Hessen: Ein Strohmann für Ypsilanti?

Hessen: Ein Strohmann für Ypsilanti?

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Andrea Ypsilanti und der neue hessischen SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel

Anstatt sich dem Zorn des Wählers zu stellen, schickt Andrea Ypsilanti im Januar einen Hinterbänkler als Spitzenkandidaten vor. Kaum jemand gibt Thorsten Schäfer-Gümbel eine Chance bei der vorgezogenen Wahl zum hessischen Landtag - tritt der "Neue" als Vertreter des linken Flügels doch ausdrücklich mit Ypsilantis politischer Linie an.

Wer kennt Thorsten Schäfer-Gümbel? Der studierte Politikwissenschaftler ist seit 2001 für die SPD im Landtag und ebenso lange stellvertretender Vorsitzender der Sozialdemokraten Hessen-Süd – ein Hinterbänkler. Am Wochenende zauberte Andrea Ypsilanti den 41-Jährigen als Spitzenkandidaten für die vorgezogene Wahl im Januar aus dem Hut.

Vielen gilt der Mitarbeiter im Sozial- und Jugenddezernat der Stadt Gießen als Vertrauter der gescheiterten Politikerin. Als einer, der den eingeschlagenen Kurs nahtlos fortführen wird. In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ verweist Schäfer-Gümbel zwar auf ein „Vorzugsrecht“ des Spitzenkandidaten bei inhaltlichen und personellen Fragen, betont aber gleichzeitig, dass es mit Parteivorsitzenden keine Differenzen gibt: „Wir werden mit den Themen antreten für die Andrea Ypsilanti erfolgreich gekämpft hat“.

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Der "Neue" konzentriert sich auf den Wahlkampf

Aus diesem Grund sei ein Führungswechsel in der Partei auch nicht angedacht, vielmehr will sich der „Neue“ auf den 70-tägigen Wahlkampf konzentrieren. Mit Verweis auf ihren Verbleib im Führungsgremium wehrt sich die hessische SPD-Chefin auch gegen die öffentliche Kritik. FDP-Chef Guido Westerwelle hatte ihr zuvor vorgeworfen, sie kneife vor dem Votum der Wähler: „Es wäre das Mindeste, dass Andrea Ypsilanti den Mut und die Charakterstärke hat, sich zur Wahl zu stellen.“ Das sieht die Gescholtene freilich ganz anders. Eine erneute Kandidatur würde den Wahlkampf der Genossen zu sehr belasten, da wohl nur auf den Themen Wortbruch und Glaubwürdigkeit herumgeritten werde. Als Parteivorsitzende bleibe sie aber an Bord und kämpfe weiter für ihre Inhalte, so ihr Statement am Samstag in den „Tagesthemen“.

Während Koch sich im Interview mit dem "Spiegel" geläutert gibt und eigene Fehler eingesteht, zeigen andere CDU-Landesfürsten ganz offen ihre Schadenfreude. Der Baden-Württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger frohlockte vor der versammelten Jungen Union beim Deutschlandtreffen in Rust: „Ich freue mich saumäßig, dass Roland Koch Ministerpräsident bleiben wird und Andrea Ypsilanti eine Niederlage auf ihre geisteskranken Geisterfahrt gefunden hat“. Auch der neue CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg schlug in diese Kerbe und brandmarkte die Schein-Revolution an der hessischen SPD-Spitze als „Kultivierung der Lüge“.

Überraschend ruhig blieb es unterdessen in der SPD-Führungsriege. SPD-Chef Franz Müntefering beließ es heute dabei, Schäfer-Gümbel viel Glück zu wünschen und ihm die Unterstützung der Parteizentrale zuzusichern. Die Sorge, dass im Januar mit Schäfer-Gümbel ein neuer Kopf gegen die alte Wand rennt dürfte jedoch auch in Berlin greifbar sein. Höchste Zeit also für straffere Zügel.

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