IAB-Chef Joachim Möller: "Schmaler Steg statt breite Brücke"

IAB-Chef Joachim Möller: "Schmaler Steg statt breite Brücke"

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Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg

von Bert Losse

IAB-Chef Joachim Möller über die Zunahme befristeter Arbeitsverträge und die ökonomischen Folgen einer Lohnangleichung für Zeitarbeiter.

wiwo.de: Herr Möller, die Wirtschaft brummt, aber von den neu abgeschlossenen Arbeitsverträgen werden trotzdem rund 50 Prozent befristet. Teilen Sie die Forderung der SPD, die befristete Beschäftigung gesetzlich einzuschränken?

Joachim Möller: Da bin ich eher zurückhaltend. Denn immerhin rund die Hälfte der befristeten Arbeitsverträge werden später „entfristet“. Wenn die Politik hier stärker reguliert und etwa die so genannte sachgrundlose Befristung verbietet, dürften viele Unternehmen auf die Leiharbeit ausweichen, um ihre personelle Flexibilität zu wahren. Das wäre ein schlechter Tausch.

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Warum?

Die Leiharbeit ist eher ein schmaler Steg als eine breite Brücke in reguläre Beschäftigung: Der so genannte Klebeeffekt, also der Anteil der Leiharbeiter, die von ihren Entleihfirmen irgendwann übernommen werden, liegt nur bei sieben bis 15 Prozent. Zudem glaube ich, dass sich der Trend zu befristeten Arbeitsverträgen auch wieder umkehren wird: Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels müssen die Unternehmen künftig schon aus strategischen Gründen wieder mehr unbefristete Vollzeitjobs anbieten. Auch daher gibt es bei der befristeten Beschäftigung keinen gesetzlichen Regulierungsbedarf, das regelt sich von selbst.

In der Stahlbranche erhalten Zeitarbeiter künftig den gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft. Macht das wirklich Sinn? 

In der Stahlbranche haben wir eine besondere Situation: Hier sind überwiegend Facharbeiter als Leiharbeitskräfte tätig, die bereits in der Vergangenheit oft dasselbe verdient haben wie die Stammbelegschaft. Von so einer Ausnahmesituation abgesehen wäre es ökonomisch sinnvoll, die gleiche Bezahlung erst nach einer gewissen Zeit im Betrieb einzuführen. Denn machen wir uns nichts vor: Zeitarbeiter haben nicht selten unstete Erwerbsbiografien und ein geringeres Qualifikationsniveau. Sie müssen von den Betrieben, die sie ausleihen, oft zunächst angelernt werden. Daher gibt es durchaus Gründe, für eine gewisse Zeit niedrigere Löhne für Leiharbeitnehmer zuzulassen. Das darf aber kein Dauerzustand werden. Sonst besteht die Gefahr, dass Unternehmen dies ausnutzen – siehe Schlecker.

Es besteht noch eine andere Gefahr – dass die Unternehmen aus Kostengründen weniger Zeitarbeiter  nachfragen  und dann viele Jobs in der Zeitarbeitsbranche verloren gehen.

Klar, steigt der Lohn, sinkt die Nachfrage, ein einfaches ökonomisches Gesetz. Doch wenn Zeitarbeiter die gleiche Leistung zeigen und ein vergleichbares Qualifikationsniveau wie die Stammbelegschaft haben, dürfte sich wenig an der Nachfrage ändern. Für geringqualifizierte Zeitarbeiter aber würde die Luft  dünner, das ist wahr. Besser bezahlte Zeitarbeitjobs haben allerdings auch einen gegenläufigen Effekt: Sie machen die Zeitarbeit für besser Qualifizierte attraktiver, die bisher einen Bogen um dieses Arbeitsmarktsegment machen.

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