Hessen: Schwarz-Grün macht Frankfurt zum Flüsterflughafen

KommentarHessen: Schwarz-Grün macht Frankfurt zum Flüsterflughafen

von Mark Fehr

CDU und Grüne zimmern eine neue Regierung zusammen und wollen den ökonomisch unverzichtbaren Frankfurter Flughafen leiser machen. Fluglinien und Passagiere haben das Nachsehen.

Der Koalitionsvertrag zwischen Hessens CDU und den Grünen steht. Die gute Nachricht: Das wirtschaftsstarke Bundesland bekommt nach langen Verhandlungen endlich wieder eine Regierung. Die Schlechte: Dem wichtigen Frankfurter Flughafen wird noch mehr Lärmschutz auferlegt. Seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn 2011 gilt ein strenges Nachflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr. Die nächtliche Lärmpause soll nun laut schwarz-grünem Koalitionsvertrag um eine Stunde verlängert werden.

Erstmal hört sich das überschaubar an, doch tatsächlich grenzt es an Schizophrenie, das Einzugsgebiet von Deutschlands größtem und wichtigstem Luftdrehkreuz für fast 30 Prozent der potenziellen Betriebszeit in eine Flugverbotszone zu verwandeln. Zudem soll der geplante Neubau von Abfertigungshallen überprüft werden.

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Das erweiterte Nachtflugverbot stellt erhebliche Verkehrseinschränkung für den Rhein-Main-Airport dar, der ohnehin schon am Limit operiert. Besonders die Lufthansa wird das zu spüren bekommen, die Frankfurt als Basis für ihren weltweiten Flugbetrieb nutzt. Auch in den Randstunden der zeitlichen Flugverbotszone können kaum Flüge geplant werden, denn bei Verspätungen müssten die Maschinen bis zum nächsten Tag am Boden bleiben und Passagiere sowie Crew auf Kosten der Airline im Hotel übernachten. Da streicht eine kühl rechnende Fluggesellschaft die Verbindung lieber ganz, statt sie unprofitabel weiter zu betreiben.

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Der Widerstand vieler Bürger gegen Bahn-, Flug- und Industrielärm verteuert und verzögert Bauprojekte. Der Konflikt könnte den Standort Deutschland gefährden.

Quelle: dpa

Sicher: Es macht keinen Sinn, die Einwohner des dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiets mit Fluglärm zu terrorisieren. Deshalb müssen die betroffenen Gebäude auf Kosten des Flughafens und der Airlines mit Lärmschutztechnik aufgerüstet werden. Und zwar schnell. Denn es macht ebenso wenig Sinn, eine gigantische Logistikinfrastruktur wie den Rhein-Main-Airport aufzubauen, nur um diesen Verkehrsknotenpunkt mit restriktiver Regulierung über weite Strecken lahm zu legen.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Der Autor dieses WiWo-Kommentars kann sich in die Lage der lärmgeplagten Anwohner nur zu gut hineinversetzen, darf er doch von seinem Sachsenhäuser Südbalkon jeden Tag bestaunen, wie die Donnervögel ihre Bahnen ziehen. Aber auch die Flughafenanrainer müssen eines zugeben: Mit der neuen Landebahn haben zwar die Flugbewegungen zugenommen, dafür herrscht seither nachts Ruhe. Das war vor dem jüngsten Flughafenausbau anders. Die stille Nacht als Gegenleistung für die neue Landebahn war ja auch der Kompromiss zwischen dem Flughafen und seinen Nachbarn. Letztere wollen diesen nun zu ihren Gunsten aus der Balance bringen.

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Dabei ist es für Rhein-Main-Anrainer nicht nur mit Leid verbunden, in der Nähe eines internationalen Verkehrsdrehkreuzes zu leben. Neidisch blicken die Bewohner abgelegener Gegenden auf Frankfurter, Offenbacher oder Mainzer, die bei Geschäfts- oder Urlaubsreisen keine zeitraubenden Anfahrten in Kauf nehmen müssen. Das gilt übrigens auch für die leidgeplagten Münchner, deren Flughafen zwar außer Hörweite aber dafür in kaum erreichbarer Entfernung zur Stadt errichtet wurde.

Lärmgegner sollten den Flughafen also nicht nur aus der Froschperspektive ihrer heimischen Balkone und Gärten betrachten. Denn der Freude über den von der neuen Hessischen Regierung auf stumm geschalteten Flugbetrieb wird schnell großer Frust folgen, wenn sie selbst auf dem Weg zu einem wichtigen Termin oder in den warmen Süden im Terminal stranden, weil der Flieger wegen Verspätung nicht mehr abheben darf oder die Abfertigungskapazitäten zu Ferienbeginn mal wieder hoffnungslos überlastet sind.

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