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Haushaltsplanung: WestLB zwingt NRW-Finanzminister zu Rekordverschuldung

von Andrea Auler

Trotz Schuldenbremse steuert Nordrhein-Westfalen auf eine rekordverdächtige Neuverschuldung zu. Der Regierungswechsel zeigt: Die alte Landesregierung hat die Risiken der Finanzkrise zu optimistisch kalkuliert.

NRW-Finanzminister Nobert Quelle: APN
NRW-Finanzminister Nobert Walter-Borjans Quelle: APN

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) begann ihre Regierungszeit Mitte Juli 2010 mit einer schweren Anschuldigung: Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung habe die Zahlen geschönt, der damalige Finanzminister Helmut Linssen (CDU) mit unrealistischen Werten gerechnet. Stein des Anstoßes war nicht zuletzt die „Abschlussbilanz“ des scheidenden Ministers, der auf den Konsolidierungspfad seiner Regierung verwies.

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Tatsächlich hatte Linssen die jährliche Neuverschuldung von 6,7 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 1,1 Milliarden Euro Ende 2008 drücken können. Doch dann kam die Krise und mit ihr neue Schulden. Für 2010 veranschlagte Linssen daher eine Nettoneuverschuldung von 6,6 Milliarden Euro und damit knapp unterhalb der damaligen Rekordverschuldung von 2005.

WestLB-Risiken: Höhere Rückstellungen nötig

Schon im Sommer rechneten die Finanzexperten von SPD und Grünen mit einer tatsächlichen Neuverschuldung von rund neun Milliarden Euro. Der größte Teil sei dabei die „Erblast“ der Vorgängerregierung gewesen, nämlich die unzureichende Risikoabdeckung für die Abwicklung der WestLB.

Die durch die Finanzkrise schwer angeschlagene WestLB hatte Ende 2009 ihre Risikopapiere und nicht-strategischen Geschäfte in die sogenannte Erste Abwicklungsanstalt (EEA) ausgelagert. 77 Milliarden Euro schwer ist diese BadBank, das entspricht in etwa dem Eineinhalbfachen des gesamten nordrhein-westfälischen Landeshaushaltes. NRW als Anteilseigner der WestLB steht für eventuelle Ausfälle der EEA mit Garantien gerade. Die ehemalige Landesregierung hatte dafür extra einen Fonds in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro eingerichtet, um in den nächsten Jahren die zu erwartenden Risikoausfälle nicht aus dem ohnehin defizitären Landeshaushalt stemmen zu müssen.

Nur: Diese Rückstellungen werden laut neuem NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) bei weitem nicht ausreichen. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Garantien innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre fällig werden“, so Walter-Borjans. Insgesamt stehen den ausgelagerten 77 Milliarden Euro fünf Milliarden Euro an Garantien gegenüber. Zwei Milliarden teilen sich die Anteilseigner der WestLB – das Land NRW, die NRW.Bank, der Rheinische Sparkassen- und Giroverband, der Sparkassenverband Westfalen-Lippe sowie die Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland. Von diesen zwei Milliarden trägt NRW knapp ein Drittel, rund 760 Millionen Euro. Hinzu kommt jedoch die Landesgarantie in Höhe von drei Milliarden Euro. „Wir sprechen also über rund 3,6 Milliarden Euro, die den Landeshaushalt mittelfristig belasten werden“, sagt Walter-Borjans. Bislang sind erst 100 Millionen an Garantien tatsächlich fällig geworden.

Von Haushaltskonsolidierung noch weit entfernt

Für die Amtszeit des neuen Finanzministers sind das denkbar schlechte Voraussetzungen. Denn ab 2011 muss NRW eigentlich einen strikten Konsolidierungskurs fahren, um die in der Verfassung verankerte Schuldenbremse ab 2020 auch einhalten zu können. Die Schuldenbremse sieht vor, dass die Länder ab 2020 keine neuen Kredite mehr aufnehmen dürfen und in den kommenden Jahren ihre Neuverschuldung sukzessive runterfahren. Um die Kriterien einhalten zu können, dürfte die jährliche Nettoneuverschuldung in NRW 3,7 Milliarden Euro nicht übersteigen. Davon ist NRW aber noch weit entfernt. Walter-Borjans geht unter günstigen Bedingungen ­– konjunkturelle Erholung und geringere Steuermindereinnahmen – von 8,2 bis neun Milliarden Euro Verschuldung im Jahr 2011 aus.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.09.2010, 00:14 UhrAnonymer Benutzer: @Hans-Otto

    Ach Gottchen, Hans-Otto, als ob die Staatsbankenmasche auf irgendeine Weise parteibuchabhängig wäre. Can you say "bayern Lb"? Und was hat der Herr Arbeiterführer denn zur Aufklärung der NRW-Zustände beigetragen? Durften die Staatsanwälte etwa plötzlich ermitteln?

  • 09.09.2010, 22:54 UhrAnonymer Benutzer: Hans-Otto

    Danke! Danke liebe SPD, für den Grundstock der Skandale der WestLb und vorherigen Landesbank und Girozentrale in NRW. Man erinnere sich nur an die Flugaffäre und die im Dunstkreis der Politik und auch dem lieben Landesvater Rau gut gediegenen Filzteppich.

    iT ist keine Kernkompetenz der bank? Nun, Risiko-Management war es wohl mutmaßlich auch nicht. Ein Höhenflug nach dem anderen und es ging so hoch hinaus, dass man noch nicht ganz am boden angekommen ist.

    Aber Trennung bringt nicht viel, die Reste sollten endlich veräußert und damit einer künftigen Einflußnahme einer KRAFTlosen Regierung in NRW entzogen werden. Alleine der Skanal der abgespaltenen NRW.bank (als öffentliche Förderbank vormaliger Teil der Westdeutschen Landesbank, bevor die EU eine Abspaltung forderte) und des SPD Haupthauses in Düsseldorf zeigt, wo das Verständnis, analog zur Kfw und dem iKb-Skandal, einer SPD und im weitesten Sinne Geld besteht.

  • 09.09.2010, 21:20 UhrAnonymer Benutzer: Journalistenpreisverdächtig

    Was ist denn DAS für ein Hofschranzenjournalismus? Der Finanzminister untertreibt aus wohl völlig myteriösen Gründen den Schaden, den er und seine dummgierige Kaste seit Jahren mit ihrer auf Steuerzahlerkosten aufgeblasenen Kasinobank anrichten. Und das wird einfach mal so als vom Himmel gefallene Überraschung unhinterfragt dargestellt, mit fröhlichem Übergang zu Steuererhöhungsvorschlägen. Vielleicht sollten WiWo und WestLb zusammen abgewickelt werden...

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