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Haushaltsausschuss: Berlin ist sauer auf Merkel

Quelle: dapd

Die beim EU-Gipfel in Brüssel vereinbarte direkte Hilfe für marode Banken über den ESM sorgt für Ärger im Bundestag. Die SPD-Fraktion beantragte eine Sondersitzung des Haushaltsausschusses.

Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler lehnt die direkte Kreditvergaben der Euro-Rettungsfonds an notleidende Banken, wie sie der EU-Gipfel gerade beschlossen hat, ab. „Das ist ein erneuter Dammbruch", sagte der Euro-Skeptiker Schäffler am Freitag. „Jetzt boxen wir auch (nach einigen deutschen Instituten) andere europäische Banken mit Steuerzahlergeld heraus", bemängelte er. „Die bisherigen Regeln lassen das eigentlich nicht zu", ergänzte er. „Es geht also alles immer stärker in diese Transferunion hinein.“

Auch die Schaffung einer europäischen Bankenaufsicht trifft auf Skepsis bei Schäffler. „Ich sehe das insofern kritisch, als das nicht schnell realisierbar ist", sagte er. Ein solches Vorhaben brauche Zeit, aber die Krise gebe es aktuell. „Jetzt eine neue Bankenaufsicht zu schaffen in so einer schwierigen Phase, das halte ich für sehr schwierig und das schafft vielleicht weitere Verunsicherung". Dass die EZB bei dieser europäischen Bankenaufsicht eine bestimmende Rolle spielen solle, sehe er allerdings nicht so kritisch.

Bild: dpa

Nach dem Brüsseler EU-Gipfel verlangen die Sozialdemokraten von der Bundesregierung Auskunft über die aus ihrer Sicht vollzogene Kehrtwende von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In einer Sondersitzung des Haushaltsausschusses am frühen Nachmittag solle die Regierung ihre „180-Grad-Wende“ erklären, twitterte der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider. Die Gipfelteilnehmer hatten sich in der Nacht auf die Möglichkeit von direkten Bankenhilfen und einen erleichterten Zugriff auf den ESM verständigt, was vor allem Italien zugutekommen soll. Mit einem Wachstumspakt im Umfang von 120 Milliarden Euro sollen zudem die Konjunktur angekurbelt und Jobs geschaffen werden.

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Schneider schrieb bei Twitter: „Bankenunion mit Haftung ESM ohne Auflagen für die Länder! Krachende Niederlage für Merkel. Gestern hat sie das noch ausgeschlossen.“ Auch seien die Auflagen an ein Land nur noch ein Papiertiger. „Was ist mit Merkel am Donnerstag passiert“, fragte Schneider.

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Nahles kann mit Kompromiss leben

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles hatte sich hingegen weitgehend positiv über die Gipfelergebnisse geäußert. Zwar habe Merkel in wesentlichen Punkten, in denen sie vorher rote Linie markiert habe, nachgeben müssen, sagte Nahles dem Nachrichtensender n-tv. Sie fügte allerdings hinzu: „Aus meiner Sicht ist das inhaltlich aber durchaus begründet, und insoweit kann ich mit dem Ergebnis leben.“ Zufrieden zeigte sich Nahles, dass das Wachstumspaket, das auch die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen soll, jetzt auf dem Weg sei.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.06.2012, 18:07 UhrIch

    Helmut Kohl hat immer gesagt, Europa wäre eine Frage von Krieg und Frieden. Was er nicht bedacht hat, ist dass es keinen Frieden ohne Gerechtigkeit gibt. Wenn ein Volk für den Schlendrian anderer Völker zahlen soll, wird es irgendwann einmal krachen.

  • 29.06.2012, 16:07 Uhrconforma

    Merkel ist der Brutus-Dolch im Rücken der deutschen Bürgerinnen und Bürger. So ähnlich hatte auch Hindenburg die Deutschen aus Dummheit verraten, das Ermächtigungs-Gesetz zugelassen, mit dem dann die Diktatur von '33 bis '45 besiegelt war. Und die ESM-Diktatur wird für Deutschland bedeuten: Souveränitäts-Verlust, Abbau von Demokratie, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Würde, d.h. für Deutschland Entrechtung, Unterwerfung, Verlust an Lebensstandard, Haftung für wirtschaftliches Unvermögen anderer EU-Länder und eine gigantische Belastung unserer Steuer-Situation.

  • 29.06.2012, 15:49 UhrKai_B.

    @allesverloren
    Genau!
    Das Versagen unserer Bundespolitiker hat historische Dimensionen. Bis auf die Partei Die Linke und einiger weniger anderer Abgeordneter gibt es keine richtige Opposition beim ESM.
    Da dem verarschten und ausgebeuteten Bürger mangels politischer Alternativen ein Ventil fehlt, könnten wir den Wutausbruch des Volkes bald auf der Straße erleben.
    Ich hoffe sehr auf einen "Paukenschlag" unseres Verfassungsgerichtes.

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