folgt im Länderranking ein sehr breites Mittelfeld mit nur marginalen Punktunterschieden. Erhebliche Probleme in nahezu allen Bereichen haben dagegen die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg.
John Hattie – Neuseeländer, Bildungsforscher, Professor an der University of Melbourne – hat 2008 ein Buch herausgebracht, das die pädagogische Welt seitdem elektrisiert. Visible Learning (sinngemäß übersetzt: sichtbare Lernprozesse) heißt der Titel des Werkes. Es hat den Anspruch, die wichtigste Frage der Bildungsforschung umfassend zu beantworten: Was ist guter Unterricht?
Das klingt anmaßend, ja wahnsinnig, und ein bisschen ist es das auch. Denn John Hattie tat, was vor ihm noch niemand versucht hatte: sämtliche englischsprachige Studien weltweit zum Lernerfolg zu sichten, zu gewichten und zu einer großen Synthese der empirischen Unterrichtsforschung zusammenzuführen. Mehr als 800 Metaanalysen wertete er dafür aus, also jene Art von Untersuchungen, die verschiedene Studien zu einem Thema zusammenfassen, sei es zu Hausaufgaben oder Förderunterricht, zum Vokabellernen, zur Elternarbeit oder zum Sitzenbleiben.
Aus diesen Metaanalysen erstellte er mit dem Handwerkzeug des Statistikers eine Megaanalyse, in die mehr als 50.000 Einzeluntersuchungen mit 250 Millionen beteiligten Schülern eingeflossen sind. Für die verschiedenen Unterrichtsmethoden und Lernbedingungen errechnete Hattie dann einen Erfolgsfaktor, Effektstärke genannt. Anderthalb Jahrzehnte benötigte der Forscher für seine Fleißarbeit. Am Ende erstellte Hattie eine Art Bestenliste der wirkungsvollsten pädagogischen Programme.
Was eher schadet - und was wirklich hilft
Was schadet
Sitzenbleiben
übermäßiges Fernsehen
lange Sommerferien
Quelle: http://www.zeit.de/2013/02/Paedagogik-John-Hattie-Visible-Learning/komplettansicht
Was nicht schadet, aber auch nicht hilft
offener Unterricht
jahrgangsübergreifender Unterricht
Web-basiertes Lehren und Lernen
Was nur wenig hilft
geringe Klassengröße
finanzielle Ausstattung
entdeckendes Lernen
Hausaufgaben
Was mehr hilft
regelmäßige Leistungsüberprüfungen
vorschulische Fördermaßnahmen
lehrergeleiteter Unterricht
Zusatzangebote für starke Schüler
Was richtig hilft
Lehrerfeedback
problemlösender Unterricht
fachspezifische Lehrerfortbildung
Programme zur Leseförderung
vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lehrkraft und Schüler
Visible Learning– die weltweit größte Datenbasis zur Unterrichtsforschung – machte Hattie innerhalb kurzer Zeit zu einer internationalen Größe. Die Bildungsbeilage der englischen Times nennt ihn den »wohl einflussreichsten Bildungswissenschaftler der Welt«. Andere stellen sein Buch mit den großen internationalen Vergleichsuntersuchungen wie Pisa auf eine Stufe. Und selbst kritische Artikel tragen Überschriften wie: »Hat John Hattie tatsächlich den Heiligen Gral der Schulforschung gefunden?«
Dabei begründet nicht allein die megalomanische Dimension seines Projektes Hatties Ruf oder die Kälte seines wissenschaftlichen Blicks (»Meinungen gibt es genug; was zählt, ist messbare Evidenz«). Die größte Sprengkraft liegt in seinen Erkenntnissen. Denn diese stehen geradezu quer zur bildungspolitischen Debatte in vielen Ländern. »Wir diskutieren leidenschaftlich über die äußeren Strukturen von Schule und Unterricht«, kritisiert Hattie. »Sie rangieren aber ganz unten in der Tabelle und sind, was das Lernen angeht, unwichtig.«
So hat die finanzielle Ausstattung einer Schule nur wenig Einfluss auf den Wissensgewinn ihrer Schüler. Ähnlich verhält es sich mit der Reduzierung der Klassengröße, der Lieblingslösung der Lehrerschaft für Probleme jeder Art. Kleine Klassen kosten zwar viel Geld, bleiben in puncto Lernerfolg aber weitgehend ertraglos. Auf Hatties Ranking landet die Klassengröße auf Platz 106. Weltweit wird zudem die Konkurrenz zwischen staatlichen und privaten Schulen beschworen. In den Lernfortschritten der Schüler unterscheiden sich die Schulformen jedoch nur minimal.
Ohnehin hält Hattie das Gerede über vorbildliche Schulen für »nahezu irrelevant«. Alle seine Daten belegen, so der Schulforscher, dass sich die größten Unterschiede im Lernzuwachs nicht zwischen Schulen zeigen, sondern zwischen einzelnen Klassen, und das bedeutet: zwischen einzelnen Lehrern. Das ist Hatties zentrale Botschaft, die er aus dem Datengebirge zutage gefördert hat: Was Schüler lernen, bestimmt der einzelne Pädagoge. Alle anderen Einflussfaktoren – die materiellen Rahmenbedingungen, die Schulform oder spezielle Lehrmethoden – sind dagegen zweitrangig.
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- Seite 2: Auf den Lehrer kommt es an
- Seite 3: Der Lehrer muss sich fragen, was er falsch macht
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