Höchstgrenze für Barzahlungen: Festhalten an Bargeld ist mittelalterlich

InterviewHöchstgrenze für Barzahlungen: Festhalten an Bargeld ist mittelalterlich

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Gehört das Zahlen mit Bargeld bald der Vergangenheit an?

von Nora Jakob

Das Bargeld muss schrittweise abgeschafft werden, um die Schattenwirtschaft in den Griff zu bekommen, sagt Korruptionsexperte Peter Fissenewert. Wer nicht auf die geliebten Scheine verzichten kann, bleibe im Mittelalter hängen. Ein Interview.

Die Bundesregierung will eine Obergrenze von 5000 Euro für Barzahlungen einführen. In großen Teilen Europas, unter anderem in Frankreich, Spanien und Österreich, gibt es das bereits. Peter Fissenewert, Professor für Wirtschaftsrecht und Rechtsanwalt ist Deutschlands Spezialist für Korruptionsbekämpfung und Compliance. Ihm geht die Obergrenze noch nicht weit genug: Er plädiert für ein Maximum von 1000 Euro bei Barzahlungen und eine schrittweise Abschaffung des Bargelds.

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Zur Person

  • Peter Fissenewert

    Peter Fissenewert ist Professor für Wirtschaftsrecht und Rechtsanwalt bei hww hermann wienberg wilhelm. Er beschäftigt sich mit Gesellschaftsrecht, sowie Compliance-Beratung und Managerhaftung.

WirtschaftsWoche Online: Zahlen Sie eigentlich lieber bar oder mit Karte?

Peter Fissenewert: Ich zahle lieber mit Karte. Das ist einfach und übersichtlich. Ich kann perfekt trennen nach privaten und geschäftlich veranlassten Ausgaben und meine Brieftasche ist „schlanker“.

Fissenewert Quelle: PR

Interview-Partner Peter Fissenewert.

Bild: PR

Sie halten die Abschaffung des Bargelds für eine gute Idee, warum?

Es ist sogar eine sehr gute Idee. Das Bargeld sollte aber nicht sofort, sondern nach und nach abgeschafft werden. Das wird helfen, Kriminalität wenn nicht abzuschaffen, so doch erheblich einzudämmen Deutschland hat zum Beispiel ein großes Problem mit der Schattenwirtschaft und einer Parallelgesellschaft, deren Überleben von großen Mengen Bargeld gesichert werden. Mit einer Abschaffung können also nicht nur Terrorakte vermieden werden, sondern auch Drogen- und Kleinkriminalität.


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Eine Mehrheit der Deutschen will aber nicht auf das Bargeld verzichten…

… natürlich tun wir uns schwer. Aber wollen wir im Mittelalter hängen bleiben? Die nächsten zehn Jahre – und das ist sehr ein langer Zeitraum – werden darüber entscheiden, ob wir uns der Digitalisierung anpassen oder weiter hinterher hängen. Das bargeldlose Zahlen bedeutet ja keineswegs, dass alle Transaktionen „überwacht“ werden.

Gleichzeitig will die Bundesregierung eine Obergrenze von 5000 Euro für Barzahlungen einführen. Reicht Ihnen das?

Das ist noch viel zu viel. Jedes Jahr werden in Deutschland rund 100 Milliarden Euro durch den Kauf von teurem Schmuck, Immobilien oder Kunst gewaschen. Es reicht doch völlig, wenn die Bargeldgrenze bei 1000 Euro liegt. Warum muss ich mit soviel Bargeld bezahlen wollen?

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25 Kommentare zu Höchstgrenze für Barzahlungen: Festhalten an Bargeld ist mittelalterlich

  • Bargeld ist "mittelalterlich" und zahlen mit Kreditkarte soll "modern" sein? Das Jahr 1984 gehört inzwischen auch der Vergangenheit an.
    Mehr als die Schattenwirtschaft bedroht uns Bürger die Plünderung durch einen Staat, der jede Zahlung überwachen will.

  • Ich bin lieber mittelalterlich, als ein vollständig wehrloser Idiot. Wie schnell ist eine Karte gesperrt, gibt es "Bankferien" wie in Griechenland oder die Forderungen gegenüber der Bank sind wertlos wegen einer Insolvenz der selbigen. Schon mal mit ungültigen Karten versucht zu zahlen, weil die Bank zahlungsunfähig geworden ist?
    Es muß in dieser Sozial-Diktatur schon sehr schlecht stehen, wenn Mittel, über die ich-hab-doch-alle-lieb-Mielke gejubelt hätte, ausgegraben werden müssen.
    Aber so endet jeder Sozialismus. In dem Versuch der totalen Knechtschaft.
    P.S. Die Abgaben im Mittelalter waren geradezu paradiesisch.

  • Mittelalterliche Vergleiche dürften heutzutage nur mit dem
    Verhalten von Raubrittern in Verbindung gebracht werden, von
    deren Verhalten das 'moderne' 'systemrelevante' Bankenwesen
    nicht sehr weit entfernt ist.
    So zittert dieses Bankensystem, verursacht durch ihr eigenes
    Fehlverhalten mit ihren verfehlten Geschäftsstrategien vor
    den kommenden Pleiten, bei der die Gläubiger seit dem
    1. Januar 2016 für dieses Fehlverhalten mit ihren Gut-
    haben geradestehen müssen.
    Verständlicherweise versuchen die Bankkunden ihre Gelder,
    bei den geringsten Anzeichen der Schieflage ihres In-
    stituts ihre Gelder abzuziehen. Die gemachten schlechten
    Erfahrungen mit 'Einlagensicherungen' dürften spätestens
    nach den Ereignissen in Zypern jeden Kontoinhaber ge-
    warnt haben, daß nur er selbst für seine Gelder ga-
    rantieren kann und sonst niemand.
    Bezeichnend hierfür sind die Bestimmungen der 'Banken-
    union' die die rückzahlungsfreie, präventive Rekapi-
    talisierun der Finanzsysteme durch die Steuerzahler
    als Kontoinhaber vorsieht, wenn gar nichts mehr geht,
    womit sie doppelt gekniffen wären.
    Vielleicht kommt man auch noch auf die kuriose Idee,
    die sich immer weiter öffnenden Finanzlöcher am Ende
    auch durch den IS und den anderen Geldwäschern, mit
    dem Zwang zur online-banking, zu stopfen, damit kein
    Bargeld mehr 'zweckentfremdet' werden kann.


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