Ifo-Geschäftsklima-Index: Stimmung schlechter als erwartet

Ifo-Geschäftsklima-Index: Stimmung schlechter als erwartet

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Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn: "Erwartungen sind gedämpft".

Das Griechenland-Drama schlägt deutschen Managern auf den Magen: Das Geschäftsklima hat sich im Juni zum zweiten mal in Folge verschlechtert. Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind gedämpft, aber weiterhin gut.

Die deutschen Manager gehen wegen der Griechenland-Krise weniger optimistisch in die zweite Jahreshälfte. Das Barometer für das Geschäftsklima fiel im Juni von 108,5 auf 107,4 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Das ist der zweite Rückgang in Folge und der schlechteste Wert seit Februar. Von Reuters befragte Ökonomen hatten 108,1 Zähler erwartet.

"Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind gedämpft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte beurteilten sowohl ihre Lage als auch ihre Geschäftsaussichten schlechter als im Vormonat. Die Stimmung trübte sich dabei in der Industrie und im Handel ein, während sie sich bei den Dienstleistern und in der Baubranche etwas aufhellte.

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Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

"Die Griechenland-Krise schlägt sich noch nicht in den Auftragsbüchern nieder, verunsichert aber", erklärte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe den Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers. Trotz der erneuten Eintrübung des Geschäftsklimas sieht das Ifo-Institut die deutsche Wirtschaft in robuster Verfassung. "Die Zahlen stehen nicht im Widerspruch zu unserer Konjunkturprognose", sagte Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Die Münchner Forscher hatten in der vergangenen Woche ihre Schätzungen für die deutsche Wirtschaft angehoben und von einem kräftigen Aufschwung gesprochen. Sie erwarten im Gesamtjahr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 1,9 Prozent. "Wir hatten ein sehr starkes zweites Quartal mit einem Wachstum von 0,6 Prozent", sagte Wohlrabe. "Das dritte Quartal wird bei 0,4 Prozent landen." Hauptstützen bleiben den Forschern zufolge der Konsum der Verbraucher, die durch gesunkene Energiepreise entlastet werden, und der niedrige Euro-Kurs, der den Exporteuren beim Verkauf ihrer Waren in Übersee hilft.

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Die Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) warnten am Mittwoch dagegen vor vielen Risiken und senkten ihre Wachstumsprognose für 2015 von 2,2 auf 1,8 Prozent. "Die deutsche Wirtschaft erscheint derzeit stärker, als sie tatsächlich ist", warnte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Denn für Schwung sorgten vor allem Sonderfaktoren wie der niedrige Ölpreis oder der für die Exporteure günstige Euro-Kurs. "Die Risiken sind hingegen enorm", betonte Fratzscher. So hätte ein Scheitern der Verhandlungen mit Griechenland und ein Austritt des Landes aus dem Euro fatale Folgen für Europa und würde somit auch der deutschen Wirtschaft schaden.

Man dürfe das Risiko von Ansteckungseffekten der Griechenlandkrise nicht unterschätzen. "Auch wegen dieser Unsicherheiten investieren die Unternehmen noch immer viel zu wenig und haben bisher nicht einmal das Vorkrisenniveau erreicht", sagte Fratzscher.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs suchen bei ihrem am Donnerstag beginnenden Gipfel nach einer Lösung im griechischen Schuldenstreit. Ohne den Ballast der Griechenland-Krise, so schätzen Ökonomen, könnte die deutsche Volkswirtschaft in den kommenden Monaten wieder kräftiger wachsen.

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