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Hessens Regierungschef Roland Koch : "Politik muss notwendige Härte haben"

von Henning Krumrey

Hessens Ministerpräsident Roland Koch über neue Regeln für Hartz-IV-Empfänger, Subventionskürzungen und die nächste Steuerreform.

Roland Koch (AP Photo/Daniel Quelle: AP
Roland Koch (AP Photo/Daniel Roland, File) Quelle: AP

WirtschaftsWoche: In jedem Land der Welt freuen sich die Bürger über Steuerentlastungen. Nur hierzulande sagt die Mehrheit: Nein, danke. Sind wir ein Volk von Masochisten?

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Koch: Nein, die Vorsicht der Bürger bei diesem Thema ist ein Ausweis demokratischer Reife! Die Menschen stellen ihr natürliches egoistisches Wollen – weniger Geld an Staat und Gesellschaft – zurück aus Sorge vor möglichen Folgen: entweder massives Einschränken staatlicher Aktivitäten, vom Sozialen bis zur Bildungspolitik; oder eine inakzeptabel hohe Staatsverschuldung. Die Menschen haben das klar erkannt. Für uns Politiker bleibt die Aufgabe, ihnen so wenig Geld wie möglich abzunehmen und uns nicht bequem in den Taschen der Bürger zu bedienen.

Eine Debatte über die nötigen Aufgaben des Staates findet gar nicht statt.

Finanzminister Wolfgang Schäuble sagt doch, dass nach dem Ende der Krise hartes Sparen kommen muss. Es geht nicht nur um Spielraum für Steuersenkungen, sondern vor allem um Umschichtung, denn der Staat soll ja trotz Haushaltsnöten und sinkender Einnahmen mehr in Bildung und Forschung investieren. Dann ist es ganz unvermeidlich, dass wir bei den anderen großen Ausgabenblöcken streichen. Und es muss eine neue Diskussion über Subventionen geben.

Nach der legendären Koch-Steinbrück-Liste nun eine Koch-Schäuble-Liste zum Subventionsabbau?

Dank der Umsetzung des größten Teils der alten Liste gibt es heute 15 bis 16 Milliarden Euro weniger Subventionen. Dennoch ist es kein Problem, noch einmal pauschal zehn Prozent bei allem zu kürzen. Aber der größte Subventionsblock beim Bund ist heute, dass wir für die Industrie den viel zu teuren Strompreis verbilligen. Der Staat verzichtet bei ihr auf die Ökosteuer, die andere Unternehmen und der normale Bürger zahlen. Entweder wir senken diese Steuern für alle, damit die Subvention wegfällt, dann fehlt dem Staat noch mehr Geld. Oder wir streichen die Vergünstigung mit der Folge, dass Strom für die Industrie noch teurer wird. Da müssen wir uns entscheiden. Das Kernproblem beim Subventionsabbau ist heute: Man trifft nicht mehr irgendwelche Randgruppen, sondern man trifft sehr schnell die produzierende Wirtschaft in Deutschland.

Es lässt sich nix mehr sparen?

Anfang der Neunzigerjahre gab es noch viel Überflüssiges. Aber wir fahren seit 15, 20 Jahren Sparhaushalte. Jedes Jahr reduzieren wir Mitarbeiter, Behörden, Sozialleistungen. Jetzt hat der Staat keinen Speck mehr auf den Rippen, den man einfach mal so nebenbei wegschneiden könnte, ohne dass es jemand merkt. Das macht es ja so schwierig und schmerzhaft. Wir müssen uns zwischen verschiedenen durchaus jeweils sinnvollen Staatsaufgaben entscheiden. Unabhängig von der Steuersenkung haben wir schon das Geld für höhere Bildungsanstrengungen gar nicht. Also müssen wir erst mal dafür Geld besorgen. Und dann können wir fragen: Wie schaffen wir Wachstum, um dem Bürger prozentual weniger abnehmen zu müssen. Das ist die Reihenfolge.

