Haushalt: Öffentliche Schulden steigen auf Rekordhoch

Haushalt: Öffentliche Schulden steigen auf Rekordhoch

Die Verschuldung von Bund, Ländern und Gemeinden ist weiter angestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, lagen die Schulden der öffentlichen Haushalte im zweiten Quartal 2012 bei rund 2082 Milliarden Euro.

Laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden waren Bund, Länder und Gemeinden/Gemeindeverbände einschließlich aller Extrahaushalte in Deutschland zum Ende des zweiten Quartals 2012 mit 2082,4 Milliarden Euro verschuldet. Vorläufigen Ergebnissen der Behörde zufolge entsprach dies einem Anstieg um 3,0 Prozent - oder von 61,3 Milliarden Euro gegenüber dem Ende des Vorjahresquartals.

Gegenüber dem ersten Quartal 2012 hat sich der Schuldenstand des öffentlichen Gesamthaushaltes um 2,0 Prozent beziehungsweise 40,4 Milliarden Euro erhöht.

Anzeige

Herbstgutachten Weniger Wachstum für die deutsche Wirtschaft

Im Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute sieht die Situation schlechter aus als noch im Frühjahr: Die angespannte Konjunktur in anderen Ländern droht auch die hiesige Wirtschaft nach unten zu ziehen.

huGO-BildID: 28300388 Thueringen/ ARCHIV: Die Karosserie eines Opel Corsa, aufgenommen in der vollautomatischen Lackierstrecke im Opel-Werk in Eisenach (Foto vom 16.08.11). Der Internationale Waehrungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognosen fuer Deutschland und die Welt 2013 deutlich gesenkt. In seinem juengsten Weltwirtschaftsausblick erwartet der IWF fuer die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr nur noch ein Wachstum von 0,9 Prozent, nachdem er im Juli noch mit 1,4 Prozent gerechnet hatte. (zu dapd-Text) Foto: Candy Welz/dapd Quelle: dapd

Betrachtet man die Schuldenberge zum Stichtag 30. Juni 2012 im einzelnen, so zeigt sich, dass die Schulden des Bundes gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,5 Prozent (ein Plus von 18,8 Milliarden Euro) auf 1306,3 Milliarden Euro anstiegen.

Die Länder waren mit 643,1 Milliarden Euro verschuldet. Hier ist der Zuwachs allerdings deutlich höher, er entsprach 6,2 Prozent (ein Plus von 37,7 Milliarden Euro) gegenüber dem Vorjahresquartal. Ein Großteil dieser Zunahme ist laut Statistischem Bundesamt auf einen Anstieg der Verschuldung bei der Ersten Abwicklungsanstalt (EAA) zur Vorbereitung der Restrukturierung der ehemaligen WestLB AG zurückzuführen.

Die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft

  • Deutschland in der Wirtschaftskrise

    Aus dem Schneider ist Europas größte Volkswirtschaft noch nicht, auch wenn sie mit einem kräftigen Wachstum im ersten Quartal eine Rezession verhindern konnte. Im Gegenteil: Die Risiken ballen sich wie selten zuvor - vor allem von außen droht jede Menge Ungemach.

  • Schuldenkrise

    „Das größte Abwärtsrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland geht nach wie vor von der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum aus, die im Kern noch nicht gelöst ist“, warnen führende Institute in ihrem Gutachten für die Bundesregierung. Schon jetzt lastet die Krise auf der exportabhängigen Wirtschaft: Die Ausfuhren in die Euro-Zone schrumpften im März um 3,6 Prozent, weil Krisenländer wie Spanien und Griechenland wegen der Rezession ihre Importe einschränken. Da 40 Prozent der Ausfuhren in die Währungsunion gehen, spürt Deutschland die Schwäche der Nachbarn deutlich.

    Jede Zuspitzung der Schuldenkrise sorgt für Wirbel an den Finanzmärkten. Kann sich ein großes Euro-Land wie Spanien nicht mehr am Kapitalmarkt finanzieren und flüchtet unter die Rettungsschirme EFSF und ESM, würde das einen erneuten Vertrauensverlust auslösen. Unternehmen würden weniger investieren, Verbraucher größere Anschaffungen scheuen. Der Bund ist mit der Beteiligung an den Rettungspaketen enorme Risiken eingegangen. „Im Zuge der Rettungspakete summieren sich die Zusagen auf rund 80 Milliarden Euro“, so die Institute.

