Hauskredit-Affäre: 8.000 Euro Amtsbonus für Christian Wulff

Hauskredit-Affäre: 8.000 Euro Amtsbonus für Christian Wulff

, aktualisiert 20. Dezember 2011, 13:19 Uhr
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Bundespräsident Christian Wulff bei einer Rede im Berliner Schloss Bellevue.

von Reiner ReichelQuelle:Handelsblatt Online

Ein Hauskredit zu besten Konditionen, mitten in der Finanzkrise: Mit dem günstigen Darlehen der Geerkens sparte Christian Wulff mehr als 8.000 Euro. Und das war nicht die einzige Gefälligkeit seiner vermögenden Freunde.

DüsseldorfErst war es nur ein Hauskredit zu präsidialen Konditionen, dann kamen private Urlaubsreisen mit Unternehmern, inzwischen ist nur noch von einer Affäre die Rede: Wegen Gefälligkeiten von vermögenden Unternehmern in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident steht Bundespräsident Christian Wulff weiter Ärger ins Haus. Am Montag wurde zudem bekannt, dass AWD-Gründer Carsten Maschmeyer Zeitungsanzeigen bezahlt hat, mit denen 2007 während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs für das Buch „Besser die Wahrheit“ des Ministerpräsidenten Wulff geworben wurde.

Die „Bild“-Zeitung berichtete, Maschmeyer habe die Rechnung für die Werbung zu dem Wulff-Buch in Höhe von 42.731,71 Euro aus seinem Privatvermögen beglichen. Das Interview-Buch, in dem Wulff sein privates und politisches Leben beschreibt, sei ein wichtiges Instrument des damaligen CDU-Landtagswahlkampfes gewesen. Die Partei habe seinerzeit einige tausend Exemplare gekauft und sie als Wahlwerbung verschenkt.    

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Wulff hat davon angeblich nichts gewusst. Maschmeyer sagte, der Verlag habe ihn gebeten, Anzeigen zur Begleitung des Buchs zu unterstützen. „Dieser Bitte habe ich entsprochen und die Anzeigen privat bezahlt. Ich habe sie nicht steuerlich geltend gemacht. Über das ganze Thema habe ich mit Herrn Wulff nicht gesprochen.“ Der Bundespräsident ließ auf „Bild“-Anfrage über seinen Rechtsanwalt Gernot Lehr erklären, ihm sei von den Zahlungen seines Freundes Maschmeyer nichts bekannt gewesen.

Eines der teuersten Geschenke, das Wulff erhielt, war zweifellos das Darlehen der Unternehmerfamilie Gerkens. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau wollte Christian Wulff sich und seiner neuen Gattin Bettina 2008 ein neues Haus kaufen. Doch die Umstände dafür waren denkbar schlecht: Lehman-Pleite, Banken, die sich misstrauten und einander kein Geld mehr liehen, eine Garantieerklärung der Bundeskanzlerin für Spareinlagen – im Oktober 2008 ging es am deutschen Finanzmarkt hoch her. Genau zu jener Zeit brauchte der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff ein Baudarlehen. Er bekam es von dem befreundeten Ehepaar Geerkens: 500 000 Euro zu vier Prozent Zinsen, ohne laufende Tilgung. Als Sicherheit genügte sein Wort – Traumkonditionen. Und ein geldwerter Vorteil von mindestens 8000 Euro.


Der Ältestenrat des Landtages prüft die Vorwürfe

Es ist eine simple Rechnung: Wulff hatte monatliche Zinszahlung vereinbart und musste damit Monat für Monat 1 666 Euro an das Ehepaar Geerkens zahlen. Hätte er das Darlehen zur gleichen Zeit bei der Münchener Hypo beantragt, hätte sie ihm für eine 100-Prozent-Finanzierung ohne Tilgung einen Zinssatz von 5,23 Prozent angeboten. Das war damals kein schlechter Wert für die übliche kurze Festschreibung der Zinskonditionen für fünf Jahre. Bei der Münchener Hypo hätte Wulffs monatliche Zinsbelastung 2 179 Euro betragen. Das ergibt einen Zinsvorteil von 513 Euro pro Monat. In den 16 Monaten, in denen er das Darlehen in Anspruch nahm, sparte er rund 8 200 Euro. Baudarlehen mit so kurzer Laufzeit bieten Banken nicht an. Wer die fünfjährige Zinsbindung wählt und den Kredit vorzeitig zurückzahlt, muss Vorfälligkeitszinsen an die Bank zahlen - als Ministerpräsident und persönlicher Freund der Gerkens kam Wulff aber um Strafzahlungen herum.

Privatkredite sind bei Häuslebauern nicht ungewöhnlich. Typischerweise helfen allerdings Eltern und andere Verwandte, wenn junge Paare in die eigenen vier Wände ziehen wollen. Dass Wulff sein Haus ohne Eigenkapital kaufen konnte, verblüfft Max Herbst, Inhaber der Finanzberatung FMH, nicht. Herbst vergleicht seit Jahren die Konditionen für Baufinanzierungen. Finanzierungen von 100, sogar 120 Prozent inklusive Nebenkosten, seien 2008 nicht so ungewöhnlich gewesen wie heute. „In Deutschland haben das beispielsweise die DSL Bank und die DKB Bank gemacht“, sagt Herbst.

Solche Kredite seien wie in den USA verbrieft und als Anleihen auf dem Kapitalmarkt verkauft worden. Bei einem typischen Baudarlehen beleiht die Bank das Haus jedoch mit 70 bis 90 Prozent. Je höher die Beleihung ist, desto höher sind die Zinsen.

Seine Nähe zu vermögenden Unternehmern in Hannover könnte dem Bundespräsidenten nun zum Verhängnis werden. Der niedersächsische Landtag prüft inzwischen, ob Wulff als Chef der Landesregierung private und Amtsinteressen verquickt hat. Der Ältestenrats des Landesparlaments will am Dienstag prüfen, ob Wulff gegen das Ministergesetz verstoßen hat, dass die Annahme von Geschenken mit Bezug auf das Amt verbietet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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