Hermann Gröhe: Kein Geschäft mit dem Sterben

InterviewHermann Gröhe: Kein Geschäft mit dem Sterben

, aktualisiert 30. Oktober 2015, 11:45 Uhr
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Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)

von Anke Henrich

Was denkt der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe über Sterbehilfe? Ein CDU-Mitglied zwischen christlichem Auftrag und Grundgesetz.

In der kommenden Woche will der deutsche Bundestag entscheiden, welchen Freiheitsgrad Ärzte und Schwerstkranke in der letzten Phase vor dem Tod haben. Soll aktive oder passive Sterbehilfe erlaubt werden? Darf Sterben ein Geschäft für Gewerbetreibende werden? Dürfen Mediziner Schwerstkranken auf deren Wunsch hin aktiv helfen zu sterben? Vier grundverschiedene Entwürfe vom absoluten Verbot bis zur Freigabe der Hilfe zur Selbsttötung liegen den Abgeordneten vor. So soll juristisch wasserdicht geregelt werden, was bisher häufig in einer Grauzone von Mensch zu Mensch, von Arzt zu Patient ausgehandelt wird. 

Zur Person

  • Hermann Gröhe

    Hermann Gröhe (CDU) ist seit dem Dezember 2013 Bundesminister für Gesundheit.

WirtschaftsWoche Online: Soll ein Mensch, der schwerkrank ist und frei entscheiden kann, sein Ende bestimmen können und dabei Unterstützung bekommen?
Hermann Gröhe: Schwerkranken Menschen Hilfe im Sterben zu bieten ist ein Gebot der Menschlichkeit. Dazu gehört jegliche medizinische, psychologische und seelsorgliche Hilfe. Die Palliativmedizin ermöglicht es heute unerträgliche Schmerzen wirksam zu vermeiden. Diese Hilfe werden wir durch ein Gesetz flächendeckend ausbauen. Unsere Rechtsordnung schweigt zu Recht zum Drama der Selbsttötung. Damit ist auch die Hilfe zur Selbsttötung straffrei. Das soll auch so bleiben. Etwas anderes ist, wenn Selbsttötungshilfe geschäftsmäßig angeboten wird, als Dienstleistung für Menschen, die nicht mehr leben wollen. Das lehne ich entschieden ab.

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PremiumSterbehilfe Ein Abschied in Würde

Schwerkranke, die über das Ende ihres Lebens frei entscheiden - in Deutschland ein Tabu. Die Bundestagsabgeordneten sollten sich ein Herz fassen und einen selbstbestimmten, würdevollen Abschied aus dem Leben ermöglichen.

Quelle: WirtschaftsWoche

Welche Rolle sollen Ärzte am Lebensende eines Patienten einnehmen – wenn er etwa starke Schmerzen oder große Angst vor bedrohlichen Zuständen wie Atemnot hat?
Wo Genesung nicht mehr möglich ist, ist der Arzt verpflichtet, seinem Patienten beizustehen und Schmerzen bestmöglich zu lindern. Zugleich hat er zum Beispiel eine Patientenverfügung zu beachten. Der ärztlich assistierte Suizid darf aber nicht zur Behandlungsalternative werden. Wenn ein Arzt in einem dramatischen Einzelfall Selbsttötungshilfe leistet, ist es Aufgabe der zuständigen Ärztekammer, den konkreten Fall angemessen zu würdigen. Kluge Rechtsanwendung ist dann geboten, nicht fragwürdige Rechtsaufweichung.
Viele Menschen in Deutschland haben kein christliches Menschenbild mehr. Sollen sich verbindliche Regeln dennoch weiter an diesen Maßstäben und Werten ausrichten?
Gröhe: Die Lebensschutzorientierung gehört zu unserer Rechtsordnung!

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