Hermann Genz: Der ungewöhnlichste Arbeitsvermittler Deutschlands

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InterviewHermann Genz: Der ungewöhnlichste Arbeitsvermittler Deutschlands

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Der legale Sektor: Hermann Genz vor seiner Jobcenter-Filiale

von Max Haerder

Hermann Genz ist einer der ungewöhnlichsten Arbeitsvermittler des Landes. Sein Credo lautet: Die Hartz-Reformen waren ein Erfolg, wenn man sie so umsetzt wie er – kompromisslos und herzlich zugleich.

Hermann Genz steht mitten auf der Straßenkreuzung. Kein Verkehr gerade. Aber Genz macht ohnehin nicht den Eindruck, als könnten ein paar Autos ihn jetzt stören. Er muss erst einmal erklären, was ihm wichtig ist. Mit der runden Brille und dem Schnauzer, eingewickelt in Mantel und Schal, könnte er bestens als Anwalt durchgehen, als Steuerberater oder Apotheker. Aber Genz gibt seine Lieblingsrolle: den Konfrontationstherapeuten.

Sein linker Arm zeigt die Straße runter. „Sehen Sie die Tankstelle da hinten?“ Jede Nacht versammeln sich dort Bulgaren und Rumänen, nur um darauf zu warten, dass pünktlich um drei Uhr Kleintransporter kommen, die die Männer auf Baustellen karren. Oder sonst wohin für irgendwelche Maloche. „Das also“, sagt Genz, „ist unser Arbeiterstrich.“ Dann, er steht noch immer auf dem Asphalt auf Höhe des Mittelstreifens, zeigt sein rechter Arm auf das Eckhaus direkt vor ihm. „Und hier, das sind wir.“ Er lächelt grimmig. „Die Konkurrenz.“

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5 Gründe gegen Schwarzarbeit

  • Ordnungswidrigkeit mit hohen Geldbußen

    Schwarzarbeit im Haushalt ist eine Ordnungswidrigkeit. Wer erwischt wird, muss deshalb mit einer Geldbuße von bis zu 300.000 Euro rechnen. Außerdem haben Haushaltshilfen, die ohne Anmeldung arbeiten wollen, schwierige Gründe dafür – so haben sie zum Beispiel keine Arbeits- oder sogar keine Aufenthaltserlaubnis. Werden sie erwischt, droht ihnen in diesem Fall die Ausweisung.

  • Schwächung des Sozialstaats

    Eine Putzhilfe, die nicht gemeldet ist, arbeitet um die Staatskasse herum und zahlt somit auch nicht in die sozialen Sicherungssysteme ein. Wer seine Einnahmen nicht voll angibt, behält Gelder, die ihm nicht zustehen und letztlich bleibt so weniger Geld für diejenigen übrig, die es wirklich brauchen.

  • Kein Versicherungsschutz

    Nur eine kleine Unachtsamkeit kann schon große Probleme bringen. Sachschäden, wie eine kaputte Vase sind da lästig, aber was passiert, wenn sich ihre Putzhilfe schwer verletzt? Wer schwarzarbeitet, kann sich nicht gegen Schäden versichern – das gilt dann insbesondere für Sachschäden – auf denen bleiben Nutzer mit hoher Wahrscheinlichkeit sitzen.

  • Keine Steuererleichterung

    Damit werben viele Online-Putzdienst-Vermittler: Jeder kann Haushaltsdienste von der Steuer absetzen – da können im Jahr einige Euros zusammen kommen und rechnet man die Steuerersparnis gegen die Kosten einer illegalen Hilfe auf, kann manchmal ein legales Angebot sogar preiswerter sein.

  • Kein Ersatz, wenn die Hilfe ausfällt

    Wird die schwarz-arbeitende Haushaltshilfe krank oder fährt in den Urlaub, sorgt sie in den seltensten Fällen für einen Ersatz. Den muss der Arbeitgeber sich selbst suchen und hoffen, dass das klappt. Wer Kunde einer Dienstleistungsfirma ist, kann sich sicher sein, dass das zum Service gehört.

60 Meter, vielleicht 70, mehr sind es nicht, die zwei Welten voneinander trennen: legal von illegal, die Schwarzarbeit von ihrer Konkurrenz – dem deutschen Sozialstaat.

„JobBörse“: Wenn die Männer nachts im blauen Glimmen der Tankstelle auf ihre Kuriere und die Arbeit warten, können sie stets den roten Schriftzug über der Eingangstür sehen, die Aushänge der Stellenangebote in den Schaufenstern und ebenso die aufgeräumten Schreibtische der Berater. Ein stummes Angebot, penetrant und gleichzeitig offen und einladend. Nacht für Nacht.

