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Höhere Steuereinnahmen: Schäuble im Glück

von Christian Ramthun

Europa wird immer ungewisser, doch auf die heimischen Steuereinnahmen ist Verlass. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble meldet einen Anstieg um zehn Prozent im ersten Halbjahr und hofft, bis 2014 auf neue Schulden verzichten zu können.

Bundesfinanzminister Wolfgang Quelle: dapd
Bundesfinanzminister Wolfgang Schaeuble (CDU) Quelle: dapd

Krise – welche Krise? Für Finanzminister Schäuble läuft es daheim prächtig. Von Januar bis Juli stiegen die Steuereinnahmen in Deutschland insgesamt um 9,4 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Dank des starken Wirtschaftsaufschwungs wird Deutschland 2011 wieder die Drei-Prozent-Maastrichtgrenze überraschend deutlich unterschreiten. Statt mit einem laufenden Staatsdefizit von 2,5 Prozent rechnet das Bundesfinanzministerium nur noch mit einem Minus von 1,5 Prozent. Im Jahr 2014 könnten Bund, Länder und Kommunen auf insgesamt ausgeglichene Haushalte kommen.

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Damit wäre Schäuble ein Eintrag in die Geschichtsbücher gewiss: Erster schuldenfreier Finanzminister seit Ende der Sechziger Jahre würde die Überschrift lauten. Insgeheim dürfte der CDU-Politiker wohl schon für 2013 darauf hoffen, denn zum einen ist dann Wahljahr, und zum zweiten könnte sich der heute  68-jährige die Lorbeeren noch auf sein eigenes Haupt legen lassen. Wahrscheinlich würde es auch so kommen, wenn ihm Europa und die Weltkonjunktur nicht noch einen Strich durch die Rechnung machen.

Tatsächlich verdunkeln sich die Konjunkturindikatoren, und wenn die Börsen die nähere konjunkturelle Zukunft halbwegs richtig vorwegnehmen, könnte auch schon im nächsten Jahr Schluss sein mit den sprudelnden Steuereinnahmen. Dann müsste sich der Finanzminister eher überlegen, wie er das Defizit nicht zu groß werden lässt. Womöglich würde er auch gezwungen, wie schon 2009/10 ein Konjunkturpaket zu schnüren. Das wäre dann alles andere als vergnügungssteuerpflichtig.

Noch möchte Schäuble nicht daran glauben. Er spricht lieber von einer „Dämpfung überzogener Erwartungen“. Im Deutschlandfunk erklärte der Minister, es spreche alles dafür, „dass wir in diesem Jahr immer noch über drei Prozent Wachstum liegen“. Das sei immer noch mehr, als Anfang des Jahres vorhergesagt worden sei.  

Aber clever wie Schäuble nun einmal ist, wird er in ein paar Wochen, wenn es um die von der Koalition versprochenen Steuersenkungen geht, mahnend auf die sich abschwächende Konjunktur und Risiken für den Staatshaushalt hinweisen. Dann wären die Steuerzahler, die Schäuble nun glänzende Einnahmen bescheren, kräftig gelackmeiert.

13 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.08.2011, 19:53 UhrAnonymer Benutzer: Joker1

    nachdem nun die Tricksereien beim Euro-Rettungsschirm publik wurden, ist das dämliche Grinsen dieses Vollbluteuropäers nach-
    zuvollziehen, wa.
    Die bagage muss weggesperrt werden, für immer, ab in den GULAG,
    Präsident Putin kennt bestimmt eine kalte insel, aber ohne Rückfahrgelegenheit.

  • 23.08.2011, 19:11 UhrAnonymer Benutzer: Herbert

    ist das hier die WirtschaftsWoche oder eine bildungszeitschrift? Tanzt die WiWo nun auch nach der Pfeife des Regierungssprecher und verbreitet dessen Meinung als Eigene?

    Diese falschen Jubelmeldungen haben in Deutschland seit Jahrzehnten Tradition, nur bisher nicht bei der Presse die sich als unabhängig befand. Das ist nun scheinbar anders.

    Es ist mittlerweile unbestritten, dass die Regierung Merkel mit Schäuble & Co. alle bürger, Klein- und Mittelunternemer versucht auszupressen wie eine Zitrone. Auch werden die Drohgebärden immer Lauter und Lauter um dieses Klientel ruhig zu stellen und Mundtot zu machen.

    Doch die Regierung und ihre Vasallen sind nur zahnlose Tiger wenn keine Wahlen mehr gewonnen werden und die Steuereinnahmen einbrechen, trotz massiv erhöhter Drohkulisse. Wenn dann auch noch die EU-"Partner" die Hosentaschen umdrehen und hohe Hilfsleistungen in bar einfordern, ist deren Spiel verloren. Die heutigen Regierungsmitglieder werden dann irgendwo in Übersee sich einen Unterschlupf suchen.

    Der Dumme ist dann aber ausschließlich der bürger, Klein- und Mittelunternemer. Wenn es so kommen sollte, was nicht ausgeschlossen erscheint, sollte man überlegen ob man dann nicht einem anderen Staat beitritt. Denn den nachfolgenden deutschen Politikern wird innen und Außen keiner mehr glauben schenken.

    Dann wäre Deutschland und sein Volk zum dritten Mal von seinen Politikern bewusst verraten und verkauft worden.

  • 23.08.2011, 18:16 UhrAnonymer Benutzer: Stockwurst

    Die bericherstattung ist dahingehend irreführend, dass von Schuldenfreiheit ("...schuldenfreier Finanzminister...") ja nicht die Rede sein kann. Lediglich eine in Aussicht stehende ERHÖHUNG der Schulden kann evtl. (!) verhindert werden...
    Wenn man in Zeiten annähernder Vollbeschäftigung nicht zu mehr in der Lage ist, ist dies eher ein Armutszeugnis und zeigt nur, dass bei schlechteren Konjunkturverhältnissen sicherlich wieder die Schulden erhöht werden... aber nochmal 50 Jahre kann das rein mathematisch nicht so weiter gehen!

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