Früher hieß es: Steuern senken, um Wachstum zu schaffen. Heute heißt es: Wachstum abwarten, um Steuern zu senken. Ist das die neue CDU-Doktrin?

Jetzt wird die Debatte unfair. Wir geben doch gerade in diesem Jahr in einem der größten Steuersenkungsprogramme der Geschichte ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts an Steuern zurück, um Wachstum zu fördern: 25 Milliarden Euro für Konsum und Investitionen. Steuersenkung darf aber nicht dazu führen, dass die übrigen staatlichen Ziele grob verletzt werden. Denn das würden die Bürger nicht akzeptieren.

Ihre Prioritätenliste lautet: erst Bildung und Forschung, dann Soziales. Und wenn dann noch Geld übrig ist: Steuern runter?

Meine Priorität ist: Es darf keine zusätzliche Staatsverschuldung geben. Und da ist mir egal, für welchen noch so guten Zweck es diese geben würde. Ich habe schon während der Koalitionsverhandlungen gesagt: Ich werde auch für die Bildung keine zusätzlichen Kredite aufnehmen. Die Wirkung der Schuldenbremse in den nächsten Jahren wird noch völlig unterschätzt. Wir müssen das Geld aus allen anderen Feldern holen, auch aus dem Sozialbereich, und da ist erst mal egal, ob aus dem Bundeshaushalt oder aus den Sozialversicherungen. Ich sehe nach wie vor Möglichkeiten, beispielsweise in der Arbeitsverwaltung Milliardenbeträge einzusparen. Wir müssen generell die Aufgaben einschränken.

Und wo?

Schließen wir erst mal einiges aus. Die Ausgaben für die Renten wird niemand infrage stellen. Bei der Gesundheit gilt es, so wenig wie möglich aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. Denn es ist viel leichter, ein Defizit in der Krankenversicherung über die allgemeinen Schulden zu verstecken. Weder die Beiträge noch die Steuern zu erhöhen, sondern alles als höhere Verschuldung der nächsten Generation zuzuschieben – dieses Spiel ist mit der Föderalismusreform II und der Schuldenbremse beendet.

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50 KommentareAlle Kommentare lesen
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    Koch ist ein ehrbarer Politiker mit stets ehrbaren Absichten so wie wir Manager von Großunternehmen es sind - wie soll Wachstum überhaupt generiert werden, wenn nicht durch Ausweitung des billiglohnsektors zum jetzigen Zeitpunkt - Koch hat in seiner göttlichen Funktion als brutalstmöglicher Aufklärer auch auf die Staatsverschuldung hingewiesen, die ja nur durch rigorose drastische Einschnitte - also auch bei den Subventionen und im Sozialetat - nötig sind - immerhin kann der verbleibende klägliche arbeitende Rest dann schließlich (hoffentlich) noch genug Wachstum generieren, um die immensen Staatsschulden inklusive der Zinseszinslast langfristig bei den Großbanken, bei denen sich der Staat schon nahezu heillos überschuldet hat, dann auch locker abzutragen. Ebenso kosten ja die zahlreichen USrealischen Forderungen (wie die sicherlich sehr zu begrüßenden Einsätze wie "Enduring Freedom", "War on Terror", der Afghanistaneinsatz usw. und auch die zahlreichen monetären Geschenke der Deutschen ans Ausland schließlich auch noch erhebliche Summen. Da muß im inland naturgemäß drastisch gehobelt werden - und wo gehobelt wird, da fallen ja immer viele Späne.

    Grüße von der Hochfinanz, deren Handlanger ich leider auch bin

  • 27.01.2010, 12:59 UhrAnonymer Benutzer: Eiserner Besen

    zu Figuren wie Koch sagt man im Allgäu: Er meint er isch der
    Käs - derweil schtinkt er blos........kann der übrigens Englisch ?

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