Die JobBörse sendet genau die Botschaft, wie Hermann Genz sie haben will: Ein anderes Leben ist nur 60 Schritte entfernt. Es könnte ein besseres sein.

Ihr habt die Wahl.

WirtschaftsWoche: Herr Genz, wir sind in Jungbusch, einem Mannheimer Multikulti-Stadtteil. Was macht das Jobcenter ausgerechnet hier mit einer Außenstelle?

Hermann Genz: Ganz einfach: Wir stören.

Wie bitte?

Jungbusch war stets ein klassisches Zuwandererquartier. Aber vor zwei, drei Jahren haben wir anerkennen müssen, dass wir mit dem Zuzug von Bulgaren und Rumänen ein echtes Problem haben. Bei uns im Jobcenter gingen immer mehr Anträge auf Unterstützung ein, dem wollten wir nicht mehr einfach nur zusehen. Also mussten wir raus. Dahin, wo die Leute sind.

Die Stärken und Schwächen des deutschen Arbeitsmarkts

  • Arbeitseinkommen

    Das Arbeitseinkommen umfasst das Einkommensniveau und den Grad der Einkommensungleichheit.

    Der Durchschnittsverdienst in Deutschland gehört zu den höchsten im OECD-Raum. Auch die Einkommensungleichheit ist vergleichsweise gering, obgleich Staaten wie Belgien, die Niederlande oder die Schweiz Deutschland in diesem Punkt noch etwas voraus haben.

  • Arbeitsmarktsicherheit

    Die Arbeitsmarktsicherheit definiert die OECD über das Risiko, arbeitslos zu werden und die soziale Sicherung für Arbeitslose.

    Das Risiko, in Deutschland arbeitslos zu werden, schätzt die OECD im Vergleich zu anderen Ländern als relativ gering ein. Das deutsche Sozialsystem sichere zudem Arbeitslose und ihre Familien effektiv ab.

  • Qualität des Arbeitsumfelds

    In puncto Qualität des Arbeitsumfeldes liegt Deutschland unter dem OECD-Durchschnitt. 2010 empfanden 19 Prozent der deutschen Arbeitnehmer die Arbeitsbedingungen als schwierig bzw. stressig. In Dänemark und in den Niederlanden lag die Zahl nur halb so hoch (9 Prozent).

    Die OECD weist darauf hin, dass die Hälfte aller Arbeitnehmer in Europa angibt, schlechte Arbeitsbedingungen beeinträchtigen ihre Gesundheit und die Qualität ihrer Arbeit.

Nach stören klingt das aber nicht gerade.

Doch, wir pflegen hier das offene Wort. Ich sage jedem Antragsteller: Wir sind anstrengend, ihr habt euch ein kompliziertes Land ausgesucht. Es gibt Gesetze, Vorschriften, Pflichten und Dienstwege – und das Dümmste ist: Wir halten uns auch noch dran. Aber ich sage ihnen eben auch, dass wir mit unserem ganzen Arsenal helfen, das wir haben, wenn sie sich für den geraden Weg entscheiden.

Und das funktioniert?

Der Arbeiterstrich ist jedenfalls schon viel kleiner geworden. Für mich ist entscheidend, dass wir diejenigen abfischen, die arbeiten wollen. Die müssen wir hier in die JobBörse hineinbekommen und ihnen passende Angebote unterbreiten. Den Rest erledigt die Mund-zu-Mund-Propaganda für uns. Glauben Sie mir: Wenn wir jemandem hier etwas Besseres anbieten als zwielichtige Plackerei auf einer Baustelle oder Schrottschleppen im Dunkeln, wissen es morgen in deren Community alle.

Sie haben die Filiale vor etwas mehr als einem Jahr eröffnet, sechs Mitarbeiter sind täglich vor Ort, darunter auch eine bulgarische Muttersprachlerin. Lohnt sich dieser große Aufwand?

Wenn er sich nicht lohnen würde, hätten wir nicht mittlerweile zehn solcher Börsen in ganz Mannheim. Außerdem ist der Auftrag überall ein wenig anders, je nach Ort und Klientel. Was die Börse hier in Jungbusch angeht, darf man nicht naiv sein: Die Zuwanderer gehen nicht mehr in ihre Heimat zurück, wer das glaubt, macht sich was vor. Also sollten wir uns kümmern.

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