    Kann etwa Griechenland das Geld nicht zurückzahlen, belastet das den deutschen Staatshaushalt. Eine Herabstufung durch die Ratingagenturen droht dann, was höhere Zinsen zur Folge hätte. Der Spardruck würde steigen, Hauhaltslöcher müssten mit höheren Steuern und Ausgabenkürzungen gestopft werden. Beides würde die Konjunktur belasten.

  • Inflation

    Seit mehr als einem Jahr hält sich die Teuerungsrate in Deutschland über der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht. Manche Experten befürchten, dass die Preise künftig deutlich schneller steigen könnten - um vier bis fünf Prozent. Das würde die Kaufkraft der Verbraucher erheblich einschränken.

    Grund für die Inflationsgefahr: Wegen der guten Konjunktur haben die Arbeitnehmer kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt. Den Unternehmen fällt es angesichts der guten Beschäftigungslage leichter, steigende Lohnkosten an die Verbraucher weiterzureichen - sprich: die Preise für Waren und Dienstleistungen anzuheben. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln. Bei ersten Anzeichen dafür müsste die EZB ihre Zinsen anheben, um Konsum und Investitionen zu drosseln, was die Nachfrage dämpfen und den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird sie ihren Leitzins aber vorerst wohl auf dem Rekordtief von einem Prozent belassen.

    Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der EZB aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. „Noch bleibt die zusätzliche Liquidität erst einmal im Finanzsektor“, sagt Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. „Doch wenn die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal steigt, kann das sehr schnell in Inflation münden.“

  • Immobilienblase

    Die Preise für deutsche Wohnimmobilien steigen immer schneller. 2011 legten sie mit 5,5 Prozent mehr als doppelt so stark zu wie 2010 mit 2,5 Prozent. „Erstmals seit dem Wiedervereinigungsboom Anfang der neunziger Jahre ist hierzulande somit ein konjunktureller Aufschwung wieder mit einer markanten Preisreaktion auf den Häusermärkten verbunden“, stellt die Bundesbank fest. Niedrige Bauzinsen und die Angst vor Inflation verlocken immer mehr Deutsche dazu, in Immobilien zu investieren. „Wenn das jahrelang so weitergeht mit den extrem niedrigen Zinsen, besteht das Risiko einer Immobilienpreisblase in Deutschland“, warnt der Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide. Die hat es in Spanien gegeben, ihr Platzen hat eine schwere Rezession ausgelöst. „So etwas ist für Deutschland auch nicht ausgeschlossen“, sagt Scheide.

  • China

    China wird nach Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in diesem Jahr zum zweitwichtigsten Kunden der deutschen Exportwirtschaft aufsteigen - nach Frankreich, aber noch vor den USA. Für viele Unternehmen ist die Volksrepublik schon jetzt der wichtigste Absatzmarkt, beispielsweise für die Autobauer Volkswagen, Audi und Porsche. Bekommt China einen Husten, wird auch die deutsche Wirtschaft krank. Erste Warnsignale gibt es bereits: Die chinesischen Importe stagnierten im April. „Das ist Besorgnis erregend“, sagte Ökonom Alistair Thornton von IHS Global Insight in Peking. „Das deutet auf eine echte Schwäche der Binnenwirtschaft hin.“ Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge in diesem Jahr um 8,2 Prozent wachsen. Das wäre das kleinste Plus seit einem Jahrzehnt. Die hohen Schulden der Kommunen, eine Immobilienblase und eine anziehende Inflation könnten das Wachstum aber noch kleiner ausfallen lassen.

Die Verschuldung der Gemeinden beziehungsweise der Gemeindeverbände stieg um 3,7 Prozent (ein Plus von 4,7 Milliarden Euro) auf 133,0 Milliarden Euro. Hier wurden vor allem mehr Kassenkredite (+ 9,2 %) aufgenommen; sie beliefen sich auf 47,9 Milliarden Euro. Die Kreditmarktschulden der Gemeinden erhöhten sich um 0,8 Prozent auf 85,2 Milliarden Euro